Prof. Dr. med. habil. Winfried Wagemann
Prof. Dr. med. habil. Winfried Wagemann

Am 10.06.2021 verstarb Prof. Dr. med. habil. Winfried Wagemann nach langer Krankheit.

Damit beschloss sich ein bemerkenswertes Chirurgenleben, wie es in Anbetracht des Werdegangs, der Spanne und Jahre seiner Berufstätigkeit, bestrittenen chirurgischen Felder und der wechselnden institutionellen Verhältnisse unverwechselbarer kaum sein kann.
Als anatomischer Schüler des legendären Prof. Waldeyer, der ihm gute Aussichten für eine anatomische Hochschullehrerkarriere eröffnete und wofür ihm mancher Gesprächspartner heimliche Bewunderung hinsichtlich der exzellenten und namhaften topografisch-anatomischen Ausbildung zollte als auch wovon er sein ganzes Chirurgenleben profitierte, begann er nach einem Humanmedizinstudium an der Charité im Berlin der Zeit des Mauerbaus, wo er den medizinischen Größen der Zeit begegnete (Prof. Brugsch – Innere Medizin, Prof. Serfling – Chirurgie, Prof. Prokop – Gerichtsmedizin u. a.), seine ärztliche Tätigkeit.

Dennoch wandte er sich seiner eigentlichen Leidenschaft, der Chirurgie, zu und kehrte – statt eine Stelle bei Serfling in Berlin anzutreten – in seine heimatliche Region zurück, wo er nach Übersiedelung der Eltern aus Schlesien (geb. in Opole) in Haldensleben aufgewachsen war. Die akademische Medizin an der damaligen Chirurgischen Klinik unter Prof. Lemke, später Prof. Heinrich, der „Medizinischen Akademie Magdeburg“ (MAM) sollte seine weitere fachlich-berufliche Heimat über seinen gesamten Berufsweg werden.

Dieser war durch einen zügigen fachlichen „Aufstieg“ in der Klinikhierarchie schon kurz nach Facharztqualifikation mit Berufung zum Oberarzt gekennzeichnet mit besonderer Betätigung im aufstrebenden Feld der Gefäßchirurgie, deren Entwicklung in Magdeburg er schon früh neben seinem operativen Lehrer Krenz mitbestimmte. Dabei profitierte er weiterhin sehr von den Szene-bestimmenden chirurgischen Persönlichkeiten der Klinik: Prof. Lemke, Prof. Röding, Prof. Römer etc.

Folgerichtig verfolgte W. Wagemann auch die weitere akademische Qualifikation mit einer Habilitation zu einem gefäßchirurgischen Thema.

Schon bald folgte die Berufung zum Hochschuldozenten – einen hohen Stellenwert nahm bei ihm die Professur ein, die für ihn einen Meilenstein in der Hochschul-Karriere bedeutete und wovon er in der erreichten Graduierung hinsichtlich der subjektiven Wahrnehmung ewig zehrte.

Zahlreiche namhafte Chirurgen der Region und auch überregional waren geschätzte Kollegen, Weggefährten oder kreuzten seinen Weg wie z. B. die Herren Profs. Wehner (ehemals Karl-Marx-Stadt/Chemnitz), Schenk (hiesig an der Medizinischen Akademie Magdeburg), Mokros (KH Altstadt in Magdeburg) oder Fleischer (ehemals Plauen) sowie die Herren CÄ Dr. Grätz (ehemals Haldensleben) und Prof. Vinz (ehemals Burg).

