K.-R. Otto u. H. F. Späte - Leben nehmen

K.-R. Otto u. H. F. Späte - Leben nehmen Verführung zum Leben — Gedanken zur Suizidverhütung

Verlag Ille & Riemer, Leipzig/Weißenfels 2015, Bd. 12 der illri Bibliothek Wissenschaft,
ISBN 978-3-95420-008-5, Taschenbuch 21 x 14,5 cm, 181 Seiten, 19,80 €

„Betrachtung der Suizidalität als Kommunikationsform in der Sehnsucht nach einem anderen Leben.“ So kennzeichnet ein Werbetext diese Neuerscheinung mit dem ambivalenten Ausdruck im Titel. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird darunter an erster Stelle die mehr oder weniger gewaltsame Beendigung eines menschlichen Lebens durch dritte Hand zu verstehen sein, in der reflexiven Form jedoch der Suizid.

Die beiden Autoren, über weite Strecken ihrer Biographien mindestens fachlich-beruflich verbundene Psychiater mit mittelöstlichem Werdegang (Thüringen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt) möchten diesen Haupttitel „Leben nehmen“ ihres gemeinsam verantworteten Buches (auch als ePUB und ePDF auf dem Markt) jedoch so verstanden wissen, das Leben nicht wegzuwerfen sondern danach zu greifen, es zu nehmen. Unter solcher Prämisse bekommt das bunte Coverbild seinen Sinn.

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Moderne in der Werkstatt - 100 Jahre Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

DIE BURG in Halle ist eigentlich keine Burg, sondern eine Kunsthochschule. „Burg“ deshalb, weil sie in einer Burg, der Burg Giebichenstein, beheimatet ist. Im soeben vergangenen Jahr wurde sie 100 Jahre alt. Dieses Jubiläum nahm die zweite Burg in Halle, das Kunstmuseum Moritzburg, zum Anlass, ihre Kunstschwester mit einer Ausstellung „MODERNE in der WERKSTATT“ zu ehren. Schön, dass die beiden Kunstburgen zusammenhalten, schön auch für die Stadt, die ihr Image als „Diva in Grau“ mit ihrem hohen Kulturangebot aufbessern kann. Die aktuelle Ausstellung mit dem sonderbaren Titel, der eher an eine Reparaturwerkstatt für die Moderne erinnert, hat sich eine Reflektion der Geschichte der BURG mit ihren Idealen und Ideen zur Aufgabe gemacht, wie der Rektor der Hochschule Dieter Hofmann in seinem Katalogvorwort schreibt. Das fordert auch den Besucher. Ihn erwartet eine Ausstellung, die von der üblichen Form einer Kunstausstellung abweicht. Er sollte Zeit mitbringen; bloßes Anschauen genügt nicht. Man muss sich auf die Ausstellung einlassen, um reich beschenkt nach Hause zu gehen.

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Eine erfolgreiche Lungenoperation bei Thomas Mann vor 70 Jahren und ihre Bedeutung für die Kultur Mitteldeutschlands

Im Mai des Jahres 1946 unterbrach Thomas Mann (1875-1955) die Arbeit an seinem neuen Roman „Dr. Faustus“, da er sich einer schweren Operation unterziehen musste. Er hatte sich seit einigen Jahren damit beschäftigt, war jedoch vor der Ausführung dieses Unternehmens lange zurückgeschreckt, weil er es immer als sein letztes betrachtet hatte.

Als sich jedoch die Niederlage des Hitler-Deutschlands abzeichnete, suchte er den aus dem Jahre 1901 stammenden „Drei-Zeilen-Plan“ heraus. Darin hatte er die Idee zu einer Novelle skizziert, in deren Mittelpunkt der symbolische „Teufelspakt“ eines Künstlers stehen sollte.

Am 23. Mai 1943 begann Thomas Mann mit der Niederschrift dieses Buches, in dem er das Schicksal seines Titelhelden, des „Tonsetzers Adrian Leverkühn“, der dem Teufel verfällt, symbolisch mit dem Weg Deutschlands in die Katastrophe des Nationalsozialismus verbindet. Dabei stellte der Autor einen Kontext mit der deutschen Geistesgeschichte und dem eigenen Leben her. So entstand ein Bekenntnisbuch, in dem er sich nicht nur mit dem Versagen der deutschen Eliten im „Dritten Reich“, sondern auch mit sich selbst kritisch auseinandersetzte. Dass Thomas Mann im Zusammenhang mit dem „Dr. Faustus“ das Schillerwort „und setzet ihr nicht das Leben ein, nie wird das Leben gewonnen sein“ häufig zitierte, zeigt, wie ernst es ihm damit war. Da verwundert es nicht, dass sich bei dem Autor Arbeitshemmungen in Form von Katarrhen und Magenverstimmungen einstellten. Im Jahr 1946 entwickelte sich bei Thomas Mann aber eine lebensgefährliche Krankheit.

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Wir gratulieren im Dezember und Januar

rote Schlaufe

zum 60. Geburtstag

04. Dezember Dr. med. Ingrid Bernstein
Magdeburg
04. Dezember Dipl.-Med. Ines Angerhöfer
Bitterfeld-Wolfen
08. Dezember Dr. med. Petra Muschke
Magdeburg
13. Dezember Dipl.-Med. Harald Kamrad
Uslar
15. Dezember Dr. med. Marion Tiller
Halle (Saale)

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Giovanni Maio - Den kranken Menschen verstehen

Giovanni Maio - Den kranken Menschen verstehenFür eine Medizin der Zuwendung

Herder Verlag Freiburg 2015, gebunden mit Schutzumschlag/Oktavformat, ISBN 978-3-451-30687-7, 223 Seiten, 19,99 €

Die hochentwickelte moderne Medizin ist dabei, sich auf Abwege zu begeben. Ohne Korrektur ihres jetzigen Selbstverständnisses als ausschließlich naturwissenschaftliche Disziplin wird sie ihrem Anspruch als Hilfe für den Menschen nicht mehr vollends gerecht werden können. So in etwa äußert sich Giovanni Maio in seinem neuesten Buch zu einem grundlegenden und zunehmenden Defizit im Arzt-Patienten-Verhältnis.

Maio geht das Thema mit philosophischem Denken an. Philosophie und Medizin sind seine akademischen Berufsfelder. Er ist einer der gefragtesten Medizinethiker unserer Zeit, Lehrstuhlinhaber und Institutsdirektor an der Freiburger Universität. Auf dem Gebiet der Bio- und Medizinethik forscht, lehrt und publiziert er. Seit längerem schon ist sein Thema der Verlust an geisteswissenschaftlichem Zugang zur Medizin, dieser an sich typischen zwischenmenschlichen Betätigung. Er wendet sich dabei an alle tagtäglich in der Heilkunde tätigen Berufe, heilende, pflegende und anderweitig betreuende, stationäre oder ambulante. Er will ihnen Mut machen, bei der Sache zu bleiben und sich ihre inneren Werte nicht durch die Ökonomen rauben zu lassen. Das klingt banal. Bei genauerem Hinsehen ist es aber eher schon brisant. Er packt mit seinen Einlassungen das mehr und mehr vernachlässigte, da nur schwer wirtschaftlich fassbare Interesse an der zwischenmenschlichen Seite im Verhältnis der Medizinberufe zu ihren Patienten an. Dabei handelt es sich um Professionen mit hohem Grad an Sinnstiftung, oft und möglichst auch eine Berufung.

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