Implantat kann das Aussetzen der Atmung in der Nacht verhindern

In der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie Magdeburg wurde die erste Implantation eines sogenannten Zungenschrittmachers zur Therapie der nächtlichen obstruktiven Atmungsstörung (OSAS) durch Oberärztin Anja Giers durchgeführt. Bei dieser Erkrankung kommt es durch eine Instabilität zu einer teilweisen oder vollständigen Verlegung der Atemwege. Die Standardtherapie erfolgt üblicherweise mit einer nächtlichen Atemwegsüberdruckbehandlung über eine Nasen- oder Mundnasenmaske. Diese wird jedoch nicht von allen Patient*innen gut vertragen. Der Zungenschrittmacher stimuliert sanft die Zungenmuskelnerven, sodass ein nächtliches Zurückfallen der Zunge verhindert wird und kann in ausgewählten Fällen eine Alternative darstellen. Oberärztin Dr. Giers und Dr. Stephanie Kühne haben die Implantation erfolgreich durchgeführt. „Der Patient hat ein Jahr lang verschiedene Masken ausprobiert, konnte aber aufgrund einer Hauterkrankung nicht suffizient therapiert werden“, berichtet Dr. Giers.


Wie funktioniert die Therapie

Eine schematische Darstellung des Schrittmachers (Grafik: Inspire Medical Systems Inc.)
Eine schematische Darstellung des Schrittmachers (Grafik: Inspire Medical Systems Inc.)

Zunächst wird in Voruntersuchungen durch einen speziell geschulten Arzt mit verschiedenen Untersuchungen und Tests, zu der auch eine endoskopische Schlafuntersuchung gehört, geklärt, ob der Patient für die Zungenschrittmachertherapie geeignet ist. Nur wenn alle Kriterien erfüllt sind und die anatomischen Gegebenheiten die Operation zulassen, wird der Patient für eine Implantation vorbereitet.

Das Neurostimulationssystem besteht aus verschiedenen Komponenten, einer Stimulationselektrode, die von einem kleinen Generator betrieben wird und einem Atemsensor, der kontinuierlich den Atemrhythmus des Patienten im Schlaf misst und sich der natürlichen Atemfrequenz anpasst. Damit soll die Funktionsstörung der Atemwegsmuskulatur bei Patient*innen mit OSAS direkt behoben werden.

Bei der Einatmung wird die Zungenmuskulatur – genauer gesagt der Zungenmuskelnerv (Nervus hypoglossus) – durch eine Elektrode stimuliert. Dafür wird in der Operation eine Elektrode um den Zungenmuskelnerv gelegt. Dieser schiebt bei leichter Stimulation die Zunge nach vorne und bewirkt so eine Öffnung des Schlunds. Hierdurch wird die Atemwegsverlegung effektiv verhindert. Der Betroffene kann das System selbstständig bedienen und schaltet es per Fernbedienung vor dem Schlafengehen ein und morgens nach dem Erwachen wieder aus. Auch nächtliche Pausen für den Toilettengang oder zum Trinken sind problemlos möglich.


Information zur Schlafapnoe

Fernbedienung Zungenschrittmacher (Foto: Inspire Medical Systems Inc.)
Fernbedienung Zungenschrittmacher (Foto: Inspire Medical Systems Inc.)

Eine obstruktive Schlafapnoe ist eine ernstzunehmende Beeinträchtigung der Lebensqualität. Unbehandelt kann sie sogar die Lebensdauer verkürzen. Die Atempausen können mehrere hundert Mal pro Nacht auftreten und Minuten lang andauern. Die Folge ist, dass der Betroffene immer wieder wach wird und dadurch keinen erholsamen Schlaf führen kann.

Lautes Schnarchen, Tagesschläfrigkeit, Kopfschmerzen am Morgen und Konzentrationsstörungen bis hin zu depressiver Verstimmung gehören zu den typischen Symptomen von OAS.

| Pi Universitätsmedizin Magdeburg