I. Evans, H. Thornton, I. Chalmers, P. Glasziou: Wo ist der Beweis?I. Evans, H. Thornton, I. Chalmers, P. Glasziou

Verlag Hans Huber Bern 2013, a. d. Englischen v. Karin Beifuss,  deutsche Ausgabe hrsg. v. Gerd Antes, ISBN 978-3-456-85245-8, Taschenbuchausgabe 260 S., 15 Abb., € 24,95

„Woher wissen Sie das?“ - Viele Patienten kommen heute vorinformiert und fragend zur ärztlichen Beratung, wenn es um ihre Zustimmung zur Therapie geht. Zu Recht wollen sie mitsprechen, partizipieren. Das vorliegende Buch aus dem englischsprachigen Raum (Testing treatments) beruht auf der Erfahrung der Autoren im Umgang mit der evidenzbasierten Medizin, die in ihren Regionen viel arrivierter als bei uns ist, da viel mehr öffentliche Mittel für diese Forschung zur Verfügung gestellt werden und Studien dadurch auch einen ganz anderen Respekt genießen.

Der Inhalt ist in 13 leicht lesbare und allgemeinverständlich formulierte Kapitel gegliedert, die von 1: Neu – aber auch besser? über 4: Früher ist nicht zwangsläufig besser und 10: Gute, schlechte und überflüssige klinische Forschung, u.s.w. führen.

Viele Therapien sind nicht durch eine solide Evidenz abgesichert. Solide, fair nennen es die Autoren, das bedeutet unabhängig von vorgegebenen Ziel(vor)stellungen und wirtschaftlichen Aspekten. Transparente Tests sind eine Grundforderung der klinischen Forschung. Die Rückschau auf offensichtliche Fehleinschätzungen und verzerrte Studienergebnisse bestätigt das, man denke nur an Thalidomid oder Vioxx. Nicht immer geht es so unerwartet angenommen aus wie beim Sildanafil.
Das Büchlein hat es in sich! Es erklärt vieles, vorder- und hintergründig. Seine Gestaltung ist von beeindruckender didaktischer Qualität. Jedes Kapitel wird z. B. durch einen farbig unterlegten Kasten mit Thesen zum vorangegangenen Text beendet in der Art von „Dramatische Therapieeffekte kommen selten vor“. Hinzu kommen zitatnahe Kästen mit den Originaltexten der  genannten kompetenten Autoren. Ein Literaturverzeichnis zu jedem Kapitel, eine Liste weiterführender Online-Quellen und ein umfangreiches Sachregister schließen es ab. Es ist ein Buch zu den Grundlagen ärztlichen Handelns heute, ein feines Buch!

F.T.A. Erle, Magdeburg