Paragraphen Buch IconUnter den akademischen Graden hat der Titel „Professor“ sicher einen ganz besonderen Stellenwert und jeder, der seine Ernennungsurkunde erhalten hat, wird die damit verbundene Anerkennung zu schätzen wissen.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Immer wieder erhält die Kammer berechtigt oder unberechtigt Hinweise über das fehlerhafte Führen von Professorentiteln, dem nachzugehen die Kammer verpflichtet ist.
Im Hochschulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt (HSG LSA) sind die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Berufung des Hochschulpersonals für Sachsen-Anhalt geregelt.
So können die Hochschulen und Universitäten neben den hauptberuflich tätigen „Professoren“ (§§ 34 ff HSG LSA) „Juniorprofessoren“ (§ 40 HSG) ebenfalls hauptberuflich beschäftigen.

Als nebenberuflich tätiges Personal an Universitäten und Hochschulen werden dagegen der Honorarprofessor (§ 47 HSG LSA), der außerplanmäßige Professor (§ 48 HSG) und der Gastprofessor (§ 49 HSG LSA) tätig.

Die Berufung zum Professor kann auf Lebenszeit oder befristet auf bis zu fünf Jahren erfolgen. Eine nochmalige Berufung für fünf Jahre ist zulässig. Eine Ernennung auf Probe für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren ist ebenfalls möglich.
Verbunden hiermit ist die Berechtigung zum Führen der Amtsbezeichnung „Professor“. Diese darf auch nach dem Ausscheiden wegen Erreichens der Altersgrenze oder Dienstunfähigkeit ohne den Zusatz „außer Dienst“ (a. D.) geführt werden. Bei Ausscheiden aus anderen Gründen kann der Titel auf Vorschlag des Fachbereiches mit Zustimmung der Leitung der Hochschule weitergeführt werden, wenn man mindestens fünf Jahre ein Professorenamt bekleidet hat.

Juniorprofessoren werden dagegen zunächst für die Dauer von drei Jahren zu Beamten auf Zeit ernannt. Das Beamtenverhältnis des Juniorprofessors soll mit seiner Zustimmung im Laufe des dritten Jahres um weitere drei Jahre vom Rektor auf Vorschlag des Fakultäts- beziehungsweise Fachbereichsrates verlängert werden, wenn er sich in seinem Amt bewährt hat. Für diese Zeit besteht die Berechtigung zum Führen der Bezeichnung „Juniorprofessor“. Nach Ablauf von insgesamt sechs Jahren ist es zulässig, mit Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses den Titel „Privatdozent“ zu führen (§ 41 Abs. 4 HSG LSA)
Honorarprofessoren sind nebenberuflich und regelmäßig ehrenamtlich tätige Professoren. Durch ihre Bestellung werden weder ein Beamten- noch ein sonstiges Beschäftigungsverhältnis begründet. Mit der Bestellung besteht die Berechtigung zum Führen der Bezeichnung „Honorarprofessor“. Die Eigenschaft als Honorarprofessor und damit die Führbarkeit des Titels endet mit Erlöschen, etwa durch Verzicht, oder mit dem Widerruf der Bestellung, so z. B. wenn die Lehrtätigkeit länger als zwei Jahre ruht, es sei denn, derjenige ist älter als 62 Jahre.

Ferner kann nach § 48 Abs. 3 HSG LSA einem Privatdozenten nach einer in der Regel vierjährigen Bewährungszeit in Lehre, Forschung, Entwicklung und künstlerischer Tätigkeit die Bezeichnung „außerplanmäßiger Professor“ verliehen werden, wobei damit kein Dienstverhältnis begründet wird. Auch hier ist der Widerruf der Verleihung bis zum 62. Lebensjahr möglich, soweit schuldhaft zwei Jahre keine Lehre und Forschungstätigkeit ausgeübt wurde.

Gastprofessoren im Sinne des § 49 HSG LSA sind in- oder ausländische Personen, die vorübergehend als Professor an einer Hochschule lehrend und forschend tätig sind. Für die Dauer der Gastlehrtätigkeit sind sie in die Verantwortung der Hochschule eingebunden und berechtigt den Titel „Gastprofessor“ zu führen.

An Hand dieser Ausführungen bleibt festzustellen, dass die Berechtigung zum Führen der Professorentitel zeitlich begrenzt sein kann. Die Ärzte sind in diesem Fall verpflichtet, ihre Kammer zu informieren.
Wird der Titel fälschlicherweise weitergeführt, werden nicht nur berufsrechtliche Pflichten tangiert. Gemäß § 132a Strafgesetzbuch ist das Führen eines akademischen Grades ohne Berechtigung sogar strafbar.
Die Kammer hatte jüngst sogar eine anonyme Anzeige erhalten, indem unter Drohung mit Veröffentlichung auf ein unbefugtes Weiterführen von Professorentiteln in mehreren Fällen aufmerksam gemacht wurde. Dieses Schreiben sandte der Anzeigende auch nachrichtlich an die Staatsanwaltschaft. Aus diesem Grund sieht sich die Kammer veranlasst, in den kommenden Wochen die Aktualität der bislang nachgewiesenen Professorentitel zu hinterfragen. Sofern Sie Fragen zu diesem Thema haben, steht Ihnen die Rechtsabteilung,
Tel. 0391 6054-7400, zur Verfügung.

Ass. jur. Annett Montes de Oca