der Universitätsmedizin der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Die Referenten beim virtuellen internistischen Jahresrückblick des Zentrums für Innere Medizin der Universitätsmedizin Magdeburg
Die Referenten beim virtuellen internistischen Jahresrückblick des Zentrums für Innere Medizin der Universitätsmedizin Magdeburg

Der 12. Internistische Jahresrückblick der Universitätsmedizin Magdeburg erfreute sich trotz des pandemiebedingt virtuellen Formats einer sehr großen Resonanz. In dem von COVID-19 dominierten Jahr gab es zahlreiche weitere wichtige Entwicklungen auf allen Gebieten der Inneren Medizin.

Achim J. Kaasch (Mikrobiologie) berichtete über die Pandemie des SARS-Coronavirus-2 (SARS-CoV-2), die seit Ende 2019 Auswirkungen auf unser aller tägliches Leben hat. Bei keiner Pandemie bisher waren so viele Informationen tagesaktuell öffentlich verfügbar. Damit kann auf aktuelle Entwicklungen reagiert werden und es können Prognosemodelle entwickelt werden, die mögliche Szenarien der weiteren pandemischen Entwicklung beschreiben.

Ob eine Übersterblichkeit durch SARS-CoV-2 aufgetreten ist, lässt sich klar beantworten. Daten zur Sterblichkeit werden vom statistischen Bundesamt (www.destatis.de) erhoben. Beim Blick auf die Sterbezahlen in den letzten Jahren zeigt sich, dass die Sterbefälle während der Corona-Wellen angestiegen sind. Dies ist auch in Sachsen-Anhalt der Fall.

An der Uniklinik Magdeburg werden alle geeigneten SARS-CoV-2-Isolate sequenziert. Dadurch kann zwischen den verschiedenen Virus-Varianten unterschieden werden. Bisher kam es in Sachsen-Anhalt sowohl bei den Fallzahlen als auch beim Auftreten neuer Varianten zu einem Hinterherhinken hinter dem bundesweiten Trend. Bei der aktuellen Omikron-Welle ist in Magdeburg jedoch ein vergleichsweise hoher Anteil der Variante BA.2 zu verzeichnen.

Die verschiedenen Virusvarianten unterscheiden sich nicht nur in der RNA-Sequenz, sondern auch in der klinischen Präsentation. Während beim Ursprungsvirus und der alpha-Variante Geruchs- und Geschmacksverlust in 15 % der Fälle auftraten, kommt das bei Omikron selten vor. Intensivpflichtigkeit und Sterblichkeit sind bei Omikron geringer als bei allen anderen Varianten. Die Wirksamkeit der Impfung mit mRNA-Impfstoffen gegen schwere Infektionen sinkt bei Omikron von
> 90 % auf ca. 70 %, bzw. liegt mit Booster bei 80–90 %.

Mit der raschen Ausbreitung der Omikron-Welle werden die Laborkapazitäten für PCR-Tests nahezu ausgeschöpft. Damit sind die erhobenen Fall-Zahlen nicht mehr verlässlich. Das lässt sich auch aus dem hohen Positiven-Anteil von > 30 % schlussfolgern.

Der Weg aus der Pandemie braucht ein routiniertes Vorgehen auf allen Ebenen. Immer noch bedarf es einer Stärkung des öffentlichen Gesundheitswesens und es müssen politische Fragen, wie z. B. die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht, rasch geklärt werden.

