Quirkologie - Die wissenschaftliche Erforschung unseres Alltags

Richard Wiseman - QuirkologieRichard Wiseman (Aus dem Englischen von Sebastian Vogel)

Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 2011 (2. Auflage), ISBN 978-3-596-17483-6,
Taschenbuch, 303 Seiten, 12 Abbildungen (schwarz/weiß), 8,95 €

Seltsame Aspekte unseres Alltagserlebens mit wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen – darum geht es dem Autor in diesem Buch, dessen Titel selbst seltsam klingt. Um Psychologie geht es, um individuelle und gesellschaftliche Verhaltensweisen scheinbar banalen Charakters, versehen mit einer schrulligen Überschrift, abgeleitet von quirk (engl. f. Macke, Schrulle, Marotte).

Richard Wiseman ist Professor für Public Understanding an der Universität der englischen Grafschaft Hertfordshire nahe London. Er ist ein prominenter Wissensvermittler und startete sein Erwerbsleben als Illusionist, Zauberkünstler also. Er hat das besondere Organisationstalent, Tausende auf der ganzen Welt zu Probanden seiner aufschlussreichen Experimente zu machen. Einige solcher Untersuchungsergebnisse bilden die Substanz seines Buches. Er tut das in den Kapiteln 1 – 6, einer Einleitung und einem Epilog, wortreich und mit publizistischem Geschick. Er spricht über die neue Wissenschaft der Chronopsychologie, über die Psychologie von Lüge und Täuschung, über die Psychologie der Grauzone, über die seltsame Wissenschaft der Entscheidungsfindung, über Untersuchungen zur Psychologie des Humors und über die Psychologie des Helfens und Verhinderns. Unter diesen Überschriften plaudert er munter drauflos. Die im Inhaltsverzeichnis bei den Kapiteln formulierten Hinweise tauchen im Text nicht mehr auf. Die im Text zu lesenden Zwischenüberschriften dagegen sind nicht Gegenstand des Inhaltsverzeichnisses. Man sollte schon hineinsehen, zumal es auch kein Sachregister oder Stichwortverzeichnis gibt. Ganz am Anfang lehrt er Lesende mit einem kleinen Fingerzeichentrick die ganz individuelle Form des Q-Tests. Längere Zitate oder literarische Passagen werden in kursivem Schriftsatz und Blockeinzug hervorgehoben. Das ist hilfreich, da man dann nicht Gefahr läuft, im Schwall des Geschriebenen Wesentliches zu verpassen.

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Wir gratulieren im April

rote Schlaufe

zum 60. Geburtstag

01. April Dr. med. Christine Ochs
Halle (Saale)
05. April Dipl.-Med. Angelika Rietenbach
Glindenberg
06. April Dr. med. Gabriele Richter
Elbingerode (Harz)
06. April Dipl.-Med. Beate Gauch
Aschersleben
06. April Dipl.-Med. Dietlind Kröber
Halle (Saale)

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In Memoriam zum 100. Geburtstag von Dr. Gerhard Heede (1916 – 1994)

Abb. 1: Dr. Gerhard Heede mit seiner Frau Agathe (geb. Ruffing, 1919-1993), April 1988 (mit freundlicher Genehmigung von Familie Honigmann)
Abb. 1: Dr. Gerhard Heede mit seiner Frau Agathe (geb. Ruffing, 1919-1993), April 1988 (mit freundlicher Genehmigung von Familie Honigmann)

Am 3. März 2016 wäre der weit über die Grenzen des Mansfelder Landes bekannte Praktische Arzt Dr. Gerhard Heede aus Hergisdorf bei Eisleben 100 Jahre alt geworden.

Heede wurde 1916 in Petrograd (heute St. Petersburg) geboren und kam mit seiner Familie nach Eisleben, wo er das Abitur ablegte. Ein Studium an der Martin-Luther-Universität in Halle sollte 1938 folgen. Die Wahl zwischen Medizin und Chemie/Physik fiel ihm nicht leicht. Er entschied sich zunächst gegen die Medizin. Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde das Studium jedoch unterbrochen und Gerhard Heede wurde eingezogen. Den Krieg überlebte er glücklicherweise mit einer Schussverletzung an der Hand.

Nach dem Krieg entschloss er sich Humanmedizin zu studieren und schrieb sich hierzu im Wintersemester 1946 in Göttingen ein. Naturwissenschaftlich interessiert war er dort nebenher Gasthörer u. a. bei Otto Hahn, Max Planck, Max v. Laue und Carl Friedrich von Weizsäcker.

Noch vor dem Ende seines Studiums schloss er in der Pharmakologie seine Promotion im Jahr 1951 ab. Das Thema lautete: „Analyse der Beeinflussung der Hautsinnesorgane durch Antihistaminika und Lokalanästhetika“.

Ein Angebot vom Internisten und Radiologen Professor Gerhard Heidelmann, in die Angiologie der Universität Halle zu wechseln, lehnte Heede 1953 ab. Ebenso die damit verbundene universitäre Laufbahn, wie er mir später mehrfach in Gesprächen mitteilte. Stattdessen übernahm er 1955 die Praxis seines Schwiegervaters Dr. Albert Ruffing, eines im Mansfelder Land sehr geachteten Praktischen Arztes, der seit 1908 in Hergisdorf praktizierte.

