Amaurose nach Orbitabodenrevision

Norddeutsche SchlichtungsstelleAus der Fallsammlung der Norddeutschen Schlichtungsstelle

Kasuistik
Eine 64-jährige Patientin erlitt bei einem Fahrradunfall eine dislozierte Jochbeinfraktur rechts, die zu einer stationären Aufnahme in einer Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie führte. Dort wurde in Intubationsnarkose das Jochbein reponiert und durch eine Miniplattenosteosynthese fixiert. Der frakturierte Orbitaboden wurde mit einer angepassten PDS-Folie rekonstruiert und eine Silikondrainage eingelegt. Entsprechend dem postoperativen Überwachungsprotokoll erfolgte direkt nach dem Eingriff eine Visuskontrolle über einen Zeitraum von zweieinhalb Stunden. Während dieser Zeit wurde kein Visusverlust diagnostiziert. Am nächsten Morgen klagte die Patientin über ein Druckgefühl im Bereich des rechten Auges und einen Sehkraftverlust. Daraufhin erfolgte eine unmittelbare Revision der Orbitabodenfraktur in Intubationsnarkose. Es wurden die Drainage und die PDS-Folie entfernt. Ein Hämatom fand sich lediglich im vorderen Orbitatrichter, eine akute Blutungsquelle konnte nicht identifiziert werden. Das Hämatom, etwa in der Größe einer Erbse, wurde entfernt und eine Easy-Flow-Drainage eingebracht, um die Orbita zum Sinus maxillares zu entlasten.

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Ausstellung von Präventionsempfehlungen

Neuregelung zur ärztlichen Präventionsempfehlung

Seit dem 01.01.2017 können Ärztinnen und Ärzte ihren Patienten Präventionsprogramme empfehlen. Diesen Beschluss hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) gefasst und entsprechende Präventionsempfehlungen verabschiedet.
Präventionskurse können aus den Handlungsfeldern ,,Bewegung“, ,,Ernährung“, ,,Stressmanagement“ und ,,Reduzierung des Konsums von Suchtmitteln“ empfohlen werden.

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Was du heute musst besorgen, das verschiebe nie auf morgen!

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Kasuistik
Eine 39-jährige Patientin wurde in einem Kreiskrankenhaus auf der Normalstation einer Inneren Abteilung aufgenommen mit der Diagnose TIA und Migräne, nachdem der Hausarzt die Diagnose „Apoplex“ mit schiefem Mund und Armlähmung gestellt hatte. Es wurde ein kraniales CT mit Normalbefund durchgeführt und bei der stationären Aufnahme wurde keine Lähmung (mehr) beschrieben. Ein neurologisches Konsil wurde angemeldet. Am Nachmittag wurde der Arzt informiert, dass der rechte Arm „häufig spastisch“ ist und die Patientin vor dem Bett liegend aufgefunden wurde. Am Abend desselben Tages wurde eine rechtsseitige Armparese bemerkt und der diensthabende Arzt informiert. Am nächsten Morgen wurde eine rechtsseitige Hemiparese beschrieben, die Patientin klagte über linksseitige Kopfschmerzen. Es wurden nach Rücksprache mit dem Chefarzt 5.000 IE Heparin verabreicht. Die Patientin wurde in eine andere Klinik verlegt, wo eine Computertomographie einen ausgeprägten, raumfordernden, linkshirnigen Mediainfarkt mit fleckförmiger blutiger Imbibition zeigt. Da der Infarkt älter als sechs Stunden war, war eine Lysetherapie nicht mehr möglich. Die Patientin wurde angiographiert, es wurde eine Rekanalisation eines wandständigen Thrombus in der linken Arteria Carotis interna versucht. Die Patientin wurde nachfolgend intubiert, beatmet und osmotisch behandelt und mit einer rechtsseitigen Hemiparese mit kompletter schlaffer Armparese in die Frührehabilitation entlassen. Zweieinhalb Monate später wurde die Patientin mit neuropsychologischen Störungen bei Verbesserung des Sprachvermögens nach Hause entlassen. Ein Jahr später kam es zu einem ersten komplex-fokalen Anfall, der mit Topiramat behandelt wurde. Eine Re-Stenose im Stent wurde mit einer Ballondilatation beseitigt. Zum Zeitpunkt der Antragstellung (drei Jahre später) bestand weiterhin eine eingeschränkte Funktion der Hand.

