II. Leserbrief zur Ärztekammerwahl 2016

von Dr. Walter Kraus, Halberstadt

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

  1. die Ergebnisse der Ärztekammerwahl 2016 machen jedem Arzt im Lande die außerordentliche Benachteiligung der weiblichen Ärzte und der Krankenhausärzte deutlich, die nur mit 24 % bzw. 27 % in der Kammerversammlung vertreten sind. Die derzeit bestehende Wahlverordnung berücksichtigt weder demokratische Grundregeln, noch das Prinzip der Gleichberechtigung zwischen weiblichen und männlichen Ärzten, so wie zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhausärzten.
  2. Eine neu zu erarbeitende Wahlordnung müsste diese Benachteiligung beenden.
  3. Nach den Erkenntnissen aus den Kammerwahlergebnissen 2016 könnte nun die Landesärztekammer Sachsen-Anhalt diese Gelegenheit nutzen, um die Initiative zur Änderung dieser unmöglichen Situation im Lande und vielleicht beispielgebend für andere zu ergreifen.
  4. Die niedergelassene Ärzteschaft hat es in der Vergangenheit im Rahmen der Freiberuflichkeit immer mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) verstanden, ihre Interessen wahrzunehmen. Allerdings war diese Interessenvertretung von der KV immer männlich bestimmt, auch bei der Kandidatenfindung für die Kammerversammlung, wobei man die Benachteiligung der Ärztinnen nicht bemerkte, oder es auch nicht wollte.
  5. Die Ärztekammern und die Bundesärztekammer sind die einzigen Gremien, deren Hauptaufgabe es ist, die Freiberuflichkeit der ganzen Ärzteschaft zu erhalten. Dies ist für den niedergelassenen Bereich im Wesentlichen gelungen, wobei die KV und die Mehrheiten der niedergelassenen Ärzte in Ärztekammern, Bundesärztekammer und bei Ärztetagen hilfreich waren.
  6. Der Einsatz zum Erhalt der Freiberuflichkeit der angestellten Krankenhausärzte wurde dabei über Jahrzehnte absolut vernachlässigt. Die unabhängige Freiberuflichkeit muss aber auch bei den Krankenhausärzten für die Patientenbehandlung unbedingt bestehen. Diese freiberufliche Unabhängigkeit gerät jedoch heute leider immer mehr in Gefahr zum Nachteil der Patienten. Die Krankenhausärzte werden zu lohnabhängigen Befehlsempfängern der Krankenhausverwaltungen, die vom Gewinnstreben der privaten Krankenhauskonzerne bestimmt werden. Standen zur DDR-Zeit noch ärztliche Direktoren an der Spitze der Krankenhausverwaltungen, so sind sie heute fast bedeutungslos und ohne Einfluss. Waren die Chefärzte bis vor 20 – 30 Jahren noch in sehr gesicherten Positionen, so sind sie heute diejenigen, denen zuerst gekündigt wird. Diese Situation bedingt, dass die Chefärzte aus Angst um den Arbeitsplatz nicht mehr Mitglied im Marburger Bund und im Verband leitender Krankenhausärzte (VLK) werden wollen und so keine Gemeinsamkeit und Solidarität mit den anderen Chefärzten finden, um sich für die Patienteninteressen gegen Entscheidungen der Verwaltungen zu positionieren.
  7. Der Marburger Bund hat sehr richtig erkannt, dass die Krankenhausärzte in einer Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes absolut untergehen und es zur Interessenvertretung auch im Hinblick auf den Erhalt der Freiberuflichkeit einer eigenen gewerkschaftlichen Organisation bedarf, deren absolute Notwendigkeit von der Politik leider nicht erkannt wird.
  8. Aus all diesem ergibt sich, dass es einer großen Gemeinsamkeit aller Gremien der Ärzteschaft bedarf, um die Freiberuflichkeit der Ärzte in den Krankenhäusern zu retten.
  9. Zum Abschluss seien hier noch für eine Veränderung der Wahlordnung zur Kammerwahl, wenn sie denn gewollt wird, erste denkbare Vorschläge gemacht:
    • Die Ärzteschaft könnte im Rahmen ihrer freien Selbstverwaltung in der Ärztekammer eine Wahlpflicht aller Ärzte mit finanziellen Sanktionen, z. B. 30 € in die Ärztekammerkasse bei unentschuldigtem Versäumnis, beschließen. Dies hätte den Vorteil, dass die gesamte Ärzteschaft an der Wahl beteiligt wäre, und dass vor allem die jüngeren Krankenhausärzte mit eingebunden werden und die Bedeutung der Ärztekammer als ihre Interessenvertretung erkennen.
    • Zur Wahlkandidatenfindung könnten in den 6 Wahlregionen gesonderte Ärzteversammlungen für den niedergelassenen Ärztebereich durch die KV-Sprecher und für den Krankenhausbereich durch Vertreter des Marburger Bundes und des VLK organisiert werden. Auf diesen Versammlungen könnte demokratisch über Wahlkandidaten abgestimmt werden, die über die nötigen Voraussetzungen und eine entsprechende Eignung verfügen, wenn sie vorgeschlagen werden, oder bei einer Selbstbewerbung, Aufgaben in der Ärztekammer übernehmen zu wollen, die Zustimmung der Versammlungen finden.
    • Dabei müssten in den 6 Wahlregionen mindestens 6 weibliche und 6 männliche Wahlkandidaten aus dem niedergelassenen Ärztebereich, sowie 6 weibliche und 6 männliche Wahlkandidaten aus der Krankenhausärzteschaft gefunden werden.
    • Im Sinne einer tatsächlichen ärztlichen Gemeinsamkeit sollten alle Ärzte aus den Wahllisten der jeweiligen Wahlregion 2 Ärzte weiblichen Geschlechtes und 2 männliche Ärzte aus dem niedergelassenen Bereich sowie 2 weibliche und 2 männliche Ärzte aus dem Krankenhausbereich wählen, sodass es 8 gewählte Ärzte aus jeder Region, also insgesamt 48 Mitglieder der Ärztekammer wären, die in ihrer nun gleichberechtigten Gemeinsamkeit erstmals wirklich die Ärzteschaft Sachsen-Anhalts repräsentieren würden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Walter Kraus
Halberstadt