Rüdiger C. Braun-Dullaeus (Kardiologie, Angiologie, Internistische Intensivmedizin) stellte die wichtigsten Inhalte der neuen Europäischen Leitlinie für die Diagnose und Behandlung der Herzinsuffizienz dar (1). Sie definiert eine Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion (heart failure with reduced ejection fraction = HFpEF) bei einer echokardiographischen Ejektionsfraktion von ≤ 40 %. Eine EF zwischen 41 % und 49 % wird als HFmrEF (heart failure mildly reduced EF) und ab 50 % als HFpEF (heart failure with preserved EF) bezeichnet. Neu ist die Klassifikation „HFimpEF“, die eine unter Therapie verbesserte Herzinsuffizienz (heart failure with improved EF) denominiert. Die höchste Klasse I Empfehlung der konservativen Therapie bekommen die sog. „fantastischen Vier“ (bis Fünf): ACE-Hemmer, Beta-Blocker, Aldosteronrezeptorantagonisten und neu auch SGLT-2 Hemmer (unabhängig v. Diabetes mellitus). Der ACE-Hemmer sollte durch Sacubitril/Valsartan im Verlauf ersetzt werden. Neu ist, dass alle Medikamente innerhalb von vier Wochen initiiert und hiernach auftitriert werden sollen („optimizing therapy with need for speed“). Das bereits zugelassene Vericiguat kann bei Patienten mit einer Verschlechterung zur Therapie hinzugenommen werden. Die fantastischen Vier/Fünf werden auch für die Behandlung der HFmrEF empfohlen. Gleichzeitig sollte ein Eisenmangel mit Eisen-Carboxymaltose behandelt werden. Besteht trotz optimaler konservativer Therapie eine funktionelle Mitralklappeninsuffizienz, sollte in einem spezialisierten Zentrum interventionell mit einem sog. edge-to-edge-Verfahren behandelt werden (2) wie ein vorhandenes Vorhofflimmern mit einer Pulmonalvenenisolation. Das Universitätsklinikum ist nun auch das erste in Sachsen-Anhalt, das zusammen mit der Herzchirurgie im Herzteam komplette Mitralklappen interventionell implantiert.

Für die Aortenklappenstenose hat sich im Jahr 2021 erneut bestätigt, dass die TAVI dem chirurgischen Klappenersatz ebenbürtig bis überlegen ist. Dies können weitere Langzeitdaten bestätigen. Patientinnen und Patienten ≥ 75 Jahren wird eine solche nun regelhaft eingesetzt, während dem konventionellen Ersatz der Klappe Patientinnen und Patienten < 70 Jahre und ohne Risikofaktoren zugeführt werden. Wenn eine ältere Bio-Klappe degeneriert ist, dann wird diese in der Regel durch eine TAVI in Bio-Klappe (valve-in-valve) behandelt (4). Das Universitätsklinikum als einziges zertifiziertes TAVI-Zentrum in Sachsen-Anhalt ist zudem auf Patienten mit schlechter Nierenfunktion spezialisiert. In dem hoch-technologischen Hybrid-OP-Saal werden die TAVI bei diesen Patientinnen und Patienten mit nur wenigen Millilitern Kontrastmittel implantiert (5). Auch auf das vorbereitende Kontrastmittel-CT kann verzichtet und damit die Niere geschützt werden. Das Universitätsklinikum wird in diesem Jahr auch auf die interventionelle Behandlung der Aortenklappeninsuffizienz etablieren. Für dieses Vitium steht nun auch eine katheter-basierte Klappe für die Versorgung von der Leiste aus zur Verfügung (6).

Dimitrios Mougiakakos (Hämatologie und Onkologie) berichtete, dass zielgerichtete Therapieansätze auch im Jahr 2021 im Fokus standen. Für viele Patientinnen und Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) ist eine intensive Chemotherapie nicht möglich. So wurden in der Phase III Studie AGILE erwachsene Patientinnen und Patienten mit einer bisher unbehandelten AML, die im Bereich des Isocitrat-Dehydrogenase-1 (IDH1) Gens mutiert ist und die für eine intensivere Therapie nicht in Frage kommen, mit einer Kombination aus einem IDH1 Inhibitor (Ivosidenib) und Azacitidin im Vergleich zu Azacitidin plus Placebo behandelt. Mit dieser neuen Kombination konnten sowohl das ereignisfreie als auch das Gesamtüberleben verbessert werden. In einem sehr innovativen Ansatz wurden hämatopoetische Stammzellen von Patientinnen und Patienten mit Sichelzellanämie mittels CRISPR/Cas Geneditierung so modifiziert, dass nach ihrer Re-Infusion verstärkt fetales Hämoglobin produziert wird. Damit konnte die Anämie deutlich verbessert werden und es traten keine venookklusiven Krisen mehr auf.

