Hans-Dieter Göring: Der kranke Martin Luther

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Fortsetzung des Artikels aus Heft 10/2017 (Teil 2)

Am Bier schätzte Luther die Förderung des Nachtschlafes und leichter Morgenstühle sowie seine diuresefördernde Wirkung (13, 14).

Luther wurde, nachdem er Katharina von Bora am 13.6.1525 geheiratet hatte, fülliger. Sein Speiseplan wurde auch als „Gleitschiene zur Adipositas“ bezeichnet (13, 14). „Ich eße, was mir schmeckt und leide danach, was ich kann“, hieß es vielsagend in einer seiner Tischreden.

Es wird diskutiert, dass die seelische Verstimmung durch Luthers Obstipation und Hämorrhoidalleiden sowie den Roemheld-Komplex ab 1525 zu einer unerträglichen Verschärfung seines Tones in der Polemik gegenüber den aufständischen Bauern sowie in den Anti-Papst-Schmähschriften geführt habe und sich in anderen sprachlichen Entgleisungen, u. a. der Persiflage der Namen seiner Gegner geäußert haben könnte. So wurde Dr. Eck zu Dr. Dreck, Cochlaeus zu Kochlöffel und schließlich Rotzlöffel, Schwenckfeld zu Stenckfeld (10, 14). 1526 wurde der Reformator von einer schweren Nierenkolik mit Steinabgang heimgesucht. Den Behandlungsplan seiner Ärzte Dres. Schurff und Fendt ignorierte er, wie er auch in anderen Fällen ärztlichen Empfehlungen häufig skeptisch bis ablehnend gegenüberstand (14).

Am 1.1.1527 erlitt Luther eine Ohnmacht und wenige Tage später aus heutiger Sicht einen Angina pectoris-Anfall, der mit Aqua Cardui benedicti behandelt wurde. Die Herzattacken wiederholten sich bis zu Luthers Tod (3, 13, 14). Der Beginn einer weiteren schwerwiegenden Krankheit fällt mit einem Schwindelanfall und Ohrensausen, die Luther zwangen, eine Predigt abzubrechen, auf den 24. April 1527. Am 6. Juli kamen noch vegetative Reizerscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schweißausbrüche und eine Innenohrschwerhörigkeit hinzu. Das Bewusstsein blieb erhalten. Nach der Attacke fiel er in tiefen Schlaf.

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Rabattvertrag oder medizinischer Sachverstand?

Kommentar von Dr. Simone Heinmann-Meerz zum Leserbrief von Dr. Ilja Karl

Es ist falsch, Herrn Dr. Gosch beim Thema „Impfen“ Interessenkonflikte vorzuwerfen. Abgesehen davon, dass die Honorare für Schutzimpfungen in Sachsen-Anhalt zu den niedrigsten im Bundesvergleich zählen, wird die Verimpfung eines quadrivalenten, adjuvantierten oder lebendattenuierten Grippeimpfstoffes nicht höher vergütet als die eines trivalenten Rabattimpfstoffes. Die Honorierung von Schutzimpfungen ist im Übrigen nicht weniger seriös als die jeder anderen ärztlichen Leistung im Rahmen geltenden Rechts.

Die Forderung, begrenzter Ressourcen wegen nur wirksame Therapien, Präventionsmaßnahmen etc. zu erstatten, ist ganz sicher berechtigt, für die Impfmedizin jedoch im Lichte der Erstattung einer Vielzahl erwiesenermaßen nonevidenter Therapien durch die GKV fehlplatziert. Wenn wie in der Grippesaison 2015/16 eine Vielzahl der Erkrankungen durch die im trivalenten Impfstoff nicht enthaltende Influenza-B-Variante ausgelöst wird, ist die Nutzung einer trivalenten Grippevaccine im Sinne des §70 SGB V weder wirtschaftlich noch ausreichend, zweckmäßiger und notwendig. Mehr oder weniger ausgeprägte genetische Veränderungen der Influenzaviren führen in kurzer Zeit zur Entstehung angepasster Virusvarianten unterschiedlicher Kontagiosität in Abhängigkeit von der differenzierten Immunität einer Bevölkerung zu mehr oder weniger ausgeprägten Epidemien und seit Jahrhunderten in größeren Abständen zu Pandemien. Neben den beiden Influenza-A-Varianten H1N1 und H3N2 kozirkulieren in Deutschland seit 2001 die beiden Influenza-B-Varianten Yamagata und Victoria. Prävalenz, Kontagiosität, Morbidität und Mortalität sind dabei different und nicht voraussagbar. Kinder bis ungefähr zum 12. Lebensjahr weisen eine geringe Immunität besonders gegenüber Influenza-B-Viren auf, erkranken häufiger und schwerer. Die Influenza-Mortalität von Kindern ist B-lastig.

