Leserbrief - „Organspende“

Leserbrief von Dr. Ilja Karl zum Editorial „Organspende: Widerspruchslösung als erfolgreich gelebtes Konzept der Solidarität einer intakten Gesellschaft - abgelehnt“ von Prof. Dr. Walter Brandstädter im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt, Heft 3/20, S. 5

Nach erfolgter Gesetzgebung ist die Diskussion um die Organspende etwas weniger intensiv. Gleichwohl können einige der von Prof. Brandstädter getätigten Thesen nicht unwidersprochen bleiben.

Zuallererst bleibt unklar, was die (juristische) Widerspruchslösung mit Solidarität zu tun haben soll. Der Gesetzgeber hatte die Absicht, die Zustimmung zur Organspende nicht mehr als Voraussetzung für die Entnahme von Organen zu machen, sondern den fehlenden Widerspruch als Zustimmung zu nehmen. Die Widerspruchslöung ist also zunächst ein juristisches Konstrukt mit dem Ziel, die Zahl der Organspenden zu steigern und so den Status als „Organschuldner“ aufzuheben.
Die Konsultation verschiedener digitaler und analoger Nachschlagewerke zum Begriff „Solidarität“ ergibt verschiedene Definitionen, die sich aber in einigen Grundannahmen gleichen: Gegenseitigkeit, Zusammengehörigkeit, Freiwilligkeit.

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Johanna Meyer-Lenz: Kinderkardiologie in Halle und in Leipzig 1950 – 2000

Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2019, 384 Seiten (ISBN 978-3-96023-110-3)

Die Entwicklung der Kinderkardiologie als neue Spezialdisziplin in der medizinisch-technischen Revolution des 20. Jahrhunderts.

Zur Geschichte der Kinderkardiologie im transnationalen Rahmen und in berufsbiografischer Erzählperspektive, Band 2

2008 wurde von der Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie auf Anregung von Prof. Dr. Jochen Weil das Projekt „Lebendige Kinderkardiologie“ ins Leben gerufen. Die Hamburger Historikerin Dr. Johanna Meyer-Lenz legt nun mit dem vorliegenden Band die Geschichte der Kinderkardiologie in Halle und in Leipzig von 1950 bis 2000 vor.

Die Darstellung konzentriert sich um die berufsbiografischen Erzählungen der beiden Leiter der Kinderkardiologien in Halle (Gisbert Wagner) und in Leipzig (Peter Schneider) und bettet die junge Fachgeschichte der beiden Standorte Halle und Leipzig in den übergreifenden nationalen und transnationalen fachhistorischen Kontext ein.

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Ulrich Nellessen: Lebensbiopsien

Ulrich Nellessen: Lebensbiopsien,  Medizinisches – Menschliches – Menschlichkeiten

Medizinisches – Menschliches – Menschlichkeiten

Verlag: Books on Demand, ISBN: 978-3-7494-1653-0, Hardcover, 224 Seiten, € 15,00

Das Buch „Lebensbiopsien“ des Mediziners, Professor Ulrich Nellessen, ist in seiner 2. Auflage beim Verlag Books on Demand im Oktober vergangenen Jahres erschienen und deutschlandweit in Buchläden sowohl als Hardcover als auch als E-Book erhältlich.

Im Mittelpunkt von „Lebensbiopsien“ steht der Mensch in Not und Bedrängnis, in Freude und Leid, in Krankheit und Tod. Der Mikrokosmos Krankenhaus und die Auswirkungen der politisch gewollten Veränderungen in den letzten Jahren auf das medizinische Personal und die Patienten bilden einen Kern. Aber auch Betrachtungen über den Zeitgeist der Ethik des Lebens, über Menschliches und Seelisches, über Vieles, was uns bewegt, über Trauer, Verlust, Enttäuschungen, Lebensbeginn und -ende, Altwerden, Vergänglichkeit, kurzum über das menschliche Leben schlechthin, sind weitere Themen, mit denen sich der Autor in ca. einhundert Einzeltexten beschäftigt.

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Kunst hallescher Ärzte – Ars Medicorum Halensium 2020

„Look for the Silver Lining“, Öl auf Dibond, Andreas Köhler, 2019 (Foto: Künstler)
„Look for the Silver Lining“, Öl auf Dibond, Andreas Köhler, 2019 (Foto: Künstler)


Kalender sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Der moderne Mensch könnte ohne diese Zeiteinteiler, Erinnerer und Planer nicht auskommen. Ein Kalender ist einfach lebensnotwendig. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass er in den unterschiedlichsten Formen auftritt, als elektronischer Kalender, Taschenkalender, Geschäftskalender, Wandkalender, um nur einige zu nennen.

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Sophie Seemann: Verschwundene Krankheiten

Sophie Seemann: Verschwundene Krankheiten
Cover: Verlag

Kulturverlag Kadmos Berlin 2019, ISBN 978-3- 86599-300-7, gebunden mit Schutzumschlag, Großoktav-Format, 29 Abbildungen, 271 Seiten, 27,85 €

Der Titel stellt meist nur den ersten, verkürzten Hinweis auf den Inhalt oder den Charakter eines Buches dar, soll wohl ein Signal an den Flaneur vor der Bücherauslage sein. Dann aber ist die weiterführende Differenzierung erforderlich. In diesem Falle hieße das: Sind die hier genannten Krankheiten wirklich verschwunden? Hat es sie überhaupt gegeben? Kann man die Diagnosen heute noch rückblickend nachvollziehen?

Die Kinderärztin Sophie Seemann legt eine Liste von zwanzig Krankheitsnamen vor, geordnet nach dem deutschen Alphabet. Darin folgen die Pocken der Phosphornekrose, die Trichinose der Sulfonalvergiftung etc. Diese unter kausalen Aspekten indiskutable Reihung weist auf den subjektiven Charakter des Buches hin. Er drückt sich auch in den einzelnen Beiträgen aus. Einleitend wird von der Autorin den sachlichen Erörterungen in jedem Kapitel ein von ihr formulierter fiktionaler Text, eine erzählende Beschreibung der Krankheitssituation vorangestellt, deren Quelle nicht immer transparent wird. Sie malt damit aber gedanklich ein Bild für die emotionale Einstimmung des Lesers. Das ist allemal eine interessante Verbindung zwischen den Leidenden und der um sie bemühten Heilkunde der ferneren oder näheren Vergangenheit und schafft menschliche Nähe.

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