Patientenarmbänder - arme Medizin

Leserbrief von Herrn Martin Steinert zur Pressemitteilung „Dessauer Klinikum führt Patientenarmbänder ein“ im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt im Heft 5/2014, S. 21

Für bestimmte Indikationen: für Demenzkranke, für Säuglinge, im OP-Bereich halte ich diese Kennzeichnung für hilfreich. Eine allgemeine Etikettierungspflicht mit „Tier“-Armbändern, wie sie üblicherweise Rinder oder Schweine bekommen, halte ich aber für nicht nötig.

Es ist wohl eher die Folge einer schlechten Krankenhauskultur, in welcher Pflegepersonal fehlt und unter Dauerstress leidet und Fachgebiete kaum noch gut kommunizieren! Ich würde für mich so ein Band eindeutig ablehnen und diese Krankenhäuser meiden. Es sollte wohl noch die Zeit sein, einen Patienten beim Namen zu nennen und nach dem Geburtsdatum zu fragen. Das Wichtigste für den Patienten ist, Vertrauen zu haben. Dies wird mit der Anlage eines Datenbandes beim Betreten des Krankenhauses stark gestört. Daher ist dies nach meiner Vorstellung medizinethisch sehr zweifelhaft – vom Datenschutz ganz abgesehen.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Steinert,
Prakt. Arzt und Notarzt,
Jessen, Kreis Wittenberg

Konrad Victor Schneider

Eine Würdigung des Wittenberger Arztes und Forschers zu seinem 400. Geburtstag

Konrad Victor Schneider gehört zu den medizinhistorisch wichtigsten Gelehrten der ehrwürdigen Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität, die nicht nur auf das großartige Erbe der Halleschen, sondern auch auf das ebenso bedeutende der Wittenberger Hochschule verweisen kann.

Dennoch ist der herausragende Forscher den meisten Ärzten heute kaum noch bekannt. Schon im 19. Jahrhundert schrieb Karl Friedrich Heinrich Marx (1796-1877), der erste Biograph des großen Arztes, über den hervorragenden Mediziner: „Die Schneider´sche Haut (Membrana Schneideriana, mucosa s. pituitosa narium) kennt jeder Mediciner, nicht aber den Mann und sein Werk...“. Inzwischen ist auch dieser Eigenname kaum noch als Fachbegriff zur Benennung der Nasenschleimhäute in Gebrauch, und nur wenige wissen, dass es Schneider war, der erstmalig überzeugend nachgewiesen hat, dass der Nasenschleim eine Absonderung dieser Häute und nicht etwa des Gehirns darstellt. Dies war aber, wie es die nachfolgenden Ausführungen zeigen werden, eine epochale Entdeckung.

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Nachruf für Prof. Dr. med. Wolfgang Kaden

Prof. Dr. Wolfgang Kaden, Januar 2013In Memoriam

(23.1.1927 - 3.1.2014)

Der zu Ehrende hat den Verdienst, im Jahre 1964 – also vor 50 Jahren –zusammen mit Dr. Manfred Richter, Leiter des Forschungslabors der Chirurgischen Universitätsklinik Halle, und dem Ingenieur Günter Fechner die erste künstliche Niere der DDR entwickelt zu haben (Aue 1).

Diese wurde ab 1966 in der Firma Paul Scheibner KG in Bernsbach in Serie gebaut. Die Geräte zeichneten sich durch geringeren Preis im Vergleich zu Auslandsprodukten, geringere Größe und schnelle Einsatzfähigkeit aus. In der Folgezeit wurde die Niere weiterentwickelt (Aue II bis V).

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Stefan Kappner - Kurt Scheidler. Arzt mit sozialer Verantwortung

Hrsg.: Rohnstock Biografien.
berlin edition im be.bra verlag, Berlin 2014. Festeinband mit Schutzumschlag,
208 Seiten, 38 Abbildungen, 19,95 Euro, ISBN 978-3-8148-0205-3

Ein vorbildliches Arztleben

Der Hundertjährige steht auf und spricht: „Wir als Ärzte machen natürlich Politik. Aber es ist eine Politik für den Menschen, um das Beste für ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen zu erreichen. Wir können dabei Irrtümern unterliegen, Fehler machen – gut, das ist letzten Endes menschlich.“
Die Veranstaltung mit zahlreichen Rednern zur Buchpremiere „Kurt Scheidler. Arzt mit sozialer Verantwortung“ am 07.04.2014 hatte da schon drei Stunden angedauert. Kollege Scheidler redet klar und frei, den Gehstock locker in seiner linken Hand gehalten und mit wachem Blick. Seine Augen strahlen. Die Zuhörer sind ergriffen, beeindruckt von der Kraft der Ansprache. Professor Kurt Scheidler wird am 22. Juni 2014 hundert Jahre alt.

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Sebastian J. Moser - Pfandsammler

Erkundungen einer urbanen Sozialfigur

Verlag: Hamburger Edition.  ISBN 978-3-86854-276-9,
Broschüre im Kleinoktavformat, 270 S., € 22,-

"Das Geld liegt auf der Straße!" Nur selten mag es die bare Münze sein, die den Anlass für diese platte Behauptung bildet. Man muss es wohl schon eher aus seiner gebundenen Form, hier dem Getränkegebinde, befreien, das Pfand einlösen.

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