Bandscheibenoperation im falschen Segment

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Kasuistik

Bei einer Patientin wurde wegen seit drei bis vier Wochen bestehender Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in das rechte Bein und nachfolgender konservativer Therapie eine MRT-Untersuchung der Lendenwirbelsäule (LWS) am 1. August durchgeführt. Hierbei zeigte sich eine Höhen- und Signalminderung der Bandscheibe bei LW4/5 mit Ausbildung einer kräftigen medialen subligamentären Bandscheibenvorwölbung im Sinne eines subligamentären medialen Bandscheibenvorfalls, der den Duraschlauch und die Nerven-wurzelabgänge L5 beidseits deutlich pelottierte. Drei Wochen später wurde die Patientin von einem Neurochi-rurgen untersucht mit der Diagnose „Massenprolaps LW4/5 rechts“. Bei der Untersuchung bestand ein rechts positives Trendelenburg-Zeichen. Daraufhin befand sie sich in stationärer Behandlung und wurde von dem Neurochirurg am 5. September operiert.

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Haftungsfälle und Schadenprophylaxe in der Allgemeinmedizin

Das Fachgebiet der Allgemeinmedizin spiegelt – als meist erster Ansprechpartner des Patienten – sämtliche Facetten ärztlicher Haftung sowie alle Größenordnungen des Schadenersatzes. In der Statistischen Erhebung der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen 1 imponiert die Allgemeinmedizin mit Platz 3 der häufigsten beteiligten Fachgebiete 2. Fälle aus dem Portfolio einer Haftpflichtversicherung und aus der Rechtsprechung zeigen typische Risikopotentiale und sensibilisieren für mögliche Fehlerquellen.

Abb. 1: Handele ich nach dem Patientenrechtegesetz?
Abb. 1: Handele ich nach dem Patientenrechtegesetz?

Fast alle Haftungsfälle können heute unter das sogenannte Patientenrechtegesetz 3 subsumiert werden. Es ist wichtig, dessen wesentliche Regeln zu kennen (Abb. 1).

In einem Fachgebiet mit hohem Patientenaufkommen und unterschiedlichsten Krankheitsbildern gelingt eine Schadenprophylaxe am ehesten durch Sensibilisierung für Schadenpotentiale. Großschäden 4 der Assekuranz können hierzu Anhaltspunkte liefern (Abb. 2). Schäden mit niedrigerem finanziellen Aufwand entsprechen den Großschadenerkenntnissen und zeigen zudem Zwischenfälle außerhalb von Behandlungs- oder Aufklärungsfehlern. So wurde einem Arzt angelastet, dass er einem stehenden Patienten trotz dessen erkennbarer Kreislaufprobleme eine Injektion gab, dieser stürzte und sich eine Kopfverletzung zuzog.

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„Vorsicht! Videoüberwachung“

Bei gewissen Sicherheitsproblemen scheint eine Videoüberwachung eine einfache Lösung zu bieten. So können etwa unübersichtliche oder personell nicht oder nur sporadisch besetzte Räumlichkeiten zu verschiedensten Tages- und Nachtzeiten leicht überwacht werden. Die Aufsicht über das System kann zentral und mit wenig Personalaufwand erfolgen. Die Technik ist inzwischen erschwinglich und häufig ohne besondere Kenntnisse zu installieren.

Die datenschutzrechtliche Relevanz der Videoüberwachung wird von den Betreibern jedoch häufig falsch eingeschätzt. Jeder Mensch hat grundsätzlich das Recht sich frei zu bewegen, ohne dass sein Verhalten permanent mit Hilfe von Kameras beobachtet oder aufgezeichnet wird. Dies ergibt sich aus seinem Recht auf informationelle Selbstbestimmung, welches sich aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht nach Art. 2 Abs. 1 i. V. m. Art. 1 Abs. 1 des Grundgesetzes ableitet.

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Anti-Korruptionsgesetz in Kraft getreten

Icon für RechtMit Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt ist das Gesetz zur Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen – kurz Anti-Korruptionsgesetz – am 4. Juni 2016 in Kraft getreten.

Kern des Gesetzes ist die Schaffung der §§ 299a und 299b im Strafgesetzbuch (StGB) und damit eine Verankerung der Straftatbestände der Bestechlichkeit und Bestechung im Gesundheitswesen für alle Heilberufe.

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Unterlassene Differenzialdiagnostik bei Unterbauch- und Genitalbeschwerden

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Kasuistik
Nach dem vorliegenden Gedächtnisprotokoll der Eltern wachte der zum damaligen Zeitpunkt elfjährige Sohn um 8 Uhr schweißgebadet mit Hodenschmerzen auf, die sich im Laufe des Vormittags in den Unterbauch verlagerten. Eine Vorstellung um 11 Uhr beim Hausarzt führte zu einer Krankenhauseinweisung in einer Kindernotfallambulanzklinik unter der Verdachtsdiagnose einer Appendizitis. Hier wurde um 13 Uhr das Kind von den beiden diensthabenden Ärzten gesehen.

Im Notfallprotokoll der Klinik wird von Hodenschmerzen berichtet. Nach klinischer Untersuchung des Abdomens und verschiedener Laboruntersuchungen wurde die Verdachtsdiagnose Appendizitis bestätigt und das Kind zur weiteren Behandlung und gegebenenfalls chirurgischen Versorgung in das Kinderkrankenhaus weitergeleitet.

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