Ehemaliger Ordinarius für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin des Universitätsklinikums der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Am 30.06.2021 beendete Prof. Dr. Serban-Dan Costa seine langjährige Tätigkeit als Direktor der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin am Universitätsklinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.
Serban-Dan Costa wurde 1955 in Oradea/Rumänien geboren und ging in Oradea und Neu-Isenburg/Hessen zur Schule. Er studierte Medizin an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main und promovierte 1985 an dieser Universität unter dem Pharmakologen Dieter Palm zum Thema „Wirkungen von Methylphenidat bei hyperkinetischen Kindern mit minimaler cerebraler Dysfunktion – physiologische und biochemische Aspekte“ mit dem Prädikat „magna cum laude“. Daran schloss sich eine wissenschaftliche Tätigkeit und ärztliche Ausbildung am Kantonsspital Basel der Universität Basel und an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg an sowie die oberärztliche Tätigkeit in Gynäkologie und Geburtshilfe der Heidelberger und Frankfurter Universitätsfrauenklinik.

Dr. h.c. Serban-Dan Costa
Dr. h.c. Serban-Dan Costa (Foto: Melitta Schubert/UMMD)

1998 habilitierte er sich im Fach Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Fachbereich Humanmedizin der Universität Frankfurt am Main mit der Arbeit „Zyklin D1, zyklinabhängige Kinasen (p16, p21, p27) und Tumorsuppressorgen p53 bei primären Mammakarzinomen – Wachstumsregulation und Prognose“. Im gleichen Jahr wurde er zum Leitenden Oberarzt und Stellvertretenden Direktor am Zentrum der Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität Frankfurt am Main ernannt. 2002 erfolgte als Chefarztnachfolger ein Wechsel an das Markus-Krankenhaus in Frankfurt am Main und im Januar 2004 als Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Frauenklinik an die Fachklinik für Onkologie Bad Trissl in Oberaudorf. S.-D. Costa wurde im selben Jahr auf den Lehrstuhl für Gynäkologie und Geburtshilfe des Universitätsklinikums der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg berufen und im November 2004 mit der Leitung der Universitätsfrauenklinik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg betraut.

In den Jahren seines Wirkens in Magdeburg galt sein ganzer Einsatz der Weiterentwicklung des Fachgebiets sowie dem Ausbau der Wissenschaft und Lehre. Eine herausragende Leistung war die Etablierung der Abteilung für Experimentelle Gynäkologie und Geburtshilfe 2006 unter Leitung von Frau Prof. Dr. Ana Claudia Zenclussen mit dem Forschungsschwerpunkt „Immunologie der frühen Schwangerschaft“. DFG-geförderte und translationale Projekte sowie hochrangige Publikationen zeugen von der wissenschaftlichen Exzellenz dieser Abteilung. Die ausgezeichnete Kooperation zwischen der Klinik und der Forschungssektion ermöglichte die Umsetzung des Konzeptes „Clinical Scientist“. Wissenschaftlich interessierten Ärzt*innen wurde im Else-Kröner-Forschungskolleg – gefördert von der Fresenius-Stiftung – eine Auszeit von den klinischen Verpflichtungen gewährt, um sich mit hochkarätigen Forschungsprojekten zu befassen.
 
Unter der Ägide von Herrn Professor Costa ist es durch Teilnahme an zahlreichen klinischen Studien und die Vernetzung mit nationalen und internationalen Fachgesellschaften gelungen, die Universitätsfrauenklinik besonders auf dem Gebiet der gynäkologischen Tumorchirurgie und -behandlung national und international zu profilieren und zu positionieren sowie weitere Forschungsschwerpunkte zu setzen. Internationale Beachtung fand die Initiierung und Durchführung einer prospektiven, randomisierten doppelt-blinden klinischen Studie zum Vergleich der Operationstechniken zur Hysterektomie (LAVA-Studie).
Der Kliniker und Wissenschaftler Costa war Initiator und entscheidender Ideengeber für die klinische Erforschung des männlichen Mammakarzinoms und setzte damit an der Universitätsfrauenklinik Magdeburg einen neuen Schwerpunkt. Er entwickelte und leitete die Registerstudie des männlichen Mammakarzinoms, die seit 2009 deutschlandweit erfolgreich Patienten rekrutiert. Wichtige klinische Erkenntnisse dieser Studie konnten hochrangig publiziert werden.

Durch den besonderen Einsatz von Herrn Professor Costa gelang die Entwicklung eines universitären Brustzentrums. Die Klinik entwickelte sich dadurch zu einem überregionalen Kompetenzzentrum für die Diagnostik und Therapie des Mammakazinoms und ist auf diesem Gebiet ein beliebter Ort für Weiterbildung und Hospitationen ärztlicher Kollegen aus vielen Ländern.

Die Frauenklinik wurde unter Leitung von Professor Costa zudem Kooperationspartner des DKG-zertifizierten Onkologischen Zentrums des Universitätsklinikums Magdeburg. In der gynäkologischen Onkochirurgie und -therapie konnte in vielen Jahren ein steter Zuwachs der Patientinnen verzeichnet werden.

