Meldepflichten nach dem Infektionsschutzgesetz

Mit Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt Nr. 49 vom 27. Juli 2017 ist das vom Bundestag beschlossene Gesetz zur Modernisierung der epidemiologischen Überwachung übertragbarer Krankheiten in Kraft getreten. Dadurch wurden Änderungen im Bereich des Infektionsschutzes und deren Meldung wirksam.

Die Änderungen beziehen sich auf eine erweiterte Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG), die Einbeziehung des Robert Koch-Instituts (RKI) und den Aufbau eines elektronischen Meldesystems.

Es ist vorgesehen, das „Deutsche Elek­tronische Meldesystem für den Infektionsschutz“ (DEMIS) bis spätestens 2021 einzuführen. Dadurch soll eine automatische Meldung der Ärzte und Labore, weiter an das Gesundheitsamt, hin zum RKI ermöglicht werden. Hierfür ist beabsichtigt, eine kostenfreie Praxissoftware zu entwickeln.

Auch wenn das automatische Meldesystem derzeit noch nicht umgesetzt ist, sollte die Gesetzesänderung einmal mehr zum Anlass genommen werden, sich über die bestehenden und fortlaufenden aktualisierten Meldepflichten zu informieren und diese in den Arbeitsalltag zu inte­grieren.

Die Auflistung der meldepflichtigen Krankheiten ist in § 6 IfSG, die der meldepflichtigen Krankheitserreger in § 7 IfSG geregelt. Die Kataloge werden auf Bundesebene durch die Verordnung zur Anpassung der Meldepflich-ten nach dem Infektionsschutzgesetz an die epidemische Lage (IfSG-Meldepflicht-Anpassungsverordnung – IfSGMeldAnpV) angepasst.

Eine aktuelle Übersicht der meldepflichtigen Krankheiten und Krankheitserreger können Sie auf den Seiten des RKI abrufen (www.rki.de/infektionsschutz). Zudem gibt es Verordnungen auf Landesebene, welche die Meldepflichten regeln. So ist die Verordnung über die erweiterte Meldepflicht übertragbarer Krankheiten zu beachten. Danach sind weitere Krankheiten bzw. Labornachweise meldepflichtig, wie (auch konnatale) Varizellen, Virusmeningitis und der Nachweis von Pneumokokken in Blut oder Liquor.

Das Landesamt für Verbraucherschutz ist in Sachsen-Anhalt die hierfür zuständige Landesbehörde und Ansprechpartner. Weitergehende Informationen finden Sie auf den Internetseiten der Landesbehörde unter:
www.verbraucherschutz.sachsen-anhalt.de/hygiene Hier können Sie auch aktuelle Meldebögen abrufen.

Ass. jur. Tobias Brehme

Verpflichtung des Arztes zur Belehrung externer Dienstleister über die Schweigepflicht

Die Verpflichtung des Arztes zur Verschwiegenheit wird über den Straftatbestand des § 203 Strafgesetzbuch (StGB) hinaus auch im § 9 der Berufsordnung der Ärztekammer Sachsen-Anhalt geregelt. Im Absatz 3 wird zudem bestimmt, dass der Arzt seine Mitarbeiter/innen über die gesetzliche Schweigepflicht belehren und dies schriftlich festhalten muss.

Durch eine Neuregelung des § 203 Absatz 3 StGB gilt diese Verpflichtung nunmehr auch gegenüber „sonstigen Personen, die an der beruflichen oder dienstlichen Tätigkeit des Berufsgeheimnisträgers mitwirken“. Dazu zählen beispielsweise externe IT-Experten, Schreibdienste oder Aktenvernichtungsdienstleister, die nicht in der Praxis angestellt sind, deren Hinzuziehung sich für die Praxis als notwendig gezeigt hat.

