Interdisziplinäre angiologische und radiologische interventionelle Versorgung einer AV-Shuntstenose im Hybrid-OP.
Interdisziplinäre angiologische und radiologische interventionelle Versorgung einer AV-Shuntstenose im Hybrid-OP (Foto: Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara/Andrea Bergert)

Das seit Dezember 2019 zertifizierte überregionale und bisher einzige Shuntreferenzzentrum in Sachsen-Anhalt am Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara in Halle (Saale) wird nun um die neu gegründete Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie erweitert. Hierdurch erwachsen weitere innovative Möglichkeiten der interventionellen Behandlung Shunt-assoziierter oder zentralvenöser Stenosen.

In Deutschland sind aktuell mehr als 100.000 Patienten auf Nierenersatzverfahren angewiesen, jedes Jahr kommen Tausende neue Patienten hinzu. Vor dem Hintergrund sinkender Zahlen an Nierentransplantationen sind Patienten auf zumindest überbrückende, in der großen Mehrzahl aber dauerhafte Nierenersatzverfahren angewiesen. Ein gut funktionierender Dialysezugang für die Peritoneal- oder Hämodialyse hat somit für diese Patienten eine lebenswichtige Bedeutung. Probleme mit dem Dialysezugang bedingen häufig, neben erhöhter Mortalität, auch empfindliche Beeinträchtigungen der Lebensqualität aufgrund wiederholter Krankenhausaufenthalte durch Revisionseingriffe.

Der demografischen Entwicklung geschuldet, werden Dialysepatienten immer älter und multimorbider (Durchschnittsalter aller Hämodialysepatienten in Deutschland: ca. 70 Jahre) mit den einhergehenden Gefäßverhältnissen, sodass die primäre Shuntanlage häufig bereits eine Herausforderung darstellt. Revisionseingriffe bei langjährigen und teils voroperierten Shuntpatienten erfordern somit eine hohe Expertise aller Beteiligten.

Spezielles Augenmerk muss auf das Timing der Shuntanlage vor Dialysebeginn gelegt werden. Ist die Entscheidung für eine Hämodialyse gefallen, erfolgt eine Diagnostik der Armgefäße mittels Ultraschall. Operative Möglichkeiten zur Shuntanlage sollten vorrangig am Unterarm mittels nativ-Shunt genutzt werden, alternativ sind Gefäßprothesen und Anlage am Oberarm, Oberschenkel oder als Collier-Shunt am Hals möglich. Anschließend ist eine Reifung des Shunts (Arterialisierung des venösen Shuntgefäßes) über mindestens 2 Wochen, teilweise eine Vorverlagerung (Verlagerung des Shunts an die Oberfläche) notwendig, bevor es zur ersten Punktion des Shunts kommen kann. In Ausnahmefällen kann die Anlage eines meist temporären getunnelten zentralvenösen Katheters erfolgen. Problematisch hierbei sind bei wiederholten zentralvenösen Katheteranlagen resultierende Stenosierungen und Thrombosierungen der Venen.

Das interventionelle Behandlungsspektrum deckt v. a. die Therapie von Shunt-Dysfunktionen ab. Periphere arterielle Zuflussstenosen, periphere und zentrale Venenstenosen, Shunt-Thrombosen und chronische Verschlüsse können häufig ambulant und in Lokalanästhesie mittels verschiedener Katheter endovaskulär therapiert werden. Eine wesentliche Zeitverzögerung oder die Notwendigkeit eines zusätzlichen temporären Zugangs treten kaum auf. Somit bleibt die Dialyse planbar. Ziel ist es, durch rechtzeitige und gezielte Eingriffe das Überleben eines Shunts möglichst lange zu sichern. Dabei gilt grundsätzlich, dass Nephrologen, Gefäßchirurgen und interventionelle Radiologen sich im Team um den Shunt-Patienten kümmern, da jeder Einzelfall anders gelagert ist und die optimale Therapiestrategie nur gemeinsam definiert werden kann.Dr. Thomas Ehnert, Prof. (AMC) Dr. Hubertus Nietsch, Dr. Ulrich Wollert


Autoren:
Dr. Thomas Ehnert,
Prof. (AMC) Dr. Hubertus Nietsch,
Dr. Ulrich Wollert

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Shunt-Referenzzentrum
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