Logo der Trackingstelle Neugeborenen-HörscreeningDipl.-Gesundheitswirtin Andrea Köhn, Dr. med. Anke Rißmann, Trackingstelle Neugeborenen-Hörscreening, Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt

In den geltenden Kinder-Richtlinien ist verankert, dass jedes Neugeborene seit dem Jahr 2009 einen gesetzlichen Anspruch auf die Untersuchung des Hörvermögens im Rahmen der Kindervorsorgeuntersuchungen hat. Durch das Hörscreening sollen Hörstörungen ab einem Hörverlust von 35 dB bereits im Neugeborenen-Alter erkannt und entsprechend frühzeitig therapiert werden. Die Diagnostik bei auffälligen Befunden soll bis zum 3. Lebensmonat abgeschlossen sein, um bei Vorliegen einer angeborenen Hörstörung bis zum 6. Lebensmonat eine entsprechende Therapie einzuleiten [Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) 2008]. Gerade diese Zeitspanne ist entscheidend, um grundlegende akustische Erfahrungen für die spätere zeitgerechte Sprachentwicklung zu sammeln. Die neuronale Plastizität ermöglicht bei therapierten Hörstörungen in diesem frühen Lebensalter die bestmögliche Entwicklung von Lautsprache [Ptok 2011], [Berger et al. 2012].

Untersuchungen belegen, dass der Diagnosezeitpunkt der Hörstörungen ohne ein funktionierendes Nachbeobachtungssystem (= Tracking) innerhalb des vorgegeben Zeitfensters nicht zu erreichen ist. Das Hörscreening-Tracking soll gewährleisten, dass bei allen Neugeborenen das Hörvermögen zeitgerecht untersucht wird und betroffene Kinder zeitnah einer Therapie zugeführt werden. Somit wird den Kindern mit Hörstörungen eine normgerechte Sprachentwicklung sowie eine zeitgerechte geistige, emotionale und soziale Entwicklung ermöglicht [Finckh-Kramer et al. 2000], [Brockow et al. 2011].

Bereits vor der Aufnahme in die Kinder-Richtlinien wurde das Hörscreening in vielen Kliniken Sachsen-Anhalts durchgeführt und das Tracking-System aufgebaut.
Das Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt fungiert für das gesamte Bundesland als Trackingstelle für das Neugeborenen-Hörscreening. In Zu-
sammenarbeit mit dem Zentrum für Neugeborenenscreening an der Universitätskinderklinik Magdeburg wird eine gemeinsame Einwilligungserklärung sowie die sogenannte Screening-ID1 genutzt. Anhand dieser Screening-ID erfolgt die Befundübermittlung von den Geburts-, Kinder- und HNO-Kliniken sowie von niedergelassenen Ärzten und von Hebammen. Die eingehenden Befunde werden in einer Trackingdatenbank erfasst und ggf. entsprechende Trackingmaßnahmen zur Nachverfolgung eingeleitet [Vorwerk et al. 2008], [Pötzsch et al. 2008]. Das Hörscreening-Tracking wurde bereits seit dem Jahr 2006 schrittweise in Sachsen-Anhalt etabliert und seit 2010 beteiligen sich alle 27 Geburtskliniken Sachsen-Anhalts am Neugeborenen-Hörscreening-Tracking. Durch die Besonderheit, dass ein gesamtes Bundesland durch die Trackingstelle überblickt wird, ist eine populationsbezogene Auswertung der Datensätze für Sachsen-Anhalt möglich. Die Erfassungsrate hat sich seit Tracking-Beginn erheblich gesteigert, sodass aktuell ein fast vollständiges Tracking erfolgt (99,03 % aller Lebendgeborenen). Durchschnittlich gehen 22.000 einzelne Befunde pro Jahr in der Trackingstelle ein. Nachfolgende Grafiken geben einen Überblick über die Entwicklung sowie die durchgeführten Trackingmaßnahmen der Jahre 2006 bis 2012.

1Screening-ID = eindeutige Identifikationsnummer, bestehend aus 12 Nutz- und Prüfziffern, durch mathematischen Zusammenhang der Ziffern ist Screening-ID vor Missbrauch und unrechtmäßige Nutzung der Daten geschützt