In der neuen Fassung des § 203 Absatz 3 Satz 2 StGB ist gegenüber diesen extern einbezogenen Personen ein Offenbaren von Geheimnissen erlaubt, wo diese für die Inanspruchnahme der Tätigkeit der sonstigen mitwirkenden Person (externe Dienstleister) erforderlich ist. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass der Arzt zuvor die mitwirkende Person zur Geheimhaltung dessen, was sie im Rahmen ihrer Tätigkeit erfährt, verpflichtet hat. Gemäß
§ 203 Abs. 4 StGB n.F. besteht die Gefahr der Strafbarkeit, wenn der Arzt dieser Verpflichtung zur Belehrung nicht nachkommt und der mitwirkende Dritte unbefugt und vorsätzlich Berufsgeheimnisse des Arztes offenbart.

Für einen rechtssicheren Nachweis, dass der Arzt seiner Belehrungspflicht nachgekommen ist, hat er sich, neben dem Verweis über das neue Strafgesetz und die Geheimhaltungspflicht, die Verpflichtung zum Geheimnisschutz des jeweiligen Dienstleisters schriftlich bestätigen zu lassen. In dieser Erklä­rung sollte ebenfalls geregelt sein, dass der externe Dienstleister seine Mitarbeiter seinerseits zur Geheimhaltung verpflichtet.

Ass. jur. K. Olsen

Die Monteggia-Verletzung des kindlichen Ellenbogens – eine typische „Kadi-Läsion“

Logo Norddeutsche Schlichtungsstelle

Aus der Fallsammlung der Norddeutschen Schlichtungsstelle

Kasuistik
Ein Dreijähriger hatte sich eine Verletzung des rechten Armes zugezogen. In der Ambulanz einer kinderchirurgischen Klinik wurden Röntgenaufnahmen angefertigt und die Diagnose einer Monteggia äquivalenten Läsion (isolierte Radius-Luxation) gestellt. Daraufhin erfolgten eine Reposition der Luxation und die Anlage eines Oberarmgipses. Eine Kontrolle des Repositionsergebnisses durch Röntgen erfolgte nicht, weder im Rahmen einer Gipskontrolle am nächsten Tag, noch zwei Wochen nach dem Unfall bei einer weiteren abschließenden Arztvorstellung, bei der der Gips entfernt worden war und keine Einschränkungen mehr hätten festgestellt werden können.

Acht Monate später wurde der Patient erneut im Klinikum vorgestellt, weil den Eltern eine Ellenbogenfehlstellung auffiel. Nach den Röntgenaufnahmen war der Verdacht auf eine Exostose des Radius gestellt und im Arztbrief dokumentiert worden. Eine Beziehung zur vorangegangenen Monteggia-Läsion wurde nicht in Betracht gezogen. Im darauffolgenden Jahr erfolgte die nächste Kontrolle mit identischer Beurteilung der Situation und ohne erneutes Röntgen. 20 Monate nach der Verletzung stellte man schließlich nach der Anfertigung neuer Röntgenaufnahmen die persistierende Luxation des Radius fest. Auf eine operative Korrektur wollte man zu diesem Zeitpunkt wegen der geringen funktionellen Defizite verzichten, ebenso ein Jahr später. Weitere Behandlungen im Klinikum fanden nicht statt.

Drei Jahre später erfolgte die Behandlung der Folgen der Ellenbogenverletzung in anderen medizinischen Einrichtungen. Die persistierende Radiusluxation wurde jetzt operativ versorgt (Korrekturdistraktionsosteotomie der rechten Ulna). Weitere Behandlungen waren erforderlich geworden.

Weiterlesen ...

Verspätete Diagnose einer kindlichen Linsentrübung

Logo Norddeutsche SchlichtungsstelleAus der Fallsammlung der Norddeutschen Schlichtungsstelle

Kasuistik
Im Rahmen dieses Schlichtungsverfahrens waren die Behandlungen durch Frau Dr. A,
Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Frau B, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Frau Dr. C, Fachärztin für Augenheilkunde und Frau Dipl.-Med. D, Fachärztin für Augenheilkunde, zu prüfen.

