Patientinnen und Patienten, die sich einem Eingriff unterziehen müssen, profitieren vor einer Operation deutlich von einer Impfung gegen COVID-19. Zu diesem Ergebnis kommt eine weltweite Studie des Forschungsnetzwerks „COVIDSurg“, an dem die Universitätsklinik und Poliklinik für Viszerale, Gefäß- und Endokrine Chirurgie der Universitätsmedizin Halle (Saale) beteiligt ist. In der Fachzeitschrift „British Journal of Surgery“ (https://doi.org/10.1093/bjs/znab101) schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass in der über 70 Jahre alten Allgemeinbevölkerung 1.840 Menschen geimpft werden müssten, um einen Todesfall aufgrund von COVID-19 zu verhindern. Vor einer geplanten Krebsoperation bedürfte es in dieser Altersgruppe lediglich der Impfung von 351 Menschen, um dieses Ziel zu erreichen. Die Autorinnen und Autoren der Fachpublikation schätzen, dass eine weltweite Priorisierung der Impfung für Patientinnen und Patienten vor planbaren Operationen pro Jahr 58.687 COVID-19-bedingte postoperative Todesfälle verhindern könnte.

„Zur Einordnung: Allein am Universitätsklinikum Halle werden im Monat rund 70 Patientinnen und Patienten mit einer Krebserkrankung operiert. Wir setzen uns deshalb dafür ein, dass diese Menschen zu denen gehören, die frühzeitig geimpft werden“, sagt Mitautor Prof. Dr. Jörg Kleeff, Direktor der Klinik für Viszerale, Gefäß- und Endokrine Chirurgie. Eine präoperative Impfung chirurgischer Patientinnen und Patienten würde die Sicherheit der Durchführung von Operationen in Zeiten der COVID-19-Pandemie weiter erhöhen und postoperative Komplikationen aufgrund von COVID-19 vermeiden.

„Die Ergebnisse der Studie können den Entscheidungsträgern helfen, die Impfungen so zu priorisieren, dass hierdurch möglichst viele schwere COVID-19-Erkrankungen und dadurch bedingte Todesfälle verhindert werden. Leider sind aber derzeit in den meisten Ländern Impfstoffe gegen COVID-19 noch nicht in ausreichender Menge verfügbar. Auch in Deutschland sind die in der Studie identifizierten Personengruppen, die besonders von einer Impfung profitieren würden, noch nicht flächendeckend zur Impfung priorisiert worden“, ergänzt apl. Prof. Dr. Ulrich Ronellenfitsch, der die Studie an der Universitätsmedizin Halle (Saale) koordiniert. Für das Forschungsvorhaben, das eine der weltweit größten klinischen Studien darstellt, wurden unter der Leitung der Universität Birmingham (England) Daten von 56.589 Patientinnen und Patienten aus 1.667 Krankenhäusern (darunter 54 deutsche Kliniken) in 116 Ländern ausgewertet. Nach einer geplanten Operation infizierten sich zwischen 0,6 Prozent und 1,6 Prozent der Patientinnen und Patienten mit SARS-CoV-2 und wiesen in den ersten 30 Tagen nach der Operation ein vier- bis achtfach erhöhtes Sterberisiko auf. Insbesondere bei Betroffenen ab 70 Jahren stieg die Sterblichkeitsrate nach einer Krebsoperation im Falle einer Infektion mit SARS-CoV-2 von 2,8 Prozent auf 18,6 Prozent.

Auf Basis dieser Risiken errechneten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den potenziellen Nutzen einer Impfung vor geplanten Operationen. Diese Daten sind beispielsweise insbesondere in Gesundheitssystemen von Bedeutung, bei denen die nachgewiesen wirksamen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus‘ wie ein PCR-Screening vor Krankenhausaufnahme und strikt getrennte COVID-freie Bereiche nicht flächendeckend umgesetzt werden können.

| Pi Universitätsmedizin Halle (Saale)