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Leserbrief: Zwischen Sozialrecht und Evidenz

Leserbrief von Dr. Ilja Karl zum Editorial von Herrn Dr. Gosch zum Thema  „AMVSG – keine Gültigkeit für die Kassen?“ im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt, Heft 10/17, S. 5

Gunther Gosch fordert in seinem Edi-torial im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 28 (2017) 10, sich nicht unter Druck setzen zu lassen und die Patienten mit alters- und risikogruppenangepassten Grippe­impfstoffen zu schützen. Aus-gangspunkt ist die bekannte Rabattpolitik der GKV, die mit dem Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz eigentlich ihr Ende gefunden haben sollte.

Herrn Gosch ist grundsätzlich in seiner Klage über das Verhalten gesetzlicher Krankenkassen zuzustimmen. Problematisch sind allerdings die Beispiele, mit denen der Mangel an Konsistenz und Integrität im Handeln der Kassen belegt werden soll. Vor dem Hintergrund begrenzter Ressourcen ist für die Erstattungsfähigkeit von Therapien, Präventionsmaßnahmen und Interventionen ein Wirksamkeitsnachweis zu fordern. Kann dieser nicht erbracht werden, besteht je nach Zulassungsstatus die Möglichkeit, bei entsprechenden Patientenpräferenzen solche Maßnahmen aus eigener Tasche zu finanzieren.

Belastbare Nachweise von Wirksamkeit existieren weder für tetravalente Grippeimpstoffe noch für lebendattenuierte oder für adjuvantierte Grippeimpfstoffe. Die vorhandene Evidenz ist dünn und erlaubt keine klare Empfehlung. Für lebendattenuierte Grippeimpfstoffe schreibt das Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt aufgrund eigener Untersuchungen: „Aus der Zusammenschau unserer Ergebnisse für die Saisons 2012/13 und 2015/16 kann die Empfehlung eines präferentiellen Einsatzes von LAIV oder TIV nicht abgeleitet werden.“
(https://verbraucherschutz.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MS/LAV_Verbraucherschutz/hygiene/influenza/Effektivitaet_der_Influenzaimpfstoffe_2015-16.pdf)

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Heiner Lück: Der Sachsenspiegel

Cover: Verlag

Das berühmteste deutsche Rechtsbuch des Mittelalters

Lambert Schneider Verlag/Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2017,
ISBN 978-3-650-40186-1, Leinen geb. im Quartformat, 176 S., reich farbig illustr., 49,95 €

Mit dem Begriff „Sachsenspiegel“ assoziiert man bunte Bilderreihen mit handelnden Personen, locker gekleidet, langhaarig und mit würdevoller Gestik, mit seltsamen Instrumenten, häufig auch Waffen ausgestattet, mehr oder weniger steif aber heftig kommunizierend. Dabei sind diese Bilder nur, wenn auch wesentliche Teile des berühmten Buches aus dem Mittelalter, aus dem die Rechtsprechung ab seinem Erscheinen einigermaßen zuverlässig ihr gesellschaftlich wichtiges Handeln schöpfen und reproduzieren konnte. Es waren schließlich sämtlich Laien unterschiedlichsten Standes, die zu Gericht saßen in den Angelegenheiten des Landrechts und des Lehnrechts.

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MusikTheaterStadt HETEROTOPIA

MusikTheaterStadt Heterotopia
MusikTheaterStadt Heterotopia

Zum letzten Mal im Traditionsbau der Oper Halle

Zu Beginn der neuen Spielzeit vom 29. September bis 15. Oktober 2017 öffnet im prächtigen Traditionsbau der Oper Halle zum letzten Mal die zum Kult gewordene MusikTheaterStadt HETEROTOPIA wieder ihre Tore. Bühnenbildner Sebastian Hannak hatte dafür eine Bühneninstallation entworfen, in der die Zuschauer den Raum der Oper bei allen Projekten jeweils aus anderen Perspektiven erleben können. Die Raumbühnenlandschaft erstreckt sich vom überbauten Parkett über die Hauptbühne bis in die entlegensten Winkel der Hinter- und Seitenbühne. In HETEROTOPIA verschränken sich Zuschauerraum und Spielfläche, der Betrachter sitzt mitten im dramatischen Geschehen und erlebt die Aufführungen um sich herum so unmittelbar, dass ein einzigartiges Raum-Klang-Erlebnis möglich wird. Die Raumbühnen-Produktionen Der fliegende Holländer, Groovin’ Bodies und Wut können innerhalb kurzer Zeit nochmal erlebt werden, im Oktober hat mit Spiel im Sand eine weitere Neuproduktion Premiere.

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