Goethes Sammlungsschränke – Wissensbehältnisse nach Maß

Diana Stört: Goethes Sammlungsschränke (Cover: Verlag)
(Cover: Verlag)

Diana Stört

Sandstein Verlag Dresden 2020, ISBN 978-3-95498-417-6, geb. im Hardcover, Großoktavformat, reich illustriert, 264 Seiten, € 29,90

Kann man sich das Genie Goethe in einem Gedankenzusammenhang mit Gebrauchsmöbeln vorstellen? Die Autorinnen, eine Literatur- und Kulturhistorikerin und eine Diplomrestauratorin, tun das im vorliegenden Buch. Und das mit Recht! Sie untersuchen innerhalb ihrer jeweiligen fachlichen Kompetenz in einer Studie des Meisters Umgang mit seinen umfangreichen Sammlungen, ihrer Unterbringung im Wohnhaus am Frauenplan samt Nebengebäuden, heute Kern des Goethe-Nationalmuseums in Weimar.

Sie lassen die Dinge sprechen, übersichtlich strukturiert unter dem Inhalt: Der Sammlungsschrank/Sammlungen im Haus am Frauenplan/Goethes Schränke und im Anhang mit einer fotografischen und Daten-Dokumentation von 34 der im Textteil beschriebenen Schrankmöbel mit den dazu gehörigen physischen und historischen Daten inkl. heutiger Standorte.

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Ars Medicorum Halensium 2021

„Sentimental Journey“, Andreas Köhler 2020,  Öl auf Leinwand (Foto: Andreas Köhler)
„Sentimental Journey“, Andreas Köhler 2020, Öl auf Leinwand (Foto: Andreas Köhler)

Kunst hallescher Ärzte

Zwanzig Jahre sind schon eine lange Zeit, etwa ein Viertel eines Menschenlebens. Unser Kalender „Ars Medicorum Halensium“ hat dieses Alter jetzt erreicht. Das freut uns Kalendermacher und wir danken all denen, die uns unterstützt haben. Das sind vor allem Sie, unsere Kolleginnen und Kollegen, die diesem Kalender Jahr für Jahr die Treue hielten und viele andere Menschen auch. Es hat uns wohlgetan und immer wieder motiviert, weiterzumachen.

Der erste Kalender für 2002 hatte noch ein recht kleines Format, wenig größer als eine Postkarte. So war es auch gedacht. Jedes Kalenderblatt konnte, wenn es ausgedient hatte, als Postkarte Verwendung finden. Doch so ein Zwerg war nicht attraktiv und Postkartenschreiben schon gar nicht. Im zweiten Jahr wuchs unser Kind von der Postkartengröße zum Schreibpapierformat. Das machte ihn schon attraktiver. Doch dem nicht genug, einige Jahre später erschien er in doppelter Größe und war nun richtig erwachsen. So blieb es viele Jahre, bis schließlich eine kleine Veränderung nötig wurde. Wir verkleinerten unseren Kalender um wenige Zentimeter und erzielten damit beim Postversand einen deutlich niedrigeren Preis, nunmehr als Päckchen. Das freute unsere Kunden, die ihn zum Jahresende an Bekannte und Freunde verschickten.

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Heimkehr

Wolfgang Büscher

Cover: Verlag

Rowohlt Verlag Berlin 2020, ISBN 978-3-0089-2, gebunden mit Schutzumschlag, 22 x 13 cm (Kleinoktavformat), 204 Seiten, € 22,-

Ein bekannter und erfolgreicher Journalist und Reiseschriftsteller, Wolfgang Büscher, kommt nach Hause, will uns der Buchtitel sagen. Es ist nicht seine Wohnheimat, die er hier beschreibt. Es ist die Heimat seiner Geburt, Kindheit und Jugend, in und an Orten der Provinz.

Diese Rückkehr erstreckt sich über den Zeitraum vom Winterende bis in den vollen Herbst eines Jahres, dessen Datum wie so viele Daten bzw. Namen zur Topographie, zu Leuten, Gönnern, Freunden und Gesprächspartnern, die in seinem Bericht vorkommen, nicht explizit genannt werden. Leser dürften über die Tastatur ihres elektronischen Auskunftsgebers keine Mühe haben, für sich in Grundzügen Klarheit zu schaffen, etwas Vorkenntnisse vorausgesetzt.

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ALMA LEUCOREA – Eine Geschichte der Universität Wittenberg 1502 bis 1817

Heiner Lück

ALMA LEUCOREA
Cover: Verlag

Universitätsverlag Halle-Wittenberg, Halle a. d. Saale 2020, ISBN 978-3-86077-208-0,
gebunden im illustrierten Hardcover/Quartformat (32 x 23 cm, 2500 g), 243 farbige Abbildungen, 367 Seiten, € 175,-

Der Dichter G. E. Lessing, der Frühromantiker Novalis, der Augustinermönch Martin Luther haben an ihr studiert und Generationen von jungen Männern vor und nach ihnen, an der Leucorea (leukos oros=weißer Berg), der Universität Wittenberg. Giordano Bruno und Tycho de Brahe suchten sie auf. Auch Hamlet, der Prinz von Dänemark soll sich hier eingeschrieben haben, literarisch zumindest, folgt man Shakespeares Tragödie in I/2. Wenn das keine Referenzen sind!

Der Autor, Prof Dr. jur. Heiner Lück, Spezialist für Fragen der Rechtsgeschichte, hat sich der Historie der ehemaligen Universität Wittenberg intensiv, mit viel Sachkenntnis, Engagement und sicher auch großem zeitlichen Aufwand angenommen. Herausgekommen ist ein inhaltlich und physisch gewichtiges Werk, das sich angesichts seiner Opulenz nur schwer auf einigen Seiten beschreiben lässt.

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Emil (v.) Behrings Drang zu akademischer Karriere und die Schattenseiten eines Genies

Dem am 15.3.1854 in Hansdorf/Westpreußen geborenen Emil Adolf Behring (1. von 9 Kindern aus der 2. Ehe des Vaters) war es vergönnt, mit einem Stipendium des preußischen Staates das Abitur abzulegen und anschließend an der Kaiser-Wilhelm-Akademie für militärärztliche Bildung in Berlin ein Medizinstudium aufzunehmen. Es folgte eine Tätigkeit als Truppenarzt in der Provinz Posen, 1887 eine Delegierung zu dem Pharmakologen Carl Binz (Bonn), wo sich Behring mit der Antisepsis beschäftigte. Ab 1859 war er Assistent an dem Hygiene-Institut der Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin.
 
1890 gelang ihm in Zusammenarbeit mit Shibasaburo Kitasato (1853-1931) die Entdeckung der Blutserumtherapie als passive Immunisierung gegen Diphtherie. Parallel gelang Kitasato dies auch gegen Tetanus: Behring beschrieb zwar das Anti-Toxin, doch erst durch die Zusammenarbeit mit Paul Ehrlich (1854-1915) ab 1892 konnte von diesem die Standardisierung des Serums für die menschliche Anwendung vorgenommen werden. Es folgten erste erfolgreiche Testungen an Kindern (Berlin, Leipzig, Magdeburg) mit eindeutiger Reduktion der Mortalitätszahlen um 50 %. Der Unternehmer August Laubenheimer (Farbwerke Höchst) bot Behring seine Hilfe bei der Produktion und beim Vertrieb an (ab 1893 Di-Serum nach Behring-Ehrlich). Wegen des offensichtlich großen Erfolges erhielt Behring 1893 ohne Habilitation den Professorentitel.

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