Für den Bereich der Stammzelltransplantation vom Fremdspender standen mit REACH II und III zwei große randomisierte Studien für die Behandlung der akuten und chronischen Abstossungsreaktion (= Graft versus Host Disease/GvHD) im Vordergrund. Die Blockade des Janus-Kinase 2 (JAK2) mittels Ruxolitinib war in beiden Situationen wirksam und stellt damit eine vielversprechende neue Therapieoption dar. Auch im vergangenen Jahr gab es interessante Entwicklungen zum Thema chimäre Antigenrezeptor (CAR-T-Zellen). Gleich zwei Studien (ZUMA-7 und TRANSFORM) im aggressiven Lymphom konnten zeigen, dass die Behandlung mit autologen anti-CD19 CAR-T-Zellen im ersten (Früh-)Rezidiv bzw. bei Refraktärität auf die Erstlinienbehandlung signifikant das ereignisfreie Überleben verbessern kann. Damit könnte der bisherige Standard der Hochdosischemotherapie gefolgt von einer autologen Stammzelltransplantation abgelöst werden. Im Sinne der starken Interkonnektivität unseres Fachbereiches wurde dieses Konzept der anti-CD19 CAR-T-Zellen aus dem Bereich maligner Erkrankungen in die Autoimmunität übertragen. Ziel war es, CD19+ B-Zellen, die wie beim systemischen Lupus erythematodes (SLE) pathogene Antikörper produzieren, langfristig zu eliminieren. In einem weltweit erstmaligen Ansatz konnte das sehr erfolgreich bei einer jungen Patientin mit therapierefraktären SLE umgesetzt werden und könnte damit die Grundlage für eine Evaluation innerhalb von Studien darstellen.

Verena Keitel-Anselmino (Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie) stellte eine Phase II Studie bei Zöliakie vor, die die Auswirkung eines Transglutaminase 2-Inhibitors (ZED1227) bei täglicher geringer Glutenzufuhr untersuchte. Primärer Endpunkt war das Ausbleiben einer histologischen Verschlechterung trotz geringer Glutenexposition. Dieser Endpunkt konnte erreicht werden, was die Bedeutung der Transglutaminase 2 für die Pathogenese unterstreicht und den Betroffenen ein normaleres Leben ermöglichen könnte (1).

Zu Immuntherapien in der gastrointestinalen Onkologie zeigte eine Studie für eine adjuvante Nivolumabtherapie bei Z. n. R0-reseziertem Ösophaguskarzinom bzw. AEG Tumor einen hochsignifikanten Vorteil für das krankheitsfreie Überleben und das mittlere Gesamtüberleben (22,4 versus 11 Monate) (2).

In der Go II Studie wurde die Effektivität einer dosisreduzierten palliativen Chemotherapie bei gastroösophagealen Tumoren bei älteren/fragilen Patienten untersucht. Bezüglich des Gesamtüberlebens fand sich kein signifikanter Unterschied, allerdings war die Lebensqualität bei der niedrigdosiertesten Gabe am höchsten. Im Vergleich zu BSC verlängerte eine Dosis-reduzierte Chemotherapie signifikant das Überleben (3).

Beim Low Phospholipid-associated cholelithiasis Syndrom (LPAC) handelt es sich um ein familiäres Gallensteinleiden. Bei circa 50 % der Patienten ist eine Genvariante im ABCB4 Gen, das für den Phospholipidtransporter in der Leber kodiert, nachweisbar. 1 % der Personen, die aufgrund von Gallensteinleiden hospitalisiert werden, weisen ein LPAC Syndrom auf. 77 % der Patienten sind weiblich und haben einen normalen BMI. Knapp 5 % der Betroffenen bzw. ihre erstgradigen Verwandten entwickeln hepatobiliäre Tumore. Für dieses Krankheitsbild und weitere angeborene cholestatische Lebererkrankungen wurde ein BMBF-gefördertes translationales Netzwerk gegründet, weiterhin wird von Frau Keitel-Anselmino ein prospektives Krankheitsregister (HiChol-Register) geleitet.

Peter R. Mertens (Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie) berichtete, dass die adrenokortikale Achse bei der COVID-19 Infektion von besonderer Bedeutung zu sein scheint, da Patientinnen und Patienten mit endogenem oder exogenem Glukokortikoid-Exzess eine deutlich höhere Komplikationsrate bis 40 % haben (1). Hierbei ist zu bedenken, dass im Rahmen einer COVID-Infektion die Nebenniere selbst beteiligt sein kann (2). Die Autoren empfehlen ein Screening und Management von Funktionsstörungen der Nebennierenrinde bei der akuten Corona-Infektion.

