5. Ethiktag der Universitätsmedizin Magdeburg

In einer Ideenwerkstatt unter der Leitung von Yvonne Janetzky (Sozialdienst, im Bild) und Christoph Kunz (Klinikseelsorge) konnten die Teilnehmer*innen Vorschläge sammeln, um eine Sterbe- und Trauerkultur am Uniklinikum zu fördern.
In einer Ideenwerkstatt unter der Leitung von Yvonne Janetzky (Sozialdienst, im Bild) und Christoph Kunz (Klinikseelsorge) konnten die Teilnehmer*innen Vorschläge sammeln, um eine Sterbe- und Trauerkultur am Uniklinikum zu fördern.

Nach wie vor gehört die Behandlung und Versorgung von palliativen und sterbenden Patient*innen zum Krankenhausalltag. Oftmals werden dabei die Betroffenen, deren Angehörige und auch das Klinikpersonal bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gefordert. Das Klinische Ethikkomitee (KEK) der Universitätsmedizin Magdeburg (UMMD) bietet ein Forum zur Reflexion ethischer Fragen und Konflikte im klinischen Alltag. Eine der Arbeitsgruppen des KEK hat sich der Thematik angenommen und hierzu u. a. eine Umfrage unter Pflegekräften des Uniklinikums durchgeführt und das Thema des 5. Ethiktages angestoßen.

Am 14. Juli 2021 fand der 5. Ethiktag der UMMD statt. Der Ethiktag diente dazu sich fortzubilden, miteinander über das Erlebte im Stationsalltag ins Gespräch zu kommen und sich untereinander zu vernetzen. Zu Beginn der Veranstaltung präsentierte das KEK die Umfrageergebnisse. Nur ein Drittel der Befragten gab an, sich sicher im Umgang mit sterbenden und palliativen Patient*innen zu fühlen. Über 90 Prozent der Befragten äußerten, Schulungsbedarf zu haben. Auch strukturelle Gegebenheiten können einen professionellen Umgang mit Betroffenen und ihren Angehörigen erschweren. Zudem wurde deutlich, dass von manchen unterstützenden Angeboten selten Gebrauch gemacht wird aufgrund mangelnder Kenntnis dieser. So wissen nur wenige vom Angebot der persönlichen oder Team-Beratung von Pflegenden durch psychologisches Fachpersonal der UMMD; gleiches gilt für das Angebot der ethischen Fallberatung durch das KEK.    

In den folgenden Vorträgen wurden bereits am Haus vorhandene Angebote und Kooperationen für Patient*innen, Angehörige und Mitarbeiter*innen vorgestellt. Als erstes berichteten MU Dr. Martin Mikusko und onkologische Fachpflegerin Diana Lang von dem etablierten Onkologischen Zentrum (OZ) der UMMD. Dabei verglich Mikusko die Struktur des OZ mit der abstrakten Malerei von Wassily Kandinsky: die einzelnen Teile und ihre Zusammenhänge ließen sich nicht ohne gewisse Vorkenntnis erkennen. Das OZ fungiere als zentrale Koordinations- und Leitungseinrichtung für die interdisziplinäre onkologische Krankenversorgung und Forschung. Weiter diene es der Ausbildung von Nachwuchswissenschaftler*innen und der Aus- und Weiterbildung von Pflegepersonal und Ärzt*innen. Durch die enge Kooperation und Einbindung verschiedenster Institutionen und Disziplinen könne so eine umfassende und individuell angepasste Betreuung von Tumorpatient*innen gewährleistet werden.

Eine Stellwand, präsentiert vom Ambulanten Hospizdienst der Malteser, ist Teil des Bundesprojekts „Junge Menschen in der Sterbe- und Trauerbegleitung“. Die Teilnehmer*innen des 5. Ethiktages vervollständigten den Satz nach ihren eigenen Vorstellungen.
Eine Stellwand, präsentiert vom Ambulanten Hospizdienst der Malteser, ist Teil des Bundesprojekts „Junge Menschen in der Sterbe- und Trauerbegleitung“. Die Teilnehmer*innen des 5. Ethiktages vervollständigten den Satz nach ihren eigenen Vorstellungen.

Im zweiten Vortrag stellten Dr. Michael Köhler und Dipl.-Psych. Josephine Uiffinger das in den letzten Jahren an der UMMD stetig gewachsene Angebot der palliativpsychologischen Begleitung von Krebsbetroffenen vor. Köhler erläuterte anhand eines Falles aus der Praxis der Spezialambulanz Supportive Therapie der Klinik für Hämatologie und Onkologie den Nutzen begleitender Gesprächs-, Bewegungs- und Ernährungstherapien für Tumor­patient*innen. So könnten dadurch Symptome wie Angst, Schlafstörungen und Stimmungstiefs merklich reduziert und die Betroffenen dabei unterstützt werden, wieder ein selbstbestimmtes, eigenständiges Leben zu führen. Uiffinger berichtete daran anschließend von dem Angebot der Psychosozialen Krebsberatungsstelle, welche 2009 als deutschlandweites Förderprojekt der Deutschen Krebshilfe e. V. begann und an der UMMD an der Klinik für Psychosomatische Medizin angebunden ist. Das Angebot reiche dabei von Einzel-, Paar- und Familienberatung, Sterbe- und Trauerbegleitung bis hin zur Beratung über das soziale Hilfesystem.

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin appelliert, palliative Angebote alsbald nach der Diagnosestellung einer jeglichen limitierenden Erkrankung in die weitere Behandlungsplanung miteinzubeziehen – ganz gleich, ob es sich dabei um chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD), Herzinsuffizienz oder Demenz handele, denn Palliativmedizin beschränke sich nicht allein auf Krebserkrankte und die letzte Lebensphase. Eine jüngst etablierte Einrichtung an der UMMD wurde daher von den Teilnehmer*innen begrüßt: der palliativmedizinische und -pflegerische Konsildienst, angebunden an die Schmerzambulanz und beworben durch Dr. Michael Brinkers und Diana Wendland.

Als letzter referierte Prof. Dr. Christoph Kahl von der 2010 begonnenen Etablierung von palliativmedizinischen Versorgungsstrukturen am städtischen Klinikum Magdeburg. Kahl stellte dabei die Besonderheiten einer Palliativstation heraus: Arbeiten im multiprofessionellen Team mit einem hohen Personalschlüssel (high person – low technology) und bewusster Einbindung von Angehörigen. Neben einer optimalen Schmerztherapie und Symptomlinderung stünden auch psychosoziale und spirituelle Nöte im Fokus der Bemühungen. Und anders, als vielleicht vermutet, spiele Humor auf einer Palliativstation eine große Rolle. Dabei sei die Palliativstation des Klinikums eingebunden in ein breites Netzwerk mit externen Partnern wie bspw. dem Universitätsklinikum.

Nach den Vorträgen folgten parallellaufende Workshops zu einzelnen Themenschwerpunkten, so bspw. zur Symtomkontrolle und zur Einbindung von Angehörigen.

Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. Eva Brinkschulte
Anna Siemens
Klinisches Ethikkomitee (KEK)
c/o Geschichte, Ethik und Theorie der Medizin
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Medizinische Fakultät
Leipziger Str. 44
39120 Magdeburg
Tel.: 0391/6724340
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Fotos: Anna Siemens