Dr. med. Hans-Jörg Scholz
Dr. med. Hans-Jörg Scholz

Lieber Hans-Jörg Scholz, statt Feuerwerk und großem Zapfenstreich, statt Sekt und Kaviar, Deine 25 Jahre währende berufliche Laufbahn endete am Asklepios Klinikum Weißenfels durch die Einschränkungen der Covid-19-Pandemie eher still und leise. Das kam Dir sicherlich entgegen. Aber etwas Tamtam hätte Dir dabei unbedingt zugestanden.

Du stammst aus Markoberndorf im Voralpenland. Nach dem Abitur hast Du Dich mit dem Italienischen in Perugia und für 2 Jahre mit dem Studium der Architektur befasst. 1978 begann Dein Medizinstudium in München. Nach Approbation 1984 und Promotion 1985 bliebst Du lange der Urologischen Klinik in Kempten treu – zunächst als Assistenzarzt, nach der Facharztanerkennung 1989 als Oberarzt. Vom 01.01.1996 bis zum 31.12.2020 warst Du Chefarzt der Urologischen Klinik des Asklepios Klinikums Weißenfels. Damit nicht genug: Von 2006 bis 2014 hast Du als Ärztlicher Direktor der Asklepios Klinik Weißenfels in unruhigen Zeiten politische und ökonomische Verantwortung übernommen. Als Mitglied in der Fach- und Prüfungskommission „ZB Röntgendiagnostik-fachgebunden“ bist Du an der Ärztekammer Sachsen-Anhalt aktiv.

25 Jahre später erscheint manches unwirklich einfach und selbstverständlich, mit welchem Enthusiasmus, mit welchem persönlichen Einsatz, mit welchem Arbeitspensum und auch mit welchem Erfolg Du um Betten, Ausstattung, ärztliches und pflegerisches Personal und natürlich auch um fachliche und ökonomische Reputation gerungen haben musst. Ich erinnere mich noch gut an den unglaublichen Aufwand und die erfolgreiche Zertifizierung Deiner Klinik als Prostatakarzinomzentrum.

Neben solchen Etappensiegen gab es immer auch persönliche Rückschläge, manche strategische oder organisatorische Entscheidung des Konzerns und auch der eine oder andere Verlust an Leistungsträgern war schwer zu verdauen. Für Patienten sowieso, aber auch für die jüngeren Assistenz- und Oberärzte ist es heute ganz selbstverständlich, in einer modernen urologischen Klinik zu arbeiten, wo verschiedene Lasersysteme, 3D-Laparoskopie, AquaBeam, ESWL und HIFU-Behandlungen ebenso Standard sind, wie wirklich alle modernen urologischen Operationsverfahren. Du hast bis zum letzten Arbeitstag um eine zukunftssichere moderne Urologie gekämpft und Du warst für technische Neuerungen zu begeistern.
„Machen Sie die Narben nicht so groß!“ hast Du jedem von uns mal gesagt, dabei waren wir uns keiner Schuld bewusst. Mit dem daVinci Roboter im Haus schließt sich jetzt für Dich und uns ein Kreis. Ein weiteres Ziel ist erreicht. Mit perfektem Equipment und gutem Team ist die Zukunft „Deiner Urologischen Klinik“ gesichert. So geht man in den Ruhestand. Chapeau! Es hat Freude bereitet, unter und mit Dir zu arbeiten. Du warst ein guter Chef und Kollege. Dein Fleiß, Deine Loyalität zur Klinik, Dein Ehrgeiz und Dein Fachwissen haben uns Mitstreiter, intern und extern der Klinik, immer beeindruckt. Du warst Vorbild, konntest gut und streng organisieren, warst fair und uneitel im Umgang mit Deinen Mitarbeitern und bei fachlichen Entscheidungen. Du hast sorgfältig und konzentriert, kritisch und mit Geschick operiert. „Der Patient hat immer Recht!“ hast Du vor fast 20 Jahren scharf in Deiner nicht zu verbergenden schwäbischen Mundart deklamiert. Ein Satz wie ein Gesetz von Dir, unvergessen. Du hast Patienten und Kollegen Respekt und Vertrauen entgegengebracht, konntest andere Meinungen und Kritik aushalten.

Lieber Hans-Jörg, wahrscheinlich gibt es selbst für Dich ein Leben ohne Klinik. Wenn sich jetzt die Wippe der Work-Life-Balance ganz weit nach rechts neigt – wir gönnen es Dir sehr. Genieße die Zeit, Deine Familie und alle Formen der Kultur, bleib gesund und pass jetzt auch auf Dich besser auf.

Mit herzlichen Grüßen und einem Tamtam im Namen ehemaliger Oberärzte und Kollegen


Dr. Frank Melzer
Urologische Praxis der
Gemeinschaftspraxis am Lindenplatz
06712 Zeitz

Foto: ASKLEPIOS