Logo des Verbands der leitenden Krankenhausärzte Deutschlands e.V.Der Verband der Leitenden Krankenhausärzte (VLK) führte seine Jahreshauptversammlung der Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen am Samstag, dem 23. Februar 2013 in der Welterbestadt Quedlinburg durch. In ihrer Einladung wiesen die Landesvorsitzenden, Prof. Dr. Paul Janowitz, Prof. Dr. Reinhard Fünfstück und Prof. Günter Schmoz darauf hin, dass die Leitenden Krankenhausärzte der Meinung sind, dass zumindest in der Öffentlichkeit die wichtige Rolle der Krankenhausärzte für die Gesundheitsversorgung nicht adäquat beachtet oder wahrgenommen wird. Häufig seien die Ansprechpartner nur die Kassenärztliche Vereinigung oder die Krankenhausträger, obwohl diese dann die anstehenden Probleme in der Regel an die Leitenden Krankenhausärzte delegieren.

Bereits am Vorabend fand ein sehr intensiver, zwangloser, vielstündiger Gedankenaustausch mit dem schon angereisten Präsidenten des Verbandes, Herrn Prof. Hans-Fred Weiser und dem Hauptgeschäftsführer, Diplomvolkswirt Gerd Norden, statt. Es wurde über intensive Interessenvertretung auf Bundesebene mit räumlichem Schwerpunkt Berlin berichtet. Es konnte auf die gelungene Neugestaltung der Verbandszeitschrift „Arzt und Krankenhaus“ hingewiesen werden. Als zukunftsweisender Schritt wurde die professionelle Gestaltung der Website mit geschützten Mitgliederinformationen hervorgehoben. Diese Möglichkeit der schnellen Vernetzung wird insgesamt aber noch zu wenig genutzt (www.vlk-online.de). Der Verband kann natürlich nur aktiv bei einem möglichst hohen Organisationsgrad sein. Es gilt künftig auch möglichst viele der Fach- und Oberärzte mit Dauerstellung in den Krankenhäusern als Mitglieder zu gewinnen. Dabei bestehen natürlich bei der kürzlich erfolgten Anpassung der „Ost-Mitgliedsbeiträge“ an die im Alt-Bundesgebiet bei nahezu fehlender Privatliquidation der drei vertretenen Bundesländer finanzielle Schwierigkeiten.
Die Organisation vor Ort hatten die Mitarbeiter des Harzklinikums Dorothea Christiane Erxleben, Oberarzt Dr. Frank Arand und Chefarzt Dr. Wolf-Rainer Krause, übernommen. Zur Eröffnung berichtete P. Janowitz, dass er nun seit fast 20 Jahren als Chefarzt tätig sei und sich die Tätigkeit als Leitender Arzt innerhalb dieser überschaubaren Zeitspanne wesentlich verändert hätte. Er vermisse die Wertschätzung der ärztlichen Arbeit und Kompetenz. Die Qualität der ärztlichen Arbeit würde von der Geschäftsführung wesentlich anhand der Leistungszahlen beurteilt. Er habe beobachten können, dass der Chefarzt insgesamt nicht mehr für sein Krankenhaus, sondern für einen fremden Betrieb arbeitet und er sei inzwischen fremdbestimmt und fremdgesteuert nach Zielvorgaben, die ihm vom Krankenhausträger einseitig auferlegt werden. So wurden die grundsätzlichen Veränderungen bei „Einführung eines neuen Krankenhausinformationssystems“ oft ohne Beteiligung oder ausreichende Vorbereitung der Ärzte umgesetzt. Des Weiteren berichtete er, dass viele Oberärzte keine Motivation mehr hätten, eine Chefarztposition zu übernehmen. Vom Krankenhausträger würden Chefärzte häufig als Art Sündenbock für Probleme verantwortlich gemacht, für die sie definitiv nichts könnten. Er habe aber bemerkt, dass insbesondere bei jüngeren Krankenhausmanagern ein notwendiges Umdenken stattfinde. Es müsse jedoch weiter daran gearbeitet werden, dass die Wertschätzung ärztlicher Tätigkeit und damit verbunden vor allem die Entlastung von patientenfremden Tätigkeiten erfolgt. Die leitenden Ärzte sollten mehr in Entscheidungen eingebunden werden, auch in der Gesundheitspolitik, um so die Berufszufriedenheit und berufliche Selbstverwirklichung zu fördern. Er verwies darauf, dass 22 Prozent der Leitenden Krankenhausärzte im Verband organisiert seien, aber 44 Prozent bereits beim Marburger Bund (zum Teil Doppelmitgliedschaft). Hier müssten Kräfte gebündelt werden.
An die letzten Gedanken hervorragend anknüpfend war der Vortrag des Hauptgeschäftsführers des Marburger Bundes, Herr Armin Ehl. Er widmete sich den Fragen der Weiterentwicklung der ambulanten Versorgung im Krankenhaus, Kampf dem Ärztemangel und der zukünftigen Weiterbildung. Die Kernaussage gipfelte in dem Satz: „VLK und Marburger Bund könnten gemeinsam mehr bewegen“, was in der Diskussion bestätigt wurde.