Maßgeblichen Anteil hatte Costa auch an der engen Kooperation und Zusammenarbeit mit der Universitätskinderklinik und an der Förderung des Ausbaus des Perinatalzentrums Stufe 1 am Standort der Universitätsfrauenklinik. Im Perinatalzentrum – mit einem Einzugsbereich weit über den Norden Sachsen-Anhalts hinaus – werden auf höchstem Niveau Risikoschwangerschaften und -geburten betreut und Frühgeborene versorgt. In den Jahren des Wirkens von Herrn Professor Costa an der Universitätsfrauenklinik Magdeburg wurden so 21.750 Kinder geboren, darunter 34 Drillinge, 3100 Frühgeborene davon 1193 Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht < 1500 g.

Der Erhalt der Abteilung für Reproduktionsmedizin und Gynäkologische Endokrinologie am Standort der Universitätsfrauenklinik ist wesentlich dem Engagement von Herrn Professor Costa zu verdanken.

Die hohe wissenschaftliche und klinische Expertise von Herrn Costa spiegelt sich in der Mitgliedschaft in bedeutenden nationalen und internationalen Fachgesellschaften, in Leitkommissionen der Studiengruppe German Breast Group, in zahlreichen Editorial Boards, als Experte in Internetforen und als Herausgeber und Mitautor zahlreicher Fachbücher wider.
Sein bemerkenswertes wissenschaftliches Lebenswerk umfasst zahlreiche Publikationen – allein etwa 150 Publikationen aus den „Magdeburger Jahren“ – insbesondere zu den Themen der gynäkologischen Onkologie und operativen Gynäkologie.

Dass sich Costa nicht nur der Tätigkeit als Kliniker und Wissenschaftler verpflichtet fühlte, zeigt sein besonderes Engagement für die Lehre und medizinische Ausbildung. Er hat durch seine Vorlesungen sowie die strukturiert ausgestaltete Weiterbildung zahlreiche Studierende und Weiterbildungsassistenten begeistert und motiviert, sich für die Facharztweiterbildung Gynäkologie und Geburtshilfe zu entscheiden. Aus seiner Klinik sind Fachärzte, Oberärzte und Chefärzte hervorgegangen und unter seiner wissenschaftlichen Anleitung wurden junge Kolleginnen und Kollegen zur Promotion und Habilitation geführt. In der Ärztekammer Sachsen-Anhalt war Serban-Dan Costa seit vielen Jahren Mitglied und Vorsitzender der Fach- und Prüfungskommission „Frauenheilkunde und Geburtshilfe“. Zahlreichen jungen und niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen wurde durch seine Anregung und Unterstützung die Möglichkeit eröffnet, sich im Kurssystem in Zusammenarbeit mit Prof. J.-U. Blohmer, Charité Berlin, auf dem Gebiet der Mamma-Sonografie zu qualifizieren und zu zertifizieren.

Neben dieser Einheit von Klinik, Wissenschaft und Forschung, die Professor Costa lebt, war er immer an der Verschlankung von Prozessen und Abläufen interessiert und lehnte sich mit Nachdruck und Kritik gegen die zunehmende Bürokratisierung des Arztberufes auf.
Besonders erwähnenswert ist zudem das ehrenamtliche Wirken Costas als Präsident der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. und damit verbunden sein unermüdlicher Einsatz für die klinische Ausbildung des Nachwuchses in Rumänien sowie die Unterstützung beim Aufbau klinischer Abteilungen vor Ort. Seine Förderung
der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern auf dem Gebiet der Gynäko-Onkologie kann ohne Frage als Herzensangelegenheit bezeichnet werden. Die hohe Wertschätzung seiner fachlichen Meinung zeigt sich in der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Medizinischen und Pharmazeutischen Universität Victor Babes Timisoara (Rumänien) und der Berufung auf eine Gastprofessur für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Medizinischen Fakultät der Universität Novi Sad (Serbien) im Jahr 2009. Herr Professor Serban-Dan Costa genießt ein hohes Ansehen im Kreis von Kollegen und Mitarbeitern.

Wir sind überzeugt, dass seine klinische Erfahrung, sein vernetztes nationales und internationales Wirken sowie seine menschliche Kompetenz und Vorbildwirkung auch noch weit über die Emeritierung hinaus von unschätzbarem Wert für die Fortentwicklung der Universitätsfrauenklinik Magdeburg und die Förderung des klinischen Nachwuchses sein werden.

Wir wünschen Herrn Prof. Dr. Serban-Dan Costa nach seiner Emeritierung persönliches Wohlergehen, Gesundheit sowie Kraft für die Verwirklichung der zahlreichen Projekte und Aufgaben, die ihm am Herzen liegen.

Im Namen aller ehemaligen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Prof. Dr. Ana Claudia Zenclussen,
Department Umweltimmunologie am Helmholtz Zentrum für Umweltforschung Leipzig und Sächsischer Inkubator für Klinische Translation der Universität Leipzig;
Prof. Dr. Holm Eggemann,
Städtisches Klinikum Magdeburg
Dr. Anke Redlich;
Universitätsfrauenklinik Magdeburg