Leserbrief von Dr. Elisabeth Kühne zum Aufruf der Ärztekammer zur Teilnahme an der landesweiten Demonstration gegen die Kürzungspläne der Landesregierung am 3. Juli 2013 und zum Editorial der Kammerpräsidentin im Ärzteblatt SA 24 (2013)6/7, S.5

Hochverehrte Präsidentin,
sehr geehrte Kollegin
Heinemann-Meerz,

selbstverständlich muss dieses und noch vielmehr in Sachsen-Anhalt, einer der historisch kultur- und bildungsreichsten Regionen Deutschlands getan werden!!!!

Thema Kürzungspläne der  LandesregierungHier entstand in jüngster Zeit ab 1500 (Zeit der Inquisition lief noch massiv in Deutschland!) wertvolles Gedankengut einer menschlichen aufgeklärten kultur- und bildungs- und wissenschaftlich geprägten Gesellschaft.
Die Frage im Ärzteblatt der Kammer müsste nicht lauten: „Sind die Universitäten noch zu retten?” Cave Geschmäckle „Bist du noch zu retten??- Was machst du da eigentlich noch??” sondern: Können wir uns noch die theologischen Lehrstühle an der höchsten wissenschaftlichen Bildungseinrichtung der Länder leisten? Sollten sie nicht durch Lehrstühle für Humanismus und Ethik abgelöst werden? Die Institution Kirche soll lt. Carsten Frerk in der BRD mit 13 Mrd. Euro jährlich gestützt werden plus der Aufwändungen zur staatlichen Einziehung der Kirchensteuer, demnächst sicher auch anderer religiöser Institutionen. Außerdem, entschuldigen Sie bitte den Ausdruck, von anderen in den Sand gesetzten Investitionen (s. altes, fast leerstehendes Klinikum Magdeburger Straße in Halle) und speziell abgesehen auch von Militärausgaben mit Drohnenprojekt u.a. Da sind aber einige Finanzreserven offen.

Die Flutschäden 6/2013 werden dem Steuerzahler ca. 8 Mrd. EUR kosten. Es wäre weniger gewesen, hätten die staatlichen Stellen, die nach der Flutkatastrophe 2002 beschlossenen Maßnahmen umgesetzt. Die dafür zur Verfügung gestellten Gelder werden mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Etat für Bildung (B), Kultur (K) und Wissenschaft (W) und Ausbau anderer gesellschaftlicher Einrichtungen abgezogen, die eigentlich dem Steuerzahler, dem mündigen, demokratischen Bürger und seiner Gesellschaft dienen sollten. Wir klagen über mangelnd ausgebildeten Nachwuchs, alte (Hoch)Schulen, miese Lehr- und Bildungsmöglichkeiten etc.

Also argumentieren wir mal aus den Fortschritten der Vergangenheit Halles als Zentrum des Humanismus und der Aufklärung für eine tolle Zukunft, die nicht nur „fit for fun“ heißen kann, wie überall sprühend verbreitet wird und ein maßgeblicher, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stützender Pfeiler „WBK” (s. o.) geht den Bach runter!

In diesem Sinne wünschen wir uns viel Erfolg und Gehör bei der Regierung für eine fundierte Sach- und Fachpolitik. (Können wir uns diese Regierung eigentlich noch leisten im Vergleich zur schlankeren Regierung und Landtag in Thüringen?)

Mit besten kollegialen Grüßen
Dr. med. Elisabeth Kühne, Halle

Quelle: Carsten Frerk, Finanzen und Vermögen der Kirche in Deutschland, Aschaffenburg 2002