ALICIA PAZ The Garden of Follies - Der Garten der Torheiten

Alicia Paz, Madame Butterfly, 2013
Alicia Paz, Madame Butterfly, 2013

29. November 2015 – 6. März 2016
Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen

Die sich im „Garten der Torheiten“ abspielenden Paradoxien und Scheinwelten verheimlichen nicht, dass sie durch den Zusammenprall von kunsthistorischen Referenzen und Bildern des Alltags entstanden sind. Alicia Paz’ rätselhafte Frauenfiguren entwickeln daraus eine Melange von Stilmitteln und Motivfragmenten, ein Rollenspiel mit schillernden Identitäten.

Von einem Rausch sinnlicher Exotik eingehüllt, besitzen die Frauen ein multiples Wesen, das es ihnen erlaubt, die Seiten zu wechseln, sich unterschiedlichen Situationen anzupassen. Sie umkreisen übermütig das Leben und treiben Versteckspiel, immer an der Grenze zwischen Illusion und Abgrund. Es ist nicht ablesbar, ob sie in dieses Rollenspiel gezwungen wurden oder auf einem Jahrmarkt der Eitelkeiten ihren Schabernack mit uns treiben. Das Kunstmuseum Magdeburg zeigt in Zusammenarbeit mit der Galerie Dukan (Paris und Leipzig) Alicia Paz’ erste Museumsausstellung in Deutschland. Zahlreiche Werke stammen aus verschiedenen staatlichen und privaten Sammlungen in Frankreich, der Schweiz und Großbritannien. Neben Gemälden und Papierreliefs zeigt Alicia Paz erstmals auch ihre skulpturalen Cut-outs in einer umfassenderen Zusammenschau. Zur Ausstellung erscheint ein zweisprachiger Katalog.

Alicia Paz (geb. 1967) ist in Mexiko aufgewachsen und hat in Kalifornien, Paris und London studiert. Sie lebt in London.

www.aliciapaz.co.uk
www.kunstmuseum-magdeburg.de
www.galeriedukan.com

| Pi Kunstmuseum
Kloster unser Lieben Frauen

K.-R. Otto u. H. F. Späte - Leben nehmen

K.-R. Otto u. H. F. Späte - Leben nehmen Verführung zum Leben — Gedanken zur Suizidverhütung

Verlag Ille & Riemer, Leipzig/Weißenfels 2015, Bd. 12 der illri Bibliothek Wissenschaft,
ISBN 978-3-95420-008-5, Taschenbuch 21 x 14,5 cm, 181 Seiten, 19,80 €

„Betrachtung der Suizidalität als Kommunikationsform in der Sehnsucht nach einem anderen Leben.“ So kennzeichnet ein Werbetext diese Neuerscheinung mit dem ambivalenten Ausdruck im Titel. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird darunter an erster Stelle die mehr oder weniger gewaltsame Beendigung eines menschlichen Lebens durch dritte Hand zu verstehen sein, in der reflexiven Form jedoch der Suizid.

Die beiden Autoren, über weite Strecken ihrer Biographien mindestens fachlich-beruflich verbundene Psychiater mit mittelöstlichem Werdegang (Thüringen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt) möchten diesen Haupttitel „Leben nehmen“ ihres gemeinsam verantworteten Buches (auch als ePUB und ePDF auf dem Markt) jedoch so verstanden wissen, das Leben nicht wegzuwerfen sondern danach zu greifen, es zu nehmen. Unter solcher Prämisse bekommt das bunte Coverbild seinen Sinn.

Weiterlesen ...

Moderne in der Werkstatt - 100 Jahre Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

DIE BURG in Halle ist eigentlich keine Burg, sondern eine Kunsthochschule. „Burg“ deshalb, weil sie in einer Burg, der Burg Giebichenstein, beheimatet ist. Im soeben vergangenen Jahr wurde sie 100 Jahre alt. Dieses Jubiläum nahm die zweite Burg in Halle, das Kunstmuseum Moritzburg, zum Anlass, ihre Kunstschwester mit einer Ausstellung „MODERNE in der WERKSTATT“ zu ehren. Schön, dass die beiden Kunstburgen zusammenhalten, schön auch für die Stadt, die ihr Image als „Diva in Grau“ mit ihrem hohen Kulturangebot aufbessern kann. Die aktuelle Ausstellung mit dem sonderbaren Titel, der eher an eine Reparaturwerkstatt für die Moderne erinnert, hat sich eine Reflektion der Geschichte der BURG mit ihren Idealen und Ideen zur Aufgabe gemacht, wie der Rektor der Hochschule Dieter Hofmann in seinem Katalogvorwort schreibt. Das fordert auch den Besucher. Ihn erwartet eine Ausstellung, die von der üblichen Form einer Kunstausstellung abweicht. Er sollte Zeit mitbringen; bloßes Anschauen genügt nicht. Man muss sich auf die Ausstellung einlassen, um reich beschenkt nach Hause zu gehen.

Weiterlesen ...

Eine erfolgreiche Lungenoperation bei Thomas Mann vor 70 Jahren und ihre Bedeutung für die Kultur Mitteldeutschlands

Im Mai des Jahres 1946 unterbrach Thomas Mann (1875-1955) die Arbeit an seinem neuen Roman „Dr. Faustus“, da er sich einer schweren Operation unterziehen musste. Er hatte sich seit einigen Jahren damit beschäftigt, war jedoch vor der Ausführung dieses Unternehmens lange zurückgeschreckt, weil er es immer als sein letztes betrachtet hatte.

Als sich jedoch die Niederlage des Hitler-Deutschlands abzeichnete, suchte er den aus dem Jahre 1901 stammenden „Drei-Zeilen-Plan“ heraus. Darin hatte er die Idee zu einer Novelle skizziert, in deren Mittelpunkt der symbolische „Teufelspakt“ eines Künstlers stehen sollte.

Am 23. Mai 1943 begann Thomas Mann mit der Niederschrift dieses Buches, in dem er das Schicksal seines Titelhelden, des „Tonsetzers Adrian Leverkühn“, der dem Teufel verfällt, symbolisch mit dem Weg Deutschlands in die Katastrophe des Nationalsozialismus verbindet. Dabei stellte der Autor einen Kontext mit der deutschen Geistesgeschichte und dem eigenen Leben her. So entstand ein Bekenntnisbuch, in dem er sich nicht nur mit dem Versagen der deutschen Eliten im „Dritten Reich“, sondern auch mit sich selbst kritisch auseinandersetzte. Dass Thomas Mann im Zusammenhang mit dem „Dr. Faustus“ das Schillerwort „und setzet ihr nicht das Leben ein, nie wird das Leben gewonnen sein“ häufig zitierte, zeigt, wie ernst es ihm damit war. Da verwundert es nicht, dass sich bei dem Autor Arbeitshemmungen in Form von Katarrhen und Magenverstimmungen einstellten. Im Jahr 1946 entwickelte sich bei Thomas Mann aber eine lebensgefährliche Krankheit.

Weiterlesen ...