Hausärzte – wir brauchen Euch!

Am 16.01.2013 hatte ich die Möglichkeit, vor einer großen Anzahl von hausärztlich tätigen Kollegen in Dessau zu sprechen. Das Hauptthema der Veranstaltung war Schmerz und von fünf Referenten war ich der letzte und berichtete über das Thema Schmerz und Sucht. Das von mir vorgestellte Fallbeispiel, einer durch Schmerzbehandlung iatrogen abhängig gewordenen Patientin, wurde mit großem Interesse aufgenommen. Der Umstand, dass Patienten über Medikamente in die Sucht geraten können, war zwar allen Anwesenden bekannt und ebenso die notwendige Berücksichtigung dieses Faktums bei der medikamentösen Schmerzbehandlung, was aber im Nachgespräch mit einigen Kollegen deutlich wurde, war, dass der weitere Fortgang, nämlich Entgiftung und Rehabilitation, nur marginal gewusst waren. Neben den unmittelbar gestellten Fragen und der sich daraus ergebenden Diskussion wurde unter anderem eine Klinikbesichtigung vorbesprochen und ein reges Interesse an Zugangs- und Vermittlungswegen gezeigt.

Mir wurde deutlich, dass das „Stiefkind Sucht“ bei Hausärzten nicht nur durch ein Defizit an Interesse zur vermiedenen Randproblematik geworden ist, sondern dass durch Mangel an Zeit und zu geringem Bekanntheitsgrad von Fortbildungsmöglichkeiten das ubiquitär verbreitete Krankheitsbild nicht sicher im Blick ist. So entstehen Unsicherheit, Angst und damit auch Vermeidung.

Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt empfiehlt deshalb, dass sowohl niedergelassene Ärzte die Qualifikation (Zusatzweiterbildung) „Suchtmedizinische Grundversorgung“ erwerben und ebenso dringend, dass in jeder Klinik ein Arzt mit dieser Zusatzweiterbildung tätig bzw. abrufbar ist. Auch unter dem Aspekt, dass Drogenkranke unter Substitution jederzeit in jedem Bereich des Gesundheitssystems auftauchen können, erscheint diese Maßnahme ein wichtiges Versorgungserfordernis.

Ansprechpartner:
Ausschuss „Sucht und Suchterkrankungen“
der Ärztekammer Sachsen-Anhalt,
Doctor-Eisenbart-Ring 2, 39120 Magdeburg

Dr. E. Grau (Stellv. Vors. d. Ausschusses)