Sehen mit geschlossenen Augen - Jawlensky/Rouault

Prinzessin Turandot
Abb. 1: Alexej von Jawlensky: Prinzessin Turandot, 1912, Zentrum Paul Klee, Bern, Leihgabe aus Privat, Foto: Foto-Studio Endrik Lerch

Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) 19. März – 25. Juni 2017

Dem Kunstmuseum Moritzburg in Halle ist mit der aktuellen Ausstellung “Sehen mit geschlossenen Augen“ wieder ein großer Wurf gelungen. Zwei Meister der Moderne sind zu sehen, die so in Deutschland wohl noch nie gezeigt wurden. Erstaunlich, dass beide, obwohl zu den ganz Großen gehörig, hierzulande nicht übermäßig bekannt sind, der Franzose Georges Rouault und Alexej von Jawlensky, ein Deutsch-Russe.

Die Moritzburg war vor der unseligen Kulturpolitik des Dritten Reiches im Besitz einer stattlichen Sammlung moderner Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. In den letzten Jahren gab es erfreuliche Bemühungen, diesen Verlust mit einer klugen Ausstellungspolitik etwas auszugleichen. Damit bot sich Gelegenheit, derartige Kunstwerke in Halle zu sehen, die im Osten aufgewachsene Menschen nur als Reproduktionen kannten. Es ist schön, dass es weiter geht, diesmal „Sehen mit geschlossenen Augen“. Dass derartige Ausstellungen viel Mühe machen und einer jahrelangen Vorarbeit bedürfen, ist dem Normal-Besucher oft nicht bewusst. Vier Jahre waren nötig, um 119 Bilder von 40 verschiedenen Kunstsammlungen (Deutschland, Schweiz, Italien, Frankreich) in Halle zu vereinen. Thomas Bauer-Friedrich, dem Direktor des Kunstmuseums, und seinen Mitarbeitern sei dafür gedankt.

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Bruno Preisendörfer - Als unser Deutsch erfunden wurde

Bruno Preisendörfer - Als unser Deutsch erfunden wurde
Verlag Galiani, Berlin 2016, 9. Aufl. 2017, ISBN 978-3-86971-126-3, Hardcover mit Schutzumschl., Oktavformat, 472 Seiten mit 7 Abbildungen, 24,99 €

Reise in die Lutherzeit

„Schon im Paradies wurde Deutsch gesprochen.“ Das soll in einer anonymen Colmarer Handschrift behauptet worden sein. Leider wird das von Bruno Preisendörfer auch nur behauptet. Schade! Denn das vorliegende Werk stützt sich in seinem umfangreichen Anhang ansonsten auf eine große Anzahl belastbarer Quellen für die 13 Kapitel, deren Themenkomplexe von der Weltlage und den deutschen Beschwernissen bis zu Alter, Tod und Auferstehung reichen.

Einem möglichen Missverständnis aus dem Buchtitel sei gleich die Spitze genommen. Das Buch handelt vordergründig nicht von der Erfindung unserer Muttersprache, an deren Formung Martin Luther allerdings seinen Anteil hatte. Er selbst, der geborene Luder, sprach aus heutiger Sicht das Frühneuhochdeutsch. Auf das Sprechen soll es dem „Abkanzler“ mehr angekommen sein als auf das Schreiben. Dem kam aber die Erfindung des Buchdrucks in die Quere, die eine flutartige Verbreitung der vielfältig gedruckten Schriften ermöglichte und mit ihnen der Sprache, nach Sebastian Brant das Dummdeutsche und nach dem Humanisten Conrad Celtis eine Barbarensprache.

Nein, es geht in diesem Buch um Land und Leute, Brauch und Sitte, Essen und Trinken, Reden und Schweigen zu Lebzeiten Luthers, mit und ohne ihn. Das ist der Stoff der Texte des freischaffenden Publizisten und Journalisten Bruno Preisendörfer, mit dem besonderen Blick für Historisches. Einen originalen Luthertext zu lesen heißt für den modernen Zeitgenossen noch lange nicht, ihn auch zu verstehen. Natürlich erregte die gedruckte Lutherbibel ab 1522 viel Aufmerksamkeit. Die auf der Wartburg entstandene Übersetzung galt nur dem Neuen Testament. Erst 1534 erschien die erste „Vollbibel“. Sie stützte sich allerdings auf Vorarbeiten anderer Übersetzer, war lt. Buchautor jedoch „brutal poetisch“, nach Luther vom Heiligen Geist erfüllt und von satanischen Blähungen begleitet.