Wir gratulieren im Oktober

rote Schlaufe

zum 60. Geburtstag

02. Oktober Dipl.-Med. Angela Pieper
Schönebeck (Elbe)
04. Oktober Dr. med. Dirk Koeppe
Magdeburg
04. Oktober Dr. med. Martina Rinke
Magdeburg
09. Oktober Dipl.-Med. Renate Wiehle
Merzien
13. Oktober Dr. med. Helga Stotmeister
Haldensleben

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II. Leserbrief zur Ärztekammerwahl 2016 (Auszug)

Leserbrief von Dr. Walter Kraus, Halberstadt, der sich auf seinen Leserbrief in der Juni-Ausgabe des Ärzteblattes Sachsen-Anhalt, S.41, bezieht und einen Auszug darstellt

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

es seien hier noch für eine Veränderung der Wahlordnung zur Kammerwahl, wenn sie denn gewollt wird, erste denkbare Vorschläge gemacht:

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Peter Wohlleben - Das Seelenleben der Tiere

Peter Wohlleben - Das Seelenleben der TiereLiebe, Trauer, Mitgefühl – erstaunliche Einblicke in eine verborgene Welt

Ludwig Verlag München 2016, ISBN 978-3-453-28082-3, in Leinen gebunden mit Schutzumschlag im Oktavformat, 239 Seiten, 19,99 €

Dumme Sau. Wie wird man seine Kinder los. Schnepfendreck. High Society. Die Überschriften zu den zahlreichen kurzen Kapiteln dieses sehr interessanten Buches lassen schon vermuten, dass hier kein trockenes biologisches Wissenschaftsstroh serviert wird.

Peter Wohlleben, der schreibende Forstmann, legt nach seinem Erfolg mit der viel beachteten Vorgängerpublikation „Das geheime Leben der Bäume“ von 2015 hier nun einen weiteren Beweis schriftstellerischen Könnens und empirischer Begabung vor. Er teilt die umfangreichen Beobachtungen an Tieren seiner Mitwelt mit. Letztere ist vor allem in einem Forsthausanwesen und einem kommunalen Forstbetrieb im linksrheinischen Mittelgebirge angesiedelt, denen er verantwortlich vorsteht.

Da er nach eigener Einschätzung von Kindheit an Tierliebhaber ist, kann er sich auf seine ständigen Mitbewohner bzw. Lebensgesellen beziehen, u. a. Pferde, Ziegen, Kaninchen, Hühner, Hunde. Frau und Kinder ziehen am gleichen Strang. Zudem bringt es seine Berufsausübung im Walde mit sich, dass er, vom Käfer im Laub bis zum Hirsch zwischen den alten Bäumen und ihren jüngeren Nachkommen, ständig Tieren begegnet, sichtbaren oder verborgenen, stillen oder kreischenden, trampelnden und schleichenden. Bei so vielen Begegnungen bleibt die Kontaktaufnahme zwischen Beobachter und Passanten nicht aus. Emotionen werden auf beiden Seiten spürbar. Der Mensch fühlt sich angesprochen und fragt sich, ob die kommunikativen Äußerungen seitens der Tiere nur auf Instinkten beruhten oder doch bewusstes Handeln seien. Er ist sich dabei schon im Klaren darüber, dass die deutliche Trauer, der angebotene Dank, die spürbare Liebe vielleicht nur einseitige Wahrnehmungen sind.

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Wir gratulieren im September

rote Schlaufe

zum 60. Geburtstag

01. September Dr. med. Ralf Gröger
Halle (Saale)
01. September Dipl.-Med. Dorothea Wehnert
Halle (Saale)
04. September Dr. med. Wolf-Rüdiger Guschall
Lostau
06. September Dr. med. Angela Bürger
Teuchern
07. September Dr. med. Frank Bölsche
Lostau

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