Weiter Vorsicht vor unseriösen Branchenbucheintragungen und Zahlungsaufforderungen

Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt muss abermals vor unseriösen und kostenpflichtigen Angeboten zur Eintragung in Branchenbuchverzeichnisse warnen. Trotz erfreulicher Urteile zu unseriösen Eintragungsangeboten versenden einige Anbieter weiterhin ihre Anschreiben und Formulare. So werden aktuell unter dem Titel „Gelbes Branchenbuch“ Eintragungsangebote per E-Mail versendet. Mit dem Verweis auf das Bundesdatenschutzgesetz und EU-Normen wird versucht, dass der Leser auf das offiziell wirkende Schreiben antwortet. Nicht selten sind die Daten fehlerhaft, so dass der Empfänger verleitet ist, die Angaben zu korrigieren. Durch die unterzeichnete Rücksendung wird ein Eintrag in das Verzeichnis beauftragt.  Insbesondere die unverhältnismäßig hohen Kosten von 780 Euro sind oft erst auf den zweiten Blick ersichtlich.

Hilfe zum Thema kann eine Broschüre bieten, welche der Deutsche Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität e. V. gemeinsam mit anderen Institutionen zusammengestellt hat. Diese kann auf der Internetseite www.dsw-schutzverband.de abgerufen werden. Vor dem Hintergrund können wir nur eindringlich dazu raten, Anschreiben generell genau zu überprüfen. Zugleich sollten auch Mitarbeiter für das Thema „Adressbuchschwindel“ und unseriöse Zahlungsaufforderungen sensibilisiert werden. Bei Zweifeln an der Seriosität entsprechender Schreiben empfiehlt sich die Rücksprache mit der Ärztekammer.

Ass. jur. Tobias Brehme
Rechtsabteilung

Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung § 217 StGB

Hinweise und Erläuterungen für die ärztliche Praxis

Das neue Gesetz zur Sterbehilfe stellte, mit seiner Wirkung vom 10.12.2015, die geschäftsmäßige Förderung der Suizidhilfe unter Strafe. Um Ärzten eine grundlegende Orientierung im Hinblick auf mögliche Fragen zur neuen Regelung geben zu können, hat die Bundesärztekammer Hinweise und Erläuterungen entwickelt und veröffentlicht. Im Folgenden möchten wir Ihnen einen Einblick in die Regelung und einen Teil der entwickelten Hinweise und Erläuterungen vermitteln.

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Amaurose nach Orbitabodenrevision

Norddeutsche SchlichtungsstelleAus der Fallsammlung der Norddeutschen Schlichtungsstelle

Kasuistik
Eine 64-jährige Patientin erlitt bei einem Fahrradunfall eine dislozierte Jochbeinfraktur rechts, die zu einer stationären Aufnahme in einer Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie führte. Dort wurde in Intubationsnarkose das Jochbein reponiert und durch eine Miniplattenosteosynthese fixiert. Der frakturierte Orbitaboden wurde mit einer angepassten PDS-Folie rekonstruiert und eine Silikondrainage eingelegt. Entsprechend dem postoperativen Überwachungsprotokoll erfolgte direkt nach dem Eingriff eine Visuskontrolle über einen Zeitraum von zweieinhalb Stunden. Während dieser Zeit wurde kein Visusverlust diagnostiziert. Am nächsten Morgen klagte die Patientin über ein Druckgefühl im Bereich des rechten Auges und einen Sehkraftverlust. Daraufhin erfolgte eine unmittelbare Revision der Orbitabodenfraktur in Intubationsnarkose. Es wurden die Drainage und die PDS-Folie entfernt. Ein Hämatom fand sich lediglich im vorderen Orbitatrichter, eine akute Blutungsquelle konnte nicht identifiziert werden. Das Hämatom, etwa in der Größe einer Erbse, wurde entfernt und eine Easy-Flow-Drainage eingebracht, um die Orbita zum Sinus maxillares zu entlasten.

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Ausstellung von Präventionsempfehlungen

Neuregelung zur ärztlichen Präventionsempfehlung

Seit dem 01.01.2017 können Ärztinnen und Ärzte ihren Patienten Präventionsprogramme empfehlen. Diesen Beschluss hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) gefasst und entsprechende Präventionsempfehlungen verabschiedet.
Präventionskurse können aus den Handlungsfeldern ,,Bewegung“, ,,Ernährung“, ,,Stressmanagement“ und ,,Reduzierung des Konsums von Suchtmitteln“ empfohlen werden.

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Was du heute musst besorgen, das verschiebe nie auf morgen!

Logo Norddeutsche SchlichtungsstelleAus der Fallsammlung der Norddeutschen Schlichtungsstelle

Kasuistik
Eine 39-jährige Patientin wurde in einem Kreiskrankenhaus auf der Normalstation einer Inneren Abteilung aufgenommen mit der Diagnose TIA und Migräne, nachdem der Hausarzt die Diagnose „Apoplex“ mit schiefem Mund und Armlähmung gestellt hatte. Es wurde ein kraniales CT mit Normalbefund durchgeführt und bei der stationären Aufnahme wurde keine Lähmung (mehr) beschrieben. Ein neurologisches Konsil wurde angemeldet. Am Nachmittag wurde der Arzt informiert, dass der rechte Arm „häufig spastisch“ ist und die Patientin vor dem Bett liegend aufgefunden wurde. Am Abend desselben Tages wurde eine rechtsseitige Armparese bemerkt und der diensthabende Arzt informiert. Am nächsten Morgen wurde eine rechtsseitige Hemiparese beschrieben, die Patientin klagte über linksseitige Kopfschmerzen. Es wurden nach Rücksprache mit dem Chefarzt 5.000 IE Heparin verabreicht. Die Patientin wurde in eine andere Klinik verlegt, wo eine Computertomographie einen ausgeprägten, raumfordernden, linkshirnigen Mediainfarkt mit fleckförmiger blutiger Imbibition zeigt. Da der Infarkt älter als sechs Stunden war, war eine Lysetherapie nicht mehr möglich. Die Patientin wurde angiographiert, es wurde eine Rekanalisation eines wandständigen Thrombus in der linken Arteria Carotis interna versucht. Die Patientin wurde nachfolgend intubiert, beatmet und osmotisch behandelt und mit einer rechtsseitigen Hemiparese mit kompletter schlaffer Armparese in die Frührehabilitation entlassen. Zweieinhalb Monate später wurde die Patientin mit neuropsychologischen Störungen bei Verbesserung des Sprachvermögens nach Hause entlassen. Ein Jahr später kam es zu einem ersten komplex-fokalen Anfall, der mit Topiramat behandelt wurde. Eine Re-Stenose im Stent wurde mit einer Ballondilatation beseitigt. Zum Zeitpunkt der Antragstellung (drei Jahre später) bestand weiterhin eine eingeschränkte Funktion der Hand.

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