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Wir gratulieren im Juni und Juli

rote Schlaufe

zum 60. Geburtstag

03. Juni Dr. med. Angelika Schaulat
Magdeburg
04. Juni Dipl.-Med. Sieglind Brand
Quedlinburg
05. Juni Dr. med. Thomas Büchel
Lutherstadt Eisleben
09. Juni Dipl.-Med. Angelika Schönijahn
Havelberg
10. Juni Prof. Dr. med. Thomas Wertgen
Havelberg

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Seht, da ist der Mensch – Kunstausstellung zum Reformationsjubiläum 2017 23. Mai bis 5. November 2017

im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg

Mit SEHT, da ist DER MENSCH zeigt das Kunstmuseum Magdeburg anlässlich des 500. Reformationsjubiläums 2017 eine umfangreiche Ausstellung zeitgenössischer Kunst, deren Fokus auf das Bild des Menschen in unserer Zeit gerichtet ist.

Die Visualisierung menschlicher Existenz ist in der Gegenwart Zeugnis einer intensiven Auseinandersetzung mit dem neuen Bild des Menschen, wie es seit der Reformation Verbreitung gefunden hat. Gerade vor dem Hintergrund der Migrations- und Flüchtlingsdebatte, von überregionalen Kriegen und weltweiten Krisen-szenarien gewinnt die Frage nach dem Verbindenden im Menschenbild der unterschiedlichen Religionen und Kulturen, die Frage nach dem Menschen an sich, eine neue Dimension. Dazu gehören Facetten seines Wesens, zu dem Verletzlichkeit, Brutalität, Neugier, Verzweiflung, Mut oder Nächstenliebe gehören. Es gibt aber auch das Unbewusste, Unaussprechliche, Geheimnisvolle der Existenz.
Die Auswahl der ausgestellten Werke schlägt einen weiten geografischen Bogen von Südamerika über Europa bis nach Afrika. Da sind Elizabeth Peytons kleinformatige sensible Portraits in Aquarell oder Öl, die sie aus einem medialen Universum von Prominenten, Musikern, Künstlern und Freunden auswählt oder die gleichsam entrückt wirkenden Portraitfotografien Jitka Hanzlovás sowie die Portraitserie von Hans-Wulf Kunze, die das Fragile der Jugendlichen am Übergang zum Erwachsenwerden zeigt.

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Alfred Grosser – Le Mensch

Alfred Grosser - Le MenschDie Ethik der Identitäten

Dietz Verlag, 2. Auflage Berlin 2017, ISBN 978-3-8012-0499--0, gebunden im
Oktavformat, mit Schutzumschlag, 282 Seiten, 24,90 €

Warum nicht „Der Mensch“? fragt man sich bei der Wahrnehmung des etwas befremdlichen, gar nicht unsympathischen Buchtitels auf der Frontseite dieser Neuauflage. Und schon ist Neugier geweckt. Sicher war dies eine Absicht des Autors, eines französischen Intellektuellen, Soziologen, Politologen, Familienoberhauptes mit deutscher Vergangenheit und jüdischer Herkunft incl. Schicksal. Man kennt seine etwas listig-verschmitzten Züge aus zahlreichen öffentlichen Auftritten, häufig streitbar, nicht selten umstritten. Sein Vater war Kinderarzt, Sozialdemokrat und Freimaurer. Er selbst bekennt sich zum Atheismus, dem Christentum nahe stehend. Seine Frau, mit der er nach eigener Einschätzung nach einem halben Jahrhundert Ehe immer noch im Honigmond lebe, ist gläubige Katholikin. Wenn sich also jemand der zahlreichen Identitäten seiner Lebenswelt bewusst ist, so Alfred Grosser. Er weiß, dass er als Fahrradfahrer ein anderer ist als der Autolenker in gleicher Person. Zu seinen Identitäten zählt er, nie eine demagogische Rede zu halten, sich nicht an die Instinkte seiner Zuhörer zu wenden und nur der Vernunft verpflichtet zu sein. Er benutzt den Terminus „mein Vaterland“ ohne Scheu für Frankreich, der in Frankfurt a. Main Geborene. Seine Biografie liefert die Logik für eine solche Liebe.

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