Dr. med. Antje Redlich
Dr. med. Antje Redlich
(Foto: privat)

Die Pädiatrische Hämatologie und Onkologie der Universitätskinderklinik in Magdeburg hat die Studienleitung des GPOH-MET Registers (Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie-Maligne Endokrine Tumoren) für Kinder mit Schilddrüsenkarzinomen, Nebennierenrindentumoren, Phäochromozytomen/Paragangliomen und Neuroendokrinen Tumoren übernommen. Wir haben mit der Studienleiterin gesprochen.

Frau Dr. Redlich, können Sie sich bitte kurz vorstellen?

Ich bin seit 2005 an der Universitätskinderklinik tätig und leite seit dem letzten Jahr den Bereich Pädiatrische Onkologie und Hämatologie. Dabei wollte ich eigentlich nicht einmal Kinderärztin werden. Als ich im Studium die besonderen Patientinnen und Patienten und das besondere Team der Kinderonkologie kennenlernte, wusste ich jedoch, dass hier mein Platz ist.   


Wie ist die Universitätsmedizin Magdeburg an die Position der Studienleitung gekommen?

Um die Leitung einer nationalen Studie der GPOH bewirbt man sich mit einem Konzept für klinische Versorgung, Beratung, Forschung und Zusammenarbeit mit anderen Institutionen. Nach Begutachtung erfolgt dann eine Wahl durch die GPOH-Mitgliederinnen und -Mitglieder im deutschsprachigen Raum. Wir konnten uns hier gegen Mitbewerber verschiedener Universitätsklinika durchsetzen.

Natürlich war es ausgesprochen hilfreich, dass unser Team die Expertise für Kinder mit MET unter Leitung von Prof. Dr. Peter Vorwerk erwerben konnte, der die Studienleitung bis 2020 in Magdeburg innehatte.


Wie setzt sich das Kompetenzteam zusammen und welche Aufgaben haben Sie am Standort Magdeburg als nationale Expertise?

Hier in Magdeburg befindet sich die Studienzentrale und dieser gehören Ärztinnen und Ärzte sowie Dokumentationsassistentinnen und Dokumentationsassistenten an. Eine dieser Studienärztinnen stellen wir gerade im Homeoffice ein. Dies ist insofern kein Problem, da die Studie vollständig digitalisiert wird. Einer sich ändernden Arbeitswelt versuchen wir, mit innovativen Konzepten zu begegnen.

Zusätzlich verfügen wir über ein multidisziplinäres nationales Team von Expertinnen und Experten auf dem Gebiet der Endokrinen Tumoren, die für Anfragen bzw. Forschungsprojekte einbezogen werden. Als stellvertretende Studienleitung konnten wir zudem Frau PD Dr. Michaela Kuhlen von der Universitätskinderklinik Augsburg gewinnen, die sich vor allem um unsere experimentellen und translationalen Forschungsprojekte kümmert.


Wie konkret sieht der Mechanismus bzw. die Vorgehensweise für eine Therapieoptimierung und das Heranziehen von richtigen Expertisen bei bösartigen Erkrankungen und bei Blutkrankheiten bei Kindern in Deutschland aus?

Die Kinderonkologie in Deutschland ist gekennzeichnet durch ein hohes Maß an Qualität und Innovation. Jährlich erkranken ca. 2000 Kinder an einem Malignom. Um einen Wissenszuwachs bei vergleichsweise niedrigen Patientenzahlen zu erzielen, sind Zusammenfassung und Auswertung der nationalen Daten essenziell. Für jede Entität bzw. Gruppe von Entitäten gibt es eine Studienleitung, die eine Referenzdiagnostik anbietet und die einzelnen kinderonkologischen Zentren berät.  

Durch diese Struktur werden Kinder an allen kinderonkologischen Zentren mit der gleichen hohen Qualität behandelt und betreut. Nicht zuletzt dadurch heilen wir heute über 80 % aller Kinder mit Krebs.


Darüber hinaus haben Sie die kinderärztliche Leitung im Endokrinen Referenznetzwerk der Europäischen Union (Endo-ERN). Was versteht man unter diesem Europäischen Netzwerk und was ist Ihre Aufgabe?

Die Europäischen Referenznetzwerke (ERN) wurden für Betroffene seltener bzw. komplexer Erkrankungen etabliert, die hochspezialisierte Behandlungen erfordern. Hier geht es darum, jedem Bürger der EU eine bestmögliche Betreuung anzubieten und die behandelnden Ärzte vor Ort zu beraten.
Als kinderärztliche Leitung des Bereiches der Hereditären Endokrinen Tumorsyndrome ist es meine Aufgabe, für Patientinnen und Patienten, die aufgrund einer genetischen Disposition endokrine Tumoren entwickeln können, eine Beratungsstruktur anzubieten, Leitlinien zu erarbeiten, Daten zu sammeln und zu veröffentlichen.


Das ist eine bedeutende Position und Sie agieren hier auf internationaler Ebene. Was bedeutet das für Ihre Arbeit, Ihr Team, den Standort Magdeburg?

Ein solches Engagement ist nur möglich, wenn man ein großartig funktionierendes Team in der Klinik hat. Die Kinderonkologie in Magdeburg war schon immer solch ein besonderes Team, das sich mit viel Herzblut um krebskranke Kinder und deren Familien kümmert. Deshalb ist es mir wichtig, diese Leistungen als Teamleistungen der Kinderonkologie verstanden zu wissen.

Auch bedeuteten diese Positionen langfristig eine starke Kinderonkologie am Standort Magdeburg. Nur mit wissenschaftlich interessanten Aufgaben und Projekten können wir junge Kolleginnen und Kollegen für unser Fachgebiet und unseren Standort begeistern. Mir ist es wichtig, bereits früh Assistenzärztinnen und -ärzte in die Studie einzubinden und ihnen eine bestmögliche wissenschaftliche Entwicklung zu bieten.


Welche Verantwortung trägt die Universitätskinderklinik mit diesen beiden Benennungen und Anerkennungen?

Mit der Studienleitung für Maligne Endokrine Tumoren sind wir verantwortlich für Diagnostik, Therapie und Wissenszuwachs für Kinder mit diesen Entitäten in Deutschland. Über die Zusammenarbeit mit anderen nationalen Studiengruppen in der European Cooperative Study Group for Pediatric Rare Tumors (EXPeRT) und die europäische Position im Endo-ERN weitet sich unsere Verantwortung auch auf die internationale Ebene aus.

Vielen Dank für das Interview.

Ögelin Düzel
M.A. Referentin für Pressearbeit
Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R.