Vor mehr als einem Jahr wurde die Praxisgebühr abgeschafft. Dies entbindet jedoch nicht von der Pflicht zur Überweisung. Die bereits zuvor bestehenden Regelungen zum Überweisungsverfahren, wie z.B. die des § 24 Bundesmantelvertrags-Ärzte (BMV-Ä), bleiben unverändert bestehen.
Da auf diesem Gebiet noch immer Fragen von niedergelassenen Ärzten bestehen, möchten wir die Vorgaben kurz darstellen. Nach den Regelungen des Fünften Sozialgesetzbuches (SGB V) bleibt der Hausarzt der Koordinator für die Betreuung und Behandlung des Patienten. In den Fällen, in denen der (Haus-)Arzt die Möglichkeiten seines Fachgebietes oder seiner Praxis ausgereizt hat und weitere diagnostische oder therapeutische Leistungen für erforderlich hält, muss er diese mit der Überweisung (Muster 6 bzw. Muster 10 der Vordruckvereinbarung) veranlassen.

In den Fällen, in denen der Arzt die Überweisung an einen anderen Arzt nicht für medizinisch notwendig erachtet, soll er die Überweisung nicht ausstellen. Durch den Wegfall der Praxisgebühr kann der Patient selbst entscheiden, inwiefern er von sich aus unter Vorlage der Krankenversichertenkarte diesen Arzt aufsucht. Der Patient hat grundsätzlich unter den ambulant tätigen Ärzten und Psychotherapeuten die freie Wahl. Folgende Arztgruppen dürfen gemäß Bundesmantelvertrag jedoch nur auf Überweisung in Anspruch genommen werden:
1. Fachärzte für:

  • Laboratoriumsmedizin,
  • Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie,
  • Nuklearmedizin,
  • Pathologie,
  • Radiologische Diagnostik bzw. Radiologie,
  • Strahlentherapie,
  • Transfusionsmedizin sowie

2. ermächtigte Krankenhausärzte, soweit der entsprechende Ermächtigungsumfang dies so vorgibt.

Für einige Leistungen ist die Überweisung aufgrund vertraglicher oder spezifischer Regelungen (z. B. im EBM) Abrechnungsvoraussetzung. Im Rahmen der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) ist weiterhin regelmäßig eine Überweisung vom Hausarzt an den Facharzt erforderlich, da sich der Patient verpflichtet hat, in der Regel primär den Hausarzt aufzusuchen. Hiervon ausgenommen ist die primäre Inanspruchnahme eines Augenarzt oder eines Gynäkologen. Weiterhin ist zu beachten, dass auch eine vor dem Quartal der Inanspruchnahme ausgestellte Überweisung Gültigkeit behält, solange die Fragestellung noch relevant bleibt und der Patient eine gültige elektronische Gesundheitskarte vorweist. Darüber hinaus existiert keine Pflicht zur Überweisung. Dennoch kann es dem spezialisierten Facharzt berufsrechtlich nicht verwehrt werden, wenn er insbesondere Neupatienten nur unter dem Vorbehalt einer Überweisung behandelt, weil dies beispielsweise zur Steuerung der Patientenströme erforderlich ist. Die Sinnhaftigkeit sollte jedoch im Vordergrund stehen. Bei chronisch kranken Patienten, die sich bereits in langjähriger fachärztlicher Kontrolle befinden oder für das Ausstellen eines Rezeptes, ist das unbedingte Bestehen auf eine Überweisung nicht angemessen.