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200 Jahre Stethoskop – eine Betrachtung über das Lernen und Verlernen.

Foto: Repro aus „Diego Rivera, Sus Frescos, Mexico, D. F. 1946“
Foto: Repro aus „Diego Rivera, Sus Frescos, Mexico, D. F. 1946“

Der aus der Bretagne stammende Arzt Theophile Hyacinthe Laënnec (12.02.1781 – 13.08.1826) berichtete 1816: „... wurde ich wegen einer jungen Person zu Rathe gezogen*, bei der sich allgemeine Symptome einer Herzkrankheit zeigten, und bei welcher das Auflegen der Hand und die Perkussion wegen der Körperfülle wenig Erfolg hatten. Da mir das Alter und das Geschlecht die in Rede stehende Untersuchungsweise (Auflegen des Ohres auf den Körper des Kranken, D. S.) verboten, so fiel mir eine sehr bekannte akustische Erscheinung ein, wenn man nämlich das Ohr an das Ende eines Balkens legte, so hört man deutlich einen am anderen Ende angebrachten Nagelschlag**: Es schien mir, dass man vielleicht in diesem Falle von dieser Eigenschaft des Körpers Nutzen ziehen könnte. Ich nahm einen Bogen Papier, rollte ihn fest zusammen, setzte das eine Ende auf die Präkordialgegend, legte das Ohr an das andere, und hört zu meinem Erstaunen und zu meiner Freude die Herzschläge weit reiner und deutlicher, als ich sie jemals beim unmittelbaren Auflegen vernommen hatte …“ (Zitat nach Übersetzung von Fr. Ludw. Meissner, Leipzig 1839, S. 5/6). Nach dieser Erfahrung beschäftigte sich Laënnec systematisch mit der von ihm als „mittelbare“ Auskultation benannten Methode.

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Auswahl und Zusammenstellung Frank Schumann - Luther to go

Cover Luther to goEin trefflich Wort von Martin Luther

Verlag Neues Leben Berlin 2016, ISBN 978-3-355-01841-8,
Broschur im Sedezformat, 93 Seiten, € 7,-

„Tritt frisch auf! Tu's Maul auf! Hör bald auf!“ oder „Bier ist Menschenwerk, Wein aber ist von Gott“. Ja, so stellt man sich den großen Reformator Martin Luther außerhalb der Theologie vor, nach der Lektüre dieses schlicht aufgemachten Taschenbüchleins im Postkartenformat.
Der Verlag bietet hier ein Sammelsurium von Sprüchen, Textpassagen und Thesen dieses unseres vormaligen Landsmannes. Die inhaltliche Struktur ist in Kapitelüberschriften sortiert, sämtlich eingeleitet mit der Wortfolge Warum man..., und zwar: ...einen Arsch in der Hose haben soll; ...tolerant sein soll; ......das Leben genießen soll; ...nicht der Werbung folgen soll; ...Sex haben soll; ...kritisch und selbstkritisch sein soll; ...deutsch reden soll; ...nicht Päpsten und Prälaten folgen soll; ...der elenden deutschen Nation helfen soll; ...wahre Reue und Zerknirschung suchen soll. Unter letzterem Titel finden sich die 95 Thesen, deren erste von der Buße und die letzte von der Trübsal spricht, in lesbarer und annähernd verstehbarer Form. Ansonsten kann man trotz vorangestellten Inhaltsverzeichnisses nichts Konkretes suchen, wohl aber viel Ersprießliches finden. An die dem Frühhochdeutschen ähnelnde Kunstsprache gewöhnt man sich bald – sie schafft Atmosphäre. Die Lutherforschung wird monieren, dass nicht jeder der hier zitierten populären Sprüche, der dem Wittenberger aus dem Mansfeldischen zugeschrieben wird, auch von ihm stammt. Darunter fällt z. B. das Pflanzen eines Apfelbäumchens kurz vor Weltuntergang oder dass ein Narr bleibe sein Leben lang, der nicht liebt Wein, Weib und Gesang. Den wahren Luther stellt diese Sammlung sowieso nicht vollständig dar. Litt er doch in seinem Leben, trotz aller Vitalität, an schweren und schmerzhaften Krankheiten und Zuständen, so dass er im vergleichsweisen Alter eines heutigen Frührentners feststellte: Ich habe genug gelebt. Das steht aber nicht drin.

Die Aufmachung des Buches ist schlicht und trotzdem ansehnlich mit seinen wechselnden Schriftschnitten und den trennenden schwarzen Seiten. Quellenangaben sucht man vergebens. Sie wären bei der Lektüre wahrscheinlich nur hinderlich, so wie das Buch selbst wohl kaum eine ernst zu nehmende Quelle für die wissenschaftliche Arbeit sein dürfte. Das Büchlein eignet sich trotzdem als anregender Begleiter für unverhoffte oder absehbare Wartezeiten im Nah- und Fernverkehr oder bei ähnlichen Gelegenheiten.

F. T. A. Erle, Magdeburg