Sachverhalt
Die kinderärztliche Vorsorgeuntersuchung U3 ergab bei der einen Monat alten Patientin einen unauffälligen Befund. Einen Monat danach konsultierten die Eltern der Patientin Frau Dr. A und berichteten über eine Fehlstellung des linken Auges. Wegen Abwehr des Kindes konnte sie keinen Befund erheben und Frau Dr. A empfahl daher eine erneute Kontrolle etwas später. Die Eltern wechselten nun aber zu einer anderen Kinderärztin, Frau B, die die weiteren Vorsorgeuntersuchungen (U4 bis U6) durchführte. Bei der letztgenannten U6 stellte sie eine Augenfehlstellung fest und überwies das Kind in die Augenarztpraxis der Dres. C/D. Hier betreute nur eine Orthoptistin das Kind und leitete bei fehlender Fixation links und Strabismus divergens eine Okklusionsbehandlung ein. Zunächst schien sich alles zu bessern, aber nach erneuter Verschlechterung empfahl sie eine Untersuchung beim Augenarzt. Diese verzögerte sich jedoch wegen Urlaubs der Familie um zwei weitere Monate und schließlich stellte die Augenärztin Frau Dr. D nun erstmals eine Linsentrübung links fest. Wenige Wochen später konnte bei dem Kind eine Kata-raktoperation in einer Universitäts-Au-genklinik erfolgen und eine entsprechende Kontaktlinse verordnet werden. Die Verlaufskontrolle ergab, dass die Sehschärfe links, eineinhalb Jahre nach der Operation, unter Korrektur mit einer Kontaktlinse bei 0,02 in 2 m lag.

Weiterlesen ...

Neminem laedere – Ophthalmologie:

Erfahrungen und Anregungen der Berufshaftpflichtversicherung

Augenärztliche Schadenfälle können für Patienten – zum Beispiel im Falle einer iatrogenen Erblindung – eine Katas­trophe sein. Und deshalb können sie auch ohne weiteres Schadenersatzansprüche im siebenstelligen Bereich auslösen, mit Anspruchspositionen vom Schmerzensgeld über Verdienst- und Haushaltsführungsschaden bis zu Regressansprüchen der Sozialleistungsträger. Wie in anderen ärztlichen Bereichen gilt auch hier: Ein wesentliches Element des Risikomanagements ist die Sensibilisierung für typische Fehlerquellen.

I. Behandlungs- und Befunderhebungsfehler

Die Behandlung hat nach den zum Zeitpunkt der Behandlung bestehenden, allgemein anerkannten fachlichen Standards zu erfolgen. Hierzu gehören auch ordnungsgemäße Anamnese und Diagnose. Liegt ein grober Behandlungsfehler vor und ist dieser grundsätzlich geeignet, eine Verletzung des Lebens, des Körpers oder der Gesundheit der tatsächlich eingetretenen Art herbeizuführen, wird vermutet, dass der Behandlungsfehler für diese Verletzung ursächlich war. Ob ein Behandlungsfehler, ein unvertretbares Abweichen vom medizinischen Standard, vorliegt, entscheidet der medizinische Sachverständige, nicht der Jurist.
Hat der Behandelnde es unterlassen, einen medizinisch gebotenen Befund rechtzeitig zu erheben oder zu sichern, und hätte der Befund mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ein Ergebnis erbracht, das Anlass zu weiteren Maßnahmen gegeben hätte, so wird vermutet, dass dieser Fehler für die Verletzung ursächlich war. Der Grund für diese Beweisregel liegt darin, dass noch nicht einmal eine Grundlage für eine Diagnose geschaffen wurde.

Weiterlesen ...

(function(i,s,o,g,r,a,m){i['GoogleAnalyticsObject']=r;i[r]=i[r]||function(){ (i[r].q=i[r].q||[]).push(arguments)},i[r].l=1*new Date();a=s.createElement(o), m=s.getElementsByTagName(o)[0];a.async=1;a.src=g;m.parentNode.insertBefore(a,m) })(window,document,'script','//www.google-analytics.com/analytics.js','ga'); ga('create', 'UA-46536808-1', 'aerzteblatt-sachsen-anhalt.de'); ga('set', 'anonymizeIp', true); ga('send', 'pageview');