Am 29.07.2022 verstarb Prof. Hubert Mörl, ehem. Oberarzt der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, in Bammental bei Heidelberg. Seine früheren Kollegen, Weggefährten und Freunde trauern um einen vorbildlichen Arzt, engagierten Forscher und begabten Hochschullehrer.

1935 in Prag geboren, verbrachte Hubert Mörl eine unbeschwerte Kindheit in Saaz an der Eger (Böhmen). Sein Vater war dort Chefarzt der Chirurgie und Direktor des Krankenhauses. 1945, nach der Enteignung und Vertreibung aus ihrer sudetendeutschen Heimat, fand die Familie eine neue Bleibe in Leipzig. Hier besuchte Hubert Mörl die Schule, studierte Medizin und schloss 1959 das Studium mit dem Staatsexamen und der Promotion ab.

Danach nutzte er die Chance zu einer 15-monatigen Hospitation bei Herrn Prof. Zuckermann, der den ersten Lehrstuhl für Kardiologie in Deutschland innehatte. Es schloss sich eine zweijährige Tätigkeit im Institut für Pathologie des Krankenhauses St. Georg in Leipzig an.

Zur Facharztausbildung für Innere Medizin wechselte er 1963 nach Halle an die II. Medizinische Universitätsklinik (Direktor: Prof. Dr. med. Dr. h.c. K. Seige). Neben den Aufgaben der universitären Krankenversorgung wandte sich Hubert Mörl bereits als Assistenzarzt der Bearbeitung wissenschaftlicher Fragestellungen zu, wobei sein spezielles Interesse der Kardiologie und Angiologie galt. Aus der Pathologie brachte er die Erfahrung mit, dass es sich sowohl bei den degenerativen als auch häufig bei den entzündlichen Gefäßerkrankungen um eine generalisierte Systemerkrankung handelt, die zwar mit unterschiedlichen lokalisatorischen Dominanzen einhergeht, jedoch immer im Zusammenhang aller Gefäßgebiete betrachtet werden muss.

Bereits 1969 konnte er nach reger Publikationstätigkeit der Medizinischen Fakultät seine Habilitationsschrift vorlegen, die anschließend auch im J. A. Barth-Verlag Leipzig publiziert wurde. Das Thema lautete: „Die klinische Erfassbarkeit der lokalen peripheren und der allgemeinen Arteriosklerose unter Einschluss der Endstrombahn mit Beurteilung der klinischen Aussagekraft der verschiedenen Untersuchungsmethoden“.

Nach der Facharztprüfung für Innere Medizin und Habilitation erfolgte die Ernennung zum Oberarzt. Trotz Erfüllung aller fachlichen Voraussetzungen war jedoch eine Berufung zum Hochschullehrer, Dozenten oder Professor wegen seiner Distanz zum DDR-Regime und seiner fehlenden Anpassungsbereitschaft nicht vorgesehen. Nach reiflicher Überlegung und schweren Herzens verließ er deshalb 1972 mit seiner Familie unter erheblichen Risiken Halle gen Westen.

An der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, der renommierten Ludolf-Krehl-Klinik (Direktor: Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. G. Schettler), konnte er seine Arbeiten erfolgreich fortsetzen und wurde zum leitenden Oberarzt und Professor ernannt. Von 1985 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2000 war Prof. Mörl Chefarzt der Inneren Medizin und Geriatrie am Diakoniekrankenhaus Mannheim, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Heidelberg. 1991 wurde er in die Deutsche Akademie der Naturforscher – Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina aufgenommen. Zu den bleibenden Verdiensten Professor Mörls gehört die auf der Synopsis von Pathomorphologie und Klinik beruhende Erkenntnis des häufigen Vorliegens systemischer Gefäßveränderungen. Wir verdanken ihm auch eine differenzierte Bewertung angiologischer Messmethoden, deren Einsatz bei Therapieentscheidungen unverzichtbar ist. Nachfolgende jüngere Mitarbeiter der Klinik wurden inspiriert, diese Untersuchungen anhand eines noch größeren Krankengutes fortzuführen und mit Hilfe neuer Methoden zu erweitern.

Neben zahlreichen wissenschaftlichen Originalpublikationen hat Prof. Mörl eine Reihe medizinischer Fachbücher verfasst, die den jeweils aktuellen Wissensstand widerspiegeln und zugleich in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung Anwendung finden. Als Beispiele hierfür seien genannt: „Der stumme Myokardinfarkt“, „Arterielle Verschlusskrankheit der Beine“, das Standardwerk „Gefäßkrankheiten in der Praxis“, in der 7. Auflage gemeinsam mit dem Gefäßchirurgen Prof. H.-W. Menges (St.-Antonius-Hospital Eschweiler, Akademisches Lehrkrankenhaus der RWTH Aachen) herausgegeben. Professor Mörl wird uns aufgrund seiner fachlichen wie menschlichen Qualitäten immer Vorbild bleiben. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie.

Hubert Podhaisky, Halle-Wittenberg