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Abrechnungen im Vertragsarztrecht – Strafrechtliche Risiken und Nebenwirkungen

Zugleich Anmerkung zu Bundesgerichtshof (BGH), Beschl. v. 16.08.2016 – 4 StR 163/16

Ausgangspunkt
Wenn Juristen Mediziner beraten, blicken sie fast immer auch auf das Damoklesschwert der strafrechtlichen Risiken des Heilberufes. Dies betrifft auch Abrechnungsfragen im komplexen System der Leistungserbringung. Gerichtliche Entscheidungen markieren wichtige Wegmarken im System der vertragsärztlichen Leistungserbringung, die auch für den sich redlich verhaltenden Mediziner verbindlich sind. Will der Arzt sich nicht selbst zukünftig strafrechtlichen Ermittlungen ausgesetzt sehen, muss er sich an diesen Vorgaben orientieren. Im Folgenden sollen diese anhand einer aktuellen Entscheidung des BGH zur Vertragsarztuntreue aufgezeigt werden.

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Patientenverfügungen müssen Willen konkret benennen

BGH-Entscheidung zur Patientenverfügung!

In einem aktuellen Urteil vom 06.07.2016 hat der Bundesgerichtshof (BGH, XII ZB 61/16) eine wesentliche Entscheidung im Hinblick auf die Konkretisierung des Willens in der Patientenverfügung getroffen. In dem konkreten Fall hatte die Patientin für den Fall eines schweren Dauerschadens ihres Gehirns alle lebensverlängernden Maßnahmen abgelehnt. Nach einem Hirnschlag stimmte die Patientin einer Magensonde zu. Nach mehreren epileptischen Anfällen konnte die Patientin ihren Willen selbst nicht mehr äußern. Die Richter hatten den Streit der Töchter zu entscheiden, ob die künstliche Ernährung eingestellt werden soll.

In diesem Beschluss zugrundeliegenden Fall sah der BGH den in der Patientenverfügung geäußerten Willen, „keine lebenserhaltenden Maßnahmen“ zu wünschen, keine hinreichend konkrete Behandlungsentscheidung. Eine schriftliche Patientenverfügung im Sinne des § 1901 a Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) entfalte nur dann eine unmittelbare Bindungswirkung, wenn ihr konkrete Entscheidungen des Betroffenen über die Einwilligung oder Nichteinwilligung in bestimmte, noch nicht unmittelbar bevorstehende ärztliche Maßnahmen entnommen werden können. Nicht ausreichend sind demnach allgemeine Anweisungen wie die Aufforderung, ein würdevolles Sterben zu ermöglichen oder zuzulassen, wenn ein Therapieerfolg nicht mehr zu erwarten ist.

Welchen Wortlaut die Patientenverfügung haben muss, lässt der BGH offen. Gleichzeitig führt er aus, dass die Anforderungen an die Bestimmtheit nicht überspannt werden dürfen. Der Betroffene könne jedoch umschreibend festlegen, was er in einer bestimmten Lebens- und Behandlungssituation will und was nicht. Dies kann durch Benennung bestimmter ärztlicher Maßnahmen (Künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr, Wiederbelebung, künstliche Beatmung, Dialyse) oder die Bezugnahme auf ausreichend spezifizierte Krankheiten oder Behandlungssituationen erfolgen.

Weitere Informationen, auch mit Hinweisen zur Entscheidung des BGH, können Sie der aktualisierten Broschüre des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz entnehmen: www.t1p.de/bmjv