Leserbrief: Das internistische Jahr 2017

Leserbrief von Prof. Dr. Frank P. Meyer zum Artikel „Das internistische Jahr 2017 – Die wichtigsten Fortschritte und Entwicklungen“ im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 4/2018, S. 17ff.

Sehr geehrte Frau Dr. Heinemann-Meerz,

die internistischen Jahresrückblicke sind immer wieder interessant und lesenswert, weil vieles auch für den Nicht-Spezialisten auf den Punkt gebracht wird. Der Teufel steckt natürlich – wie immer – im Detail. Ich möchte mich auf die FOURIER-Studie beziehen, in der der PCSK-9 Hemmer Evolocumab (Repatha®) bei kardiovaskulären Hochrisikopatienten gegen Placebo getestet wurde. Im Text (Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 2018; 29/4: 17-18) steht, dass der primäre Endpunkt (kardiovaskulärer Tod, Myocardinfarkt, Schlaganfall, Hospitalisation wegen instabiler Angina pectoris oder koronare Revaskularisation) nach 3 Jahren von 11,3 % auf 9,8 % gesenkt wurde.

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Ideale. Moderne Kunst seit Winckelmanns Antike

Georg Scholz: Weiblicher Akt mit Gipskopf, 1927, Ölfarbe auf Leinwand, 65,5 x 55 cm, Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe,  Foto: bpk/Staatliche Kunsthalle Karlsruhe/Annette Fischer/Heike Kohler
Georg Scholz: Weiblicher Akt mit Gipskopf, 1927, Ölfarbe auf Leinwand, 65,5 x 55 cm, Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Foto: bpk/Staatliche Kunsthalle Karlsruhe/Annette Fischer/Heike Kohler

Ausstellung im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) vom 18. März bis 10. Juni 2018

Johann Joachim Winckelmann. Nicht jedem wird dieser Name etwas sagen. Doch daran werden auch die beiden Jubiläen, 300. Geburtstag am 9.12.2017 und 250. Todestag am 8.6.2018, wenig ändern. Obwohl es eine größere Anzahl von Veranstaltungen gab und in diesem Jahr noch geben wird, konnte bisher keine große Öffentlichkeit erreicht werden.

Umso lobenswerter ist, dass jetzt das Kunstmuseum Moritzburg dem in Stendal geborenen Winckelmann, dem Begründer der wissenschaftlichen Archäologie und Kunstgeschichte und einem der wichtigsten Vertreter des Klassizismus, eine sehenswerte Ausstellung widmet. Eine Ausstellung, die der Frage nachgeht, wie haben die Ideen und Schriften Winckelmanns die nachfolgenden Künstlergenerationen beeinflusst. Dieses Vorhaben wäre, wenn allumfassend, nicht zu schultern, denn der Einfluss der Klassik auf unsere Kultur war und ist wohl immer noch sehr vielschichtig.

Eine Ausstellung, wie jetzt in der Moritzburg, kann sich deshalb nur auf einzelne Beispiele beschränken. Doch diese Auswahl aus eigenen Beständen und Leihgaben der Martin-Luther-Universität (Archäologisches Museum) sowie hochkarätige Leihgaben anderer Museen ist gut getroffen. Ebenso interessant zeigt sich die Präsentation, die nicht das einzelne Kunstwerk in den Mittelpunkt stellt, sondern den gesamten Raum einbezieht und zu einem einzigen großen Kunstwerk werden lässt.

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Rüdiger Schultka: Die Meckelschen Sammlungen

Rüdiger Schultka: Die Meckelschen Sammlungen
Rüdiger Schultka: Die Meckelschen Sammlungen (Cover: Verlag)

Entstehung, Werdegang, Schicksal, Präparate der Anatomischen Sammlungen zu Halle (Saale)

Verlag Janos Stekovics, Wettin-Löbejün 2017, ISBN 978-3-89923-376-6, gebunden mit Schutzumschlag im Großoktavformat, 591 Seiten reich illustriert, 49,80 €

