Prof. Dr. med. Alexander Link leitet das Forschungslabor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie der Universitätsmedizin Magdeburg.
Prof. Dr. med. Alexander Link leitet das Forschungslabor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie der Universitätsmedizin Magdeburg.

Sie haben die Fähigkeit zu heilen und können gleichzeitig krankmachen: Gastroenterologe Dr. Alexander Link erforscht den Einfluss von Darmbakterien auf das Immunsystem und wie man entzündliche Darmerkrankungen mit ihrer Hilfe besser behandeln kann.

Die bekannten „Schmetterlinge im Bauch“ kennt wohl jeder. Tatsächlich kann unser Darm Empfindungen wahrnehmen und über eigene Nervenzellen an das Gehirn weiterleiten. Gleichzeitig ist es das größte Immunorgan des Menschen und damit ein wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems.

Den Darmspezialisten Dr. Alexander Link, Leiter des Forschungslabors der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie der Universitätsmedizin Magdeburg, interessieren bei seiner Forschung und klinischen Tätigkeit insbesondere die Darmbakterien und ihren Einfluss bei der Entstehung, Prävention und Therapie von Krankheiten des Darmtraktes – auch Mikrobiomforschung genannt. Für seine besonderen Leistungen in Forschung und Lehre wurde der Privatdozent zum 26. Juli von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg zum außerplanmäßigen Professor (APL) ernannt.

„Es gibt Billionen von unterschiedlichen Bakterien in unserem Gastrointestinaltrakt und wir wollen versuchen, die Identität und die Funktionen von bestimmten Bakterien genauer zu bestimmen. Davon erhoffen wir uns ein besseres Verständnis der molekularen Veränderungen von Erkrankungen des Darms zu gewinnen, um die Versorgung der Patientinnen und Patienten weiter zu verbessern“, erklärt Prof. Dr. Link. Laut des Gastroenterologen wisse man bereits, dass das Mikrobiom – die Gesamtheit aller Bakterien im Magen-Darm-Trakt – bei vielen Erkrankungen wie beispielsweise Darmkrebs, Diabetes, aber auch bei Depressionen aus dem Gleichgewicht gerät und damit auch Therapien nicht mehr richtig wirken können. Die Ursachen sind oftmals vielfältig: falsche Ernährung, eine vorangegangene Antibiotika-Behandlung, aber auch Umweltfaktoren und die individuelle Genetik können eine Rolle spielen. Ein Ansatzpunkt für Therapien seien Prof. Link zufolge sogenannte microRNAs, die man im Stuhl als möglichen Indikator für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen identifizieren konnte. Man spricht hier auch von sogenannten Biomarkern.

Prof. Dr. Link leitet seit 2019 die Sektion „Molekulare Gastroenterologie und Mikrobiota-assoziierte Erkrankungen“ und beschreibt die Herausforderung, vor der die Wissenschaft in diesem Bereich noch steht: „Die Dynamik der Mikrobiomveränderungen beim Menschen ist bisher noch zu wenig verstanden.“ In dem EU-Projekt „LiLife“ erforscht der Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie beispielsweise die sogenannte „Leber-Mikrobiota-Achse“. Ziel ist die Charakterisierung, Identifikation und Implementierung neuer Präventions- und Therapieansätze für Behandlung von Erkrankungen, die mit dieser Achse in Verbindung stehen. „Ein Beispiel dafür, wie wichtig das Mikrobiom für die Darmgesundheit ist, stellt die lebensbedrohliche Darmentzündung durch die Infektion mit dem Bakterium Clostridioides difficile dar. Ist die gesunde Zusammensetzung der Bakterien im Darm gestört, kommt es zur Vermehrung von krankheitserregenden Keimen, sodass sich die Darmschleimhaut entzündet“, erläutert Prof. Link. „In der Therapie nutzen wir die sogenannte Stuhltransplantation – auch fäkale Mikrobiotatransplantation (FMT) genannt. Dabei werden Darmbakterien von gesunden Menschen übertragen. Dieser Ansatz zeigt auch für andere Krankheitsbilder gute Therapieergebnisse. Dennoch ist hier noch viel Forschungsarbeit zu leisten, um die damit verbundenen Mechanismen vollständig zu verstehen.“

Prof. Link ist Russland-Deutscher und studierte an der Medizinischen Akademie von Novosibirsk (Russland) und der Universität Magdeburg Humanmedizin. Der Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie trägt die Zusatzbezeichnung Medikamentöse Tumortherapie. Er ist berufenes Mitglied der European Association for Gastroenterology, Endoscopy and Nutrition (EAGEN). Zudem ist er in der Europäischen FMT-Studiengruppe tätig und beteiligt sich an der Leitlinie für Helicobacter pylori-Infektionen. Seit 2017 hat er die Aufgabe als Lehrbeauftragter der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie in Magdeburg übernommen.

| Pi Med. Fakultät der OvGU Magdeburg

Foto: Sarah Kossmann/Universitätsmedizin Magdeburg