Zur Notarztversorgung in Deutschland wurden zwei in der Darstellung der Gegenwart völlig unterschiedliche Bestandsaufnahmen gegeben. Der Chefarzt Hendrik Pilz, Bernburg, zeichnete ein sehr düsteres Bild, der gegenwärtigen und vor allem der zukünftig drohenden Situation in Sachsen-Anhalt, hingegen konnte Herr Gunnar Linker von der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen die Struktur und Organisation in diesem Bundesland mit zum Teil sehr kleinteiligen Standorten, unterschiedlichen Dienstzeiten und prinzipieller Organisationsstruktur positiv darstellen. Zu diesen Fragen hätte der eingeladene Herr Dr. Dr. Reinhard Nehring vom Magdeburger Ministerium für Arbeit und Soziales sicher kompetente Ausführungen machen können, leider waren jedoch er und seine Stellvertretung krankheitsbedingt nicht angereist.
Herr Thomas Wüstner, Geschäftsführer innerhalb der Rhön-AG, stellte die Rolle des Chefarztes aus der Sicht des privaten Trägers dar. Bei der Frage, wer ein Krankenhaus führen sollte, stellte er die kaufmännische Gesamthaltung an die erste Stelle, jedoch solle die Krankenhausleitung als Steuerungseinheit aus Gleichberechtigten bestehen (mit ärztlichem, pflegerischem und kaufmännischem Anteil). Die Leiten-den Krankenhausärzte sollten in ihren Einrichtungen Vordenker, Gestalter, Lehrer und Vorbilder bleiben.

Herr Privatdozent Dr. med. Wolfgang Schütte, einer der Stellvertretenden Vorsitzenden Sachsen-Anhalts des VLK, berichtete über seine Arbeit in der Krankenhausgesellschaft. Gerade solche personellen Querverbindungen in andere Bereiche der Medizin wurden in der vorabendlichen internen Diskussion für sehr wichtig gehalten.

Franz Knieps, ehemaliger Abteilungsleiter im Bundesministerium für Gesundheit unter Ministerin Ulla Schmidt, konnte seinen Rückblick auf die bundespolitische Lage zum Teil sehr anregend überbringen. Deutlich schwieriger war es, seinen künftigen Visionen zu folgen, bei denen er hervorhob, dass zwischen den grundsätzlichen Konzepten der Parteien keine wesentlichen Unterschiede bestehen.
Herr Dr. med. Edgar Strauch (MBA) berichtete über einen neuen Studiengang im Gesundheits- und Sozialmanagement zum Physician Assistent in der Staatlichen Studienakademie Plauen. Zur Bewältigung des Ärztemangels kann dieser ergänzende Lösungsansatz nur ein kleiner Baustein der Problemlösung sein.

Am Ende der Veranstaltung wurde dem Urgestein der mitteldeutschen Aktivitäten des VLK, dem sächsischen Vorsitzenden, Herrn Prof. Dr. Dr. Günter Schmoz, noch zum Geburtstag gratuliert. Eine äußerst engagierte Stadtführung durch Frau Arand führte bei anhaltendem Schneefall die kulturhistorisch besonders interessierten Kolleginnen und Kollegen zusammen.

Auf der Fahrt in seinen Geburtsort Osterode am Harz fügte der Bundesvorsitzende noch einen Besuch am psychiatriehistorischen Standort Blankenburg ein. Als ehemaliger chirurgischer Chefarzt und Ärztlicher Direktor eines ebenfalls mit einer psychiatrischen Abteilung versehenen Versorgungshauses erwies er sich auch in der Problematik gemeindenahe Psychiatrie kompetent und äußerte sich besonders lobend über den gelungenen Umbau des Altbaus für die zukunftsträchtige Versorgung psychiatrischer Patienten.

Dr. W.-R. Krause,
stellv. Landesvorsitzender