In der Diabetologie scheint die Gabe der neuentwickelten GLP-1 Analoga bei übergewichtigen Patientinnen und Patienten einen deutlichen Effekt auf die Gewichtsabnahme zu haben. Semaglutide erzielte einen Abfall des Gewichts um 16 % innerhalb von 68 Wochen. Einen noch stärkeren Effekt konnte durch ein zweites Präparat, das ein duales Glukose-abhängiges insulinotropes Polypeptid und eine GLP-1 Wirkung entfaltet (Tirzepatide), erreicht werden. Die Patientinnen und Patienten wiesen einen deutlichen Abfall des HbA1c-Wertes auf. Die Änderungen des Körpergewichts betrugen bis -11,2 kg vom Ausgangsgewicht (3,4).

Für die Minimal Change Nephritis war lange Zeit unklar, ob es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt. Jetzt konnten Autoantikörper gegen Nephrin nachgewiesen werden (5). Zudem war bei Ansprechen auf eine immunsuppressive Therapie die Autoantikörperdetektion nicht mehr möglich. Ein weiteres Antigen stellt das Protocadherin-7 dar, das bei der membranösen Nephropathie zu Autoimmunität und anschließend einem nephrotischem Syndrom führen kann (5). Eine Vielzahl von innovativen Entwicklungen hat mit der siRNA-Technologie zu tun. Mit Hilfe von siRNA können auch Lipoprotein(a)-Spiegel deutlich, in einer der Phase-1-Studie über 90 %, gesenkt werden können. Die anderen Lipide wie oxidiertes LDL und APL fielen ebenso ab, jedoch in einem geringeren Umfang.

In der Behandlung des Diabetes (KDIGO-Leitlinien 2020) wurde in den meisten Ländern eine intensivierte Therapie mit neuen Medikamenten wie GLP-1-Analoga, DPP-4-Hemmer und Gliflozin umgesetzt. Gliflozin hat sich auch bei Herzinsuffizienz als äußerst wirksam erwiesen (6).

Es wurden zwei Studien zu Mineralo-corticoid-Rezeptorantagonist bei Patientinnen und Patienten mit diabetischer Nephropathie vorgestellt (FIDELIO- und FIGARO-Studie), die hinsichtlich des primären Endpunktes, terminales Nierenversagen bzw. kardiovaskuläre Endpunkte, als positiv waren. Voraussichtlich wird Finerenon in Zukunft im deutschsprachigen Raum eingesetzt werden. Die Wirksamkeit von Gliflozinen ist überragend, richtig verstanden hat man ihr Wirkungsmechanismen bisher nicht. Untersuchungen weisen darauf hin, dass sich unter Gliflozin in der Niere der tubuläre Phänotyp ändert und insbesondere auch die Empfindlichkeit gegenüber schädigenden Noxen abnimmt.

Für die diabetische Nierenschädigung ist bislang kein Biomarker in der Klinik sicher etabliert, es gibt jedoch vielversprechende Entwicklungen. Entsprechende Ansätze mit Biomarkern haben sich jetzt in Amerika auch schon in die Versorgung eingebracht, wie z. B. KidneyIntelX.

Jens Schreiber (Pneumologie) führte aus, dass es beim Asthma keine Indikation für eine bronchodilatatorische Monotherapie mehr gibt und selbst bei leichtem Asthma eine bedarfsorientierte Therapie mit einer ICS/Formoterol Kombination empfohlen wird. Dies führt zu einer Reduktion von Atemwegsentzündung, systemischen Steroiden und Exazerbationen, sowie Verbesserung von Symptomen und Lungenfunktion (1). Für das schwere Asthma zeigte ein neuer monoklonaler Antikörper gegen TSLP (Tezepelumab) eine hohe Effektivität sowohl hinsichtlich der Exazerbationsrate als auch der Lungenfunktion (2).

Zur Behandlung des Asthmas mit der bronchialen Thermoplastie (Applikation von Hochfrequenzstrom endobronchial) wurden 10-Jahres-Daten publiziert, die eine anhaltende Wirksamkeit und Sicherheit zeigten (3).