Wagemanns Berufslaufbahn sollte noch eine entscheidende Wendung bereithalten. Die Leitung des kinderchirurgischen Arbeitsbereiches war vakant, die ihm als einem der erfahrensten Chirurgen der Klinik angetragen wurde. Er nutzte die Chance konsequent nach eigener spezifischer Fachweiterbildung (Städtisches Klinikum Berlin-Buch [heute Helios-Klinikum] unter Kurt Gdanietz) und re-konstituierte sowie -organisierte als Klinikdirektor den Bereich mit der Formung und Wahrung eines eigenständigen kin­der­chi­rur­gi­schen/­-trau­ma­to­lo­gis­chen Klinikbereiches gegen manche (extra-)institutionelle Anfechtung bis zu seinem Ausscheiden 2006, letztlich auch mit erzielter deutschlandweiter Anerkennung und Etablierung des gesamten kinderchirurgischen Eingriffsspektrums.

Herausragend waren in diesem Zusammenhang Schrittmacherthemen und -arbeiten zur Tumorchirurgie im Kindesalter und zum kinderchirurgischen Wundmanagement, vor allem der Versorgung von Verbrennungsverletzungen beim Kind (vor der verbrennungsspezifischen Zentralisierung in Deutschland) als auch kindlichen Gefäßläsionen sowie von Projekten seiner Mitarbeiter zur Gastroschisis und kindlichen Knochenzysten bzw. Hypospadie.
Gut hat ihm gefallen, dass seine direkten Schüler mit den Herren Dr. Hardy Krause und PD Dr. Salmai Turial seine Arbeit nach seinem Ausscheiden 2006 nicht zuletzt auch in seinem Sinne fortsetzten.
Ganz konnte em. Prof. W. Wagemann von „seiner Einrichtung“, dem mittlerweile konstituierten Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R., trotz Pensionierung nicht lassen. Noch lange pflegte er sich kaum lösenden, intensiven Kon­takt zu ehemaligen Fachkollegen und begutachtete strittige kin­der­chi­rur­gische/-traumatologische Fälle.

Seine Pensionierung nutzte er mit seiner Ehefrau intensiv und mit Unternehmungsgeist – neben Reisen und Filmen interessierte er sich spät fürs Fliegen mit neuen Freunden und Betrachtungshorizonten.

Mit keinen anderen seiner Schüler verband sich ein so intensives fachliches und menschliches Verhältnis wie mit den Herren Prof. Dr. Zuhir Halloul und Dr. Hardy Krause, denen er die Gefäßchirurgie bzw. Kinderchirurgie nahebrachte und die unendlich von seiner unerschöpflichen klinischen Erfahrung in ihrem Werdegang profitierten.

Kein Zufall war es in Anbetracht der intensiven Beziehungen zur Hochschulmedizin in Magdeburg, dass Wagemann auch für eigene medizinische Probleme fast ausschließlich sein Uniklinikum aufsuchte und wahrnahm.

Am 05.02.2020 beging W. Wagemann noch voller Therapiemotivation und durchaus hoffnungsvollen Behandlungsaussichten seinen 80. Geburtstag, der ihn – wie es ihm eigen war – sein bewegtes und erfülltes Chirurgenleben noch einmal sehr ausführlich und detailliert wie selten sonst in den vielen persönlichen Gesprächen, die er so schätzte, mit Freunden und Kollegen Revue passieren ließ. Die Laudatio im Aprilheft 2020 des Ärzteblattes Sachsen-Anhalt beschrieb treffend aus seinem Leben: „ … Sprichwörtlich die teils ausgiebigen sowie fach-, fall- und dienstbezogenen Besprechungen sowie Erörterungen im Rahmen des Bereitschaftsdienstes und darüber hinaus in den diversen Dienstgruppenzusammensetzungen. … “

Wir sind in Gedanken mit großer Anteilnahme bei Frau Gabriele Wagemann, die sich aufopfernd um ihren geliebten Ehemann kümmerte.

Zahlreiche Freunde und Kollegen nahmen Anteil an seinem Schicksal als auch aktiv an seiner fachlich-medizinischen (Mit-)Betreuung, denen aufrichtiger Dank gebührt.

Prof. Winfried Wagemanns Andenken werden wir stets in Ehren bewahren.

Zuhir Halloul,
Hardy Krause,
Frank Meyer

 

Foto: privat