„Anatomia clavis et clavus medicinae“. So steht es in Stein gehauen über Portalen von Anatomiegebäuden. Das ist ein hoher Anspruch, nämlich Schlüssel und Steuerruder zu sein für die Heilkunde. Und so ist es nicht verwunderlich, dass dieser Ausfluss aufklärerischen Denkens gerade an der Universität in Halle seine Spuren hinterlassen hat, z. B. in Form der anatomischen Sammlungen, deren Bedeutung u. a. anno 2015 mit dem Eintrag in die Liste national wertvoller Kulturgüter unterstrichen wurde – auch ein Art der Meißelung in den Stein der Geschichte. Etwas verblüfft fragt man sich aber, was Herausgeber und Verlag veranlasste, 2017 ein weiteres Buch zu den Meckelschen Sammlungen in Halle auf den Markt zu bringen, wo doch schon 2013 der schöne Bildband „Das vorzüglichste Cabinett“ unter der Ägide Rüdiger Schultkas erschienen war (s. Rez. F. Paulsen 2013 im DÄB 2013 und B. Fischer im ÄBST 2014). Was unterscheidet die beiden Bücher? Nur das äußere Format? Es war den Herausgebern offensichtlich ein Anliegen, nicht nur durch hervorragende Gestaltungs- und Fertigungstechnik zu überzeugen, sondern jetzt mehr die Hintergründe und die Verwurzelung in der Tradition der MLU und ihrer Vorgängerinnen heraus zu arbeiten. Insbesondere sollten die am Gesamtkunstwerk der Sammlungen Schaffenden mehr gewürdigt bzw. überhaupt bekanntgemacht werden.

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Im Westen/Osten nichts Neues?!

Das folgende Vorwort diente der Eröffnung einer Tagung am 01. November 1997 zum Thema „Medizin und Antisemitismus“
in Frankfurt/M.*

Die wechselvolle Geschichte in Deutschland in diesem Jahrhundert hat zwangsläufig zu kurzen geschichtlichen Abschnitten von Gegenwart und Vergangenheit geführt.

Ohne abschließend notwendige Lehren aus der Vergangenheit gezogen zu haben, sind so die nächsten Fehler schon begangen und es wird auch schnell vergessen und verdrängt. Wenn wir heute im Alltag von Vergangenheitsbewältigung sprechen, so meinen die einen das sogenannte „Dritte Reich“ und die anderen die ehemalige DDR. Dieses liegt auch darin begründet, dass man aus der Geschichte gelernt hat und mit der Analyse und Bewertung ärztlicher Tätigkeit in der DDR wesentlich früher nach der Wende begonnen hat.

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Peter Stosiek: Tollwut

Geschichte und Geschichten

Peter Stosiek: Tollwut
(Cover: Verlag)

Radius Verlag Stuttgart 2017, ISBN 978-3-87173-345-1, Broschur 20,5 cm x 12,5 cm, 102 Seiten, € 12,-

Es stammt aus dem Fundus der Erinnerungen an ein Leben als Flüchtling aus Schlesien, als Medizinstudent in Halle und als werktätiger Arzt in der DDR, was der Autor da dem Vergessen zu entreißen versucht. Von weiter als vergangen, von tiefer als verdrängt, heißt es in der lyrischen Einleitung des Bandes mit seinen fünfzehn Kurzgeschichten. Sie stehen in chronologischer Reihenfolge. Ihr roter Faden ist ethischer Natur mit christlichem Hintergrund.

Der Buchtitel „Tollwut“ bezieht sich auf eines der spektakulären Erlebnisse im ärztlichen Alltag, dient hier als Titelblickfänger. Diese Geschichten schöp­­fen aus zwischenmenschlichen Beziehungen und besonderen Vor­­komm­nissen. Die berufliche Anamnese Stosieks spielt sich im Wesentlichen an den Erlebnisorten Görlitz, Halle, Schwerin und Cottbus ab, abschließend noch kurz im legendären Jerewan. Er ist Medizinstudent mit politischen Hindernissen, wird danach an der Universität Halle als Mitarbeiter nicht gelitten und absolviert anderenorts seine Weiterbildung zum Internisten und Pathologen, lehrt, forscht und behandelt. Im Unterschied zu vielen seiner Berufskollegen sammelt er Erlebnisse und schreibt sie auf. Seine kurzen Geschichten reichen über 4-9 Seiten, knapp überschrieben mit einem Begriff zum Inhalt nach dem Motto: Meist genügt ein Name.

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