In der TASCS-Studie wurde erneut nachgewiesen, das Theophylin bei der COPD wirkungslos ist (4). Die ETHOS-Studie zur inhalativen Triple-Therapie der COPD hat für Patientinnen und Patienten mit einer peripheren Eosinophilie eine relevante Senkung sowohl der respiratorischen als auch der kardiovaskulären Mortalität nachgewiesen (5). Dies ist konsistent mit den aktuellen Empfehlungen, nur die COPD-Patientinnen und -Patienten mit inhalativen Steroiden zu behandeln, die sowohl eine periphere Eosinophilie als auch eine Exazerbationsanamnese haben (6,7).

In der thorakalen Onkologie zeigte die IMpower010-Studie einen Nutzen einer adjuvanten Immuntherapie und die ADAURA-Studie einer adjuvanten Therapie mit dem TKI Osimertinib (EGFR-mut+) bei radikal operierten Patientinnen und Patienten mit Lungenkarzinom eine Verlängerung des krankheitsfreien Überlebens (8,9). Langzeitdaten über 6 Jahre bestätigten den Überlebensvorteil durch eine adjuvante Immuntherapie mit Durvalumab nach einer simultanen Radio-Chemotherapie bei lokal fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (10). Weitere Studien zeigten die Effektivität einer Immuntherapie sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit Chemotherapie oder kombinierte Immuntherapie bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC. Lungenkrebs durch Passivrauchen bei Patientinnen und Patienten, die selbst nie oder maximal bis zu 400 Zigaretten geraucht haben, wurde als potentielle Berufskrankheit anerkannt.
Die Einführung der Antifibrotika Nintedanib und Pirfenidon hat die Therapie der idiopathischen Lungenfibrose revolutioniert. Auch andere progrediente fibrosierend verlaufende Lungenerkrankungen profitieren von einer derartigen Therapie. Aktuell wurde gezeigt, dass eine zusätzliche Therapie mit Prednisolon keinen zusätzlichen Nutzen erbringt (11). Die RELIEF-Studie erbrachte mit Pirfenidon bei progressiv fibrosierender ILD (Non-IPF) Hinweise auf einen vergleichbaren Nutzen, sodass dieses Medikament als Off-Label-Therapie zur Verfügung stehen kann.

Jörn Kekow (Rheumatologie) berichtete über neue medikamentöse Therapieansätze, über neue Daten aus dem DRFZ-Register und zur ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV). Zu den etablierten Therapieansätzen bei rheumatoider Arthritis (RA) und den Spondyloarthritiden zählen neben Methotrexat auch Biologika wie TNF-Blocker, für die inzwischen neben Originalpräparaten zahlreiche Biosimilars zugelassen wurden. Neu ist die Verfügbarkeit von nunmehr 4 JAK-Inhibitoren als orale gezielte Basismedikation für die rheumatoide Arthritis, wovon einzelne Präparate auch für die Psoriasisarthritis (Tofacitinib, Upadacitinib) und die ankylosierende Spondylitis (Upadacitinib) zugelassen sind. Das Sicherheit- und Wirksamkeitsprofil der JAK-Inhibitoren konnte in den dazu durchgeführten Studien überwiegend als vorteilhaft bestätigt werden. Interessanterweise konnte unter Alltagsbedingungen eine durchschnittlich höhere Verweildauer für die oral einzunehmenden JAK-Inhibitoren gegenüber Biologika gezeigt werden (1). In den Untersuchungen des DRFZ fand sich zwar kein alleinig auf Biologika oder JAK-Inhibitoren zurückzuführendes erhöhtes Risiko für schwerwiegende Infektionen bei älteren (> 70 LJ) RA-Patienten (2), dennoch ist deren immun-suppressive Wirkung zu beachten und prophylaktische Maßnahmen wie Impfungen zur Risikoreduktion zu empfehlen.

