Ralf Konersmann: Die Unruhe der Welt

Ralf Konersmann: Die Unruhe der Welt

S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2015, 4. Auflage, ISBN 978-3-10-038300-6, gebunden mit Schutzumschlag,
Oktav-Format, 461 Seiten, 12 s/w-Abbildungen, 24,99 €

Der Titel macht neugierig. Er lässt ahnen, dass es hier um Grundsätzliches geht, um mehr als Unterhaltungs- oder Ratgeberlektüre. Ralf Konersmann, Direktor des philosophischen Seminars der Universität Kiel und Publizist, beschäftigt sich offensichtlich mehr als andere Philosophen seit geraumer Zeit mit den Symptomen einer allgegenwärtigen Unruhe in der Welt, zumindest was unseren westlichen Kulturkreis betrifft. So legen es jedenfalls die Titel einiger seiner Publikationen nahe. Seine Methode ist die der kulturhistorischen Forschung.

So verwundert es nicht, dass er zu Beginn seiner tiefgehenden Überlegungen und Erkenntnisse in den mythologischen Garten Eden der biblischen Geschichte einsteigt, in dem die Ruhe des Friedens und der Bedürfnislosigkeit herrscht, vorerst jedenfalls. Es kommt aber bald die Unruhe ins Spiel, der Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies. Arbeit im Schweiße des Angesichts ist für die unruhestiftenden Sünder angesagt. Und dann erschlägt der Bruder den Bruder. Der Friede ist vollends dahin. Kain wird samt seinen Nachkommen, und das wären auch wir, mit dem Fluch der Rast- und Ruhelosigkeit belegt, ein fortwährendes Erbe für alle nachfolgenden Geschlechter. So begegnet uns diese Unruhe auch heute auf Schritt und Tritt. Sie bewegt uns, macht unser Leben aus und hat Anteil an unserer Kultur. Wir suchen sie, lassen uns von ihr antreiben, glücklich machen, leiden an ihr. Die verlassene Ruhe, den Stillstand, würden wir wohl kaum noch aushalten können. Selbst rekreative Pausen füllen wir mit Geschäftigkeit und Abwechslungen, von denen wir positive Auswirkungen auf unser Dasein erhoffen. Stress und Burnout lassen grüßen.

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Kunstmuseum Moritzburg Halle: „Gustav Klimt“

Marie Henneberg
Bildnis „Marie Henneberg“ 1901/02, Öl auf Leinwand 140 x 140 cm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Foto: Punctum/Bertram Kober

Ausstellung vom 14. Oktober 2018 bis 6. Januar 2019

Klimt kommt nach Halle. Mit diesem flotten Werbespruch wurde die Klimt-Ausstellung anlässlich des 100. Todestages des Künstlers angekündigt. Klimt kam – wie zu erwarten war – nicht, aber einige seiner Werke fanden den Weg nach Halle und können hier knapp drei Monate lang bewundert werden. Und wie sie bewundert werden, zuweilen mit Schlange stehen, wie Katrin Greiner, die Pressesprecherin, mitteilt.

In den 50er Jahren, als ich anfing, mich für Kunst zu interessieren, hätte man nicht Schlange gestanden. Jugendstil war nicht gerade „in“, sondern wurde eher als kitschig abgelehnt. Doch die Zeiten ändern sich. Klimt steht heute hoch im Kurs und das wohl zu recht. Der Wert seiner Gemälde ist ins Unermessliche gestiegen, mit der Folge, dass diese nicht oder nur ungern ausgeliehen werden.

Da ist es fast ein Wunder, wenn das hallesche Kunstmuseum, welches – bei allem Respekt – nicht zu den größten und reichsten Kunsttempeln zählt, ein wunderschönes Gemälde des Jugendstilmeisters sein eigen nennen kann, das Bildnis der Marie Henneberg.

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Michail Bulgakow: Arztgeschichten

Michail Bulgakow: ArztgeschichtenErzählungen aus dem Russischen von Thomas Reschke

Luchterhand Literaturverlag, ISBN 978-3-630-62183-8, Broschur 18,5 cm x 12 cm, 142 Seiten, 8,99 €

Es hat den jungen Absolventen der Medizin in die Weiten des in den letzten Zügen liegenden Zarenreiches ver-schlagen, in das Gebiet um Smolensk. Es ist Krieg, es ist Revolution. Beides schließt man zwar aus den Daten des Berichtszeitraumes, jedoch nur mit Abstrichen aus dem Erzählstoff des fünfundzwanzigjährigen Jungarztes. Er kann sich auf die Fachkenntnisse eines erfolgreichen Medizinstudiums stützen, was ihm in der ländlichen Einsamkeit des kleinen Dorfkrankenhauses aber nur bedingt nützt. Es fehlt ihm die wesentliche praktische Erfahrung für die verantwortliche Führung einer abgelegenen staatlichen ärztlichen Einrichtung. In dramatischen Notsituationen kann er nur sich und ein paar Bücher befragen.

In acht Erzählungen entsteht eine romanartige Geschichtensammlung. Es sind die Jahre 1916 und 1917. Vierundzwanzig Stunden mit dem Pferdewagen inkl. Übernachtung braucht es, um aus der Zivilisation der Kreisstadt mit Bahnstation und Elektrizität an den einsamen Bestimmungsort um das kleine Krankenhaus fern von Moskau zu gelangen. Die Wohnunterkunft des Arztes im Krankenrevier ist geräumig. Geschlafen wird auf dem Strohsack. Das Licht kommt vom Fenster und abends von der Petroleumlampe. Eine kleine integrierte Apotheke führt die nötigsten zeitgenössischen Medikamente samt Morphium und Chloräther. Ein paar Fachbücher in Russisch und Deutsch sind ebenfalls vorhanden, u. a. der vom Autor oft zitierte Kleine Döderlein für gynäkologische Fragen. Ein Operationsraum mit ihm teilweise fremden Instrumenten steht zur Verfügung.

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Kommentar zum Leserbrief: 3. Konsensuskonferenz der Kardiologen und Herzchirurgen

Kommentar von Dr. Gerhard Hoh zum Leserbrief von Prof. Dr. Frank P. Meyer im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 10/2018, S. 44

Zum Leserbrief von Herrn Prof. Meyer aus Wanzleben-Börde möchte ich folgendermaßen Stellung nehmen:

Eine Senkung des LDL-Cholesterins zur Prognoseverbesserung kann sowohl für das Schlaganfallrisiko als auch für Herzinfarkte als belegt gelten (Übersicht unter [1] und [2]. So kann pro mmol/l-LDL-Senkung mit einer 20%igen Reduktion bedeutsamer koronarer Ereignisse, koronarer Revaskularisationen und Schlaganfällen innerhalb von 5 Jahren gerechnet werden. Folgerichtig wird deshalb in den Leitlinien eine maximale LDL-Senkung gefordert. Beispielhaft wird in den ESC/EAS Guidelines 2016 eine maximale LDL-Cholesterinsenkung als Klasse IA-Ziel („prescribe statin up to the highest recommended dose or highest tolerable dose to reach the goal“) empfohlen. [3]. In diesen Leitlinien wird gerade bei sehr hohem Risiko ein LDL-Cholesterinspiegel von < 1,8 mmol/l oder bei einem Ausgangswert zwischen 1,8 und 3,5 mmol/l eine Halbierung dieses Wertes gefordert.

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