Auf der 9. Blankenburger Forensik-Tagung am 20. März 2013 konnte der Referent, Herr Dr. Wolf-Rainer Krause, in seinen einführenden Worten berichten, dass er in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts noch mehr oder weniger „Learning by doing“, speziell unter der Supervision von Prof. Karl-Heinz Liebner (Martin-Luther-Universitätsnervenklinik Halle) die ersten Schritte in die forensische Psychiatrie absolvierte. Während seiner Weiterbildung an der Charité konnte unter Prof. Hans Szewcyk das theoretische Wissen weiter verbessert werden. Ein teilweises Umlernen war nach der Wiedervereinigung notwen-dig geworden. Dabei halfen besonders die Kurse unter dem legendären Prof. Wilfried Rasch. Dieser zog die Unterstützung eines Landgerichtsdirektors und einer Psychologin hinzu. Aus diesen Erfahrungen heraus wurden im Blankenburger Institut für psychiatrische Begutachtung regelmäßig zwei einschlägig qualifizierte Ärzte eingesetzt, häufig ergänzt durch einen Psychologen.

Aufgewertet wurde die Veranstaltung durch die Anwesenheit der Justizministerin, Frau Prof. Angela Kolb, die darauf verwies, dass sich die Justiz gerade in Sachsen-Anhalt in den letzten drei Jahren mit dem Thema Sicherungsverwahrung auseinandersetzen musste. „Wir müssen es auf den unterschiedlichen Ebenen schaffen, den Bürgern eine hohe Sicherheit zu gewährleisten.“ In diesem Zusammenhang käme aber dem Gutachter natürlich eine Schlüsselrolle zu. Das Rückfallrisiko müsse minimiert werden.
Im Eröffnungsvortrag stellte Herr Dr. Stephan Pecher, Oberarzt an der Blankenburger Klinik und Mitbegründer des Institutes, Qualitätskriterien für die forensische Begutachtung dar. In der Diskussion wurde darauf verwiesen, dass grundlegende Kenntnisse der forensischen Begutachtung von jedem Facharztkandidaten in der Psychiatrie und Psychotherapie erwartet werden, vertiefende Kenntnisse für den aktiven Gutachter jedoch zum Beispiel über die einschlägigen Kurse der DGPPN zu erwerben sind.
Mit Herrn Prof. Dr. med. Peer Briken, Direktor des Institutes für Sexualforschung und forensische Psychiatrie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, konnte nicht nur ein Referent nationaler, sondern europäischer Bedeutung gewonnen werden. Er und seine Mitarbeiter hatten das aktuelle Heft der forensischen Psychiatrie, Psychologie und Kriminologie fast im Alleingang gestaltet. Ihm gelang es, bei Verzicht auf Anglizismen und medizinisch-psychologischem Fachvokabular, die sexuelle Devianz und den Paradigmenwechsel bei der Sicherungsverwahrung gerade auch für die anwesenden Juristen verständlich und interessant zu referieren.
Frau Dr. med. Katja Jachau vom Gerichtsmedizinischen Institut der Universität Magdeburg, die ihre gerichtsmedizinische Tätigkeit in Glasgow begann, trug „Probleme bei der Blutentnahme und den resultierenden Befunden aus rechtsmedizinischer Sicht“ vor. Sie arbeitet bei den einschlägigen Grenzwertkommissionen sowohl beim Ministerium für Justiz und beim Verkehrsministerium mit. Gerichtsmediziner können gelegentlich an sie gerichtete Fragen im Prozess deshalb nicht beantworten, da im Vorfeld bei dem an sich einfachen und genau vorgeschriebenem Procedere der Blutentnahme die entsprechenden Formulare nicht sachgerecht bzw. überhaupt nicht ausgefüllt wurden.
In seiner bekannt ruhigen und sachlichen Art referierte Herr Dr. rer. nat. Wolfgang Trittschack, ebenfalls vom Institut für psychiatrische Begutachtung, zum Thema „Beschwerdevalidation/Begutachtung unter Berücksichtigung simulierenden Verhaltens“.
Insgesamt als erneut sehr förderlich angesehen wurde der zwanglose Gedankenaustausch zwischen den unterschiedlichen juristischen Professionen, Psychologen und Medizinern. Kleinere technische Probleme aus den Vorjahren einschließlich des Parkplatzproblems konnten von den engagierten Mitarbeitern des Kurhotels Fürstenhof mittlerweile beseitigt werden, sodass die Vorbereitung für die Jubiläumsveranstaltung am 20. März 2014 beginnen kann. Die Teilnehmerzahl soll dafür bewusst nicht erhöht werden.

Dr. Wolf-Rainer Krause