In der Behandlung der Riesenzellvaskulitis (RZA, vormals Arteriitis temporalis) haben sich gute Langzeitergebnisse für den IL-6 Rezeptorblocker Tocilizumab zur Vermeidung eines Schubes und einer Erblindung bestätigt (3). In einer in Deutschland durchgeführten Pilotstudie wurden interessante Daten zum IL-17 Blocker Secukinumab erhoben, worunter eine deutliche Prednisoloneinsparung bei RZA gelang (4). Bei ANCA-assozierten Kleingefäßvaskulitiden wurde Avacopan, ein selektiver Antagonist des humanen Komplement 5a-Rezeptors, zugelassen. Damit steht nun auch für dieses Krankheitsbild ein oral einzunehmendes und gezieltes Medikament zur Verfügung (5). Für die eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA, vormals Churg-Strauss Syndrom) erfolge eine Zulassung für den IL-5 Antikörper Mepolizumab als erstes wirksames Biologikum (6).

Die weltweit geführten Corona-Register haben für Rheumapatienten unter Immunsuppression Verläufe mit erhöhtem Hospitalisierung- und Mortalitätsrisiko bei Behandlung mit Rituximab, JAK-Inhibitoren sowie bei hoher Glukokortikoiddosis ergeben. Es besteht auch für Rheumapatienten eine eindeutige Empfehlung zur Schutzimpfung (https://www.covid19-rheuma.de).

Neu in der Osteoporosetherapie ist der Einsatz eines Sklerostinantikörpers (Romosozumab) (7).

Die ASV ist in der Rheumatologie inzwischen ein Erfolgsmodell. Deutschlandweit gibt es über 42 ASV-Teams, die mehr als 50.000 Patienten betreuen. (ASV-Servicestelle, GKV-SV).

Korrespondenzanschrift:
Prof. Dr. med. habil. Jens Schreiber
Klinikdirektor
Universitätsklinik für Pneumologie
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Leipziger Straße 44, 39120 Magdeburg
Tel.: 0391/67-15421

Foto: Screenshot bei der Veranstaltung

Literatur:

Kardiologie:

  1. 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure: Developed by the Task Force for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure of the European Society of Cardiology (ESC). With the special contribution of the Heart Failure Association (HFA) of the ESC. Eur J Heart Fail. 2022 Jan;24(1):4-131. doi: 10.1002/ejhf.2333
  2. Mack JM et al.: 3-Year Outcomes of Transcatheter Mitral Valve Repair in Patients with Heart Failure J Am Coll Cardiol. 2021 Mar 2;77(8):1029-1040. doi: 10.1016/j.jacc.2020.12.047
  3. Jørgensen TH et al.: Eight-year outcomes for patients with aortic valve stenosis at low surgical riskrandomized to transcatheter vs. surgical aortic valve replacement Eur Heart J. 2021 Aug7;42(30):2912-2919. doi: 10.1093/eurheartj/ehab375.
  4. Landes U et al.: Transcatheter Replacement of Transcatheter Versus Surgically Implanted Aortic Valve Bioprostheses J Am Coll Cardiol. 2021 Jan 5;77(1):1-14. doi: 10.1016/j.jacc.2020.10.053.
  5. IQTIG – Qualitätsbericht 2020 – UMMD
  6. Poschner T et al.: The JenaValve pericardial transcatheter aortic valve replacement system to treataortic valve disease Future Cardiol. 2022 Feb;18:101-113. doi: 10.2217/fca-2021-0065. Epub 2021 Oct 14.


Hämatologie/Onkologie:

  1. Montesinos P et al., Abstract 697. ASH Meeting 2021.
  2. Frangoul H et al.: CRISPR-Cas9 Gene Editing for Sickle Cell Disease and β-Thalassemia. N Engl J Med. 2021 Jan 21;384(3):252-260. doi: 10.1056/NEJMoa2031054.
  3. Zeiser R et al.: Ruxolitinib for Glucocorticoid-Refractory Acute Graft-versus-Host Disease. N Engl J Med. 2020 May 7;382(19):1800-1810. doi: 10.1056/NEJMoa1917635.
  4. Zeiser R et al.: Ruxolitinib for Glucocorticoid-Refractory Chronic Graft-versus-Host Disease. N Engl J Med. 2021 Jul 15;385(3):228-238. doi: 10.1056/NEJMoa2033122. PMID: 34260836.
  5. Locke FL et al.:. Axicabtagene Ciloleucel as Second-Line Therapy for Large B-Cell Lymphoma. N Engl J Med. 2022 Feb 17;386(7):640-654. doi: 10.1056/NEJMoa2116133. Epub 2021 Dec 11.
  6. Kamdar M et al. Abstract 91 ASH Meeting 2021.
  7. Mougiakakos D et al.: CD19-Targeted CAR T Cells in Refractory Systemic Lupus Erythematosus. N Engl J Med. 2021 Aug 5;385(6):567-569. doi: 10.1056/NEJMc2107725.


