Unterlassene Konsiliaruntersuchung - Wenn die Anamnese in die Irre leitet

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Kasuistik

Infolge von kolikartigen Schmerzen mit Ausstrahlung in den linken Unterbauch stellte sich die Patientin in der Nacht im Krankenhaus vor und wurde unter dem Verdacht auf eine Nierenkolik in der Urologischen Abteilung stationär aufgenommen. Sonographische Hinweise auf eine Harnstauung der Nieren ergaben sich nicht. Die Laborparameter zeigten keine Entzündungshinweise. Es erfolgte eine Nativ-Computertomographie des Abdomens und Beckens. Im Vergleich zu Voraufnahmen ein halbes Jahr zuvor ließ sich ein 2 mm großes mittleres Kelchkonkrement aus der linken Niere nicht mehr nachweisen, welches sich möglicherweise im Harnleiterostium verfangen hatte. Trotz der Schmerztherapie war keine Schmerzfreiheit zu erreichen, so dass die Patientin zwei Tage später neurologisch untersucht wurde. Am gleichen Tag erfolgte eine Kernspintomographie der Lendenwirbel, bei der keine Kompression austretender Nervenwurzeln festgestellt wurde. Zeitgleich entwickelte sich ein Harnverhalt, der mittels Katheterismus versorgt werden musste. Am darauf folgenden Tag verließ die Patientin auf eigenen Wunsch und gegen ärztlichen Rat das Krankenhaus. Sie stellte sich am Folgetag bei ihrem Gynäkologen ambulant vor. Unter der Verdachtsdiagnose eines Adnextumors links erfolgte am nächsten Tag in einem anderen Krankenhaus wegen eines stielgedrehten Ovars ein operativer Eingriff. Drei Tage später wurde sie aus der stationären Behandlung entlassen.

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Neminem laedere: Zum Umgang mit Leitlinien

Paragraphen-ZeichenPatientenanwälte machen es sich bisweilen einfach: Sie „googeln“ Leitlinien und begründen Schadenersatzansprüche mit einem Leitlinienverstoß. Damit geraten Leitlinien in ein weiteres Spannungsfeld neben den Antipoden gute Versorgungsqualität auf der einen und ökonomisch motivierte Minimalversorgung auf der anderen Seite. Aber so einfach kann man es sich mit der Begründung von Haftungsansprüchen nicht machen.

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Der Umgang mit Pflichtverstößen von ärztlichen Kollegen

Recht aktuell

In der ärztlichen Tätigkeit kann es durchaus vorkommen, dass Ärzte die Behandlung des vor- oder mitbehandelnden Kollegen nicht nachvollziehen können; sie sogar als falsch betrachten. Fachliche Mängel oder gar Defizite werden offenkundig. Doch wie reagiert man richtig? Mit dieser Frage, mit der die Kammer in Ihrer Beratungstätigkeit immer wieder konfrontiert wird, möchten wir uns an dieser Stelle auseinandersetzen.

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Doxepin statt Doxycyclin

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die schnelle Unterzeichnung des Rezeptes

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Kasuistik

Bei dem 50-jährigen Patienten, der aufgrund einer Sprunggelenkfraktur nicht gehfähig war, hatte sich eine starke Erkältung eingestellt. Die Ehefrau des Patienten suchte die Praxis des Hausarztes auf, um ein entsprechendes Medikament zu besorgen. Nach Schilderung der Beschwerden sollte ein Antibiotikum, das Medikament „Doxy M Ratioph 100 mg“ verschrieben werden. Es kam jedoch zu einer Verordnung des Schlaf- und Beruhigungsmittels „Doxepin Ratiopharm 100 mg Fta“. Der Patient nahm zwei Tabletten dieses Medikamentes zu sich und musste mit dem Notarzt ins Krankenhaus eingeliefert werden, wo er am Monitor überwacht wurde und nach zunehmender Aufklarung die Klinik wieder verlassen konnte. Als Diagnose wurde eine Medikamentenvergiftung angegeben.

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