Gastroenterologie:

  1. Schuppan D et al.: A Randomized Trial of a Transglutaminase 2 Inhibitor for Celiac Disease N Engl J
    Med. 2021 Jul 1;385(1):35-45. doi: 10.1056/NEJMoa2032441.
  2. Kelly RJ et al.: Adjuvant Nivolumab in Resected Esophageal or Gastroesophageal Junction Cancer NEJM 2021; 384: 1191-1203
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Nephrologie:

  1. Vogel F et al.: Endocrine risk factors for COVID-19: Endogenous and exogenous glucocorticoid excess.
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  3. und
  4. Frias JP et al.: Tirzepatide versus Semaglutide Once Weekly in Patients with Type 2 Diabetes N Engl J Med 2021; 385:503-515 DOI: 10.1056/NEJMoa2107519
  5. Watts AJB et al.: Discovery of Autoantibodies Targeting Nephrin in Minimal Change Disease Supports a Novel Autoimmune Etiology. J Am Soc Nephrol. 2022 Jan;33(1):238-252. doi: 10.1681/ASN.2021060794. Epub 2021 Nov 3. PMID: 34732507;
  6. Sethi S.: New ‘Antigens’ in Membranous Nephropathy JASN February 2021, 32 (2) 268-278; DOI: https://doi.org/10.1681/ASN.2020071082
  7. Anker SD et al.: Empagliflozin in Heart Failure with a Preserved Ejection Fraction. N Engl J Med 2021; 385:1451-1461 DOI: 10.1056/NEJMoa2107038


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  2. Menzies-Gow A et al.: Tezepelumab in Adults and Adolescents with Severe, Uncontrolled Asthma. N Engl J Med. 2021 May 13;384(19):1800-1809. doi: 10.1056/NEJMoa2034975.
  3. Chaudhuri R et al.: Safety and effectiveness of bronchial thermoplasty after 10 years in patients with persistent asthma (BT10+): a follow-up of three randomised controlled trials. Lancet Respir Med. 2021 May;9(5):457-466. doi: 10.1016/S2213-2600(20)30408-2.
  4. Jenkins CR et al.: The effect of low-dose corticosteroids and theophylline on the risk of acute exacerbations of COPD: the TASCS randomized controlled trial. Eur Respir J 2021; 57: 003338
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  8. Wakelee et al.: Journal of Clinical Oncology 2021; 39: Abstract 8500
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Rheumatologie:

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  2. Strangfeld A, et al. ELDERLY PATIENTS ARE NOT AT INCREASED RISK OF SERIOUS INFECTIONS WHEN RECEIVING BDMARDS OR JAK INHIBITORS COMPARED TO CSDMARD TREATMENT Annals of the Rheumatic Diseases 2021;80:64-65)
  3. Unizony S et a.: Clinical outcomes of patients with giant cell arteritis treated with tocilizumab in real-world clinical practice: decreased incidence of new visual manifestations. Arthritis Res Ther. 2021 Jan 6;23(1):8. doi: 10.1186/s13075-020-02377-8.
  4. Venhoff H et al.: Secukinumab in Giant Cell Arteritis: A Randomized, Parallel-group, Double-blind, Placebo-controlled, Multicenter Phase 2 Trial L19, ACR 2021, online
  5. Jayne DRW et al.: Avacopan for the Treatment of ANCA-Associated Vasculitis. N Engl J Med. 2021 Feb 18;384(7):599-609. doi: 10.1056/NEJMoa2023386.
  6. Ueno M et al.: Effectiveness and safety of mepolizumab in combination with corticosteroids in patients with eosinophilic granulomatosis with polyangiitis. Arthritis Res Ther. 2021 Mar 16;23(1):86. doi: 10.1186/s13075-021-02462-6.
  7. Saag KG et al.: Romosozumab or Alendronate for Fracture Prevention in Women with Osteoporosis. N Engl J Med. 2017 Oct 12;377(15):1417-1427. doi: 10.1056/NEJMoa1708322. Epub 2017 Sep 11.