Leserbrief von Dr. Hans-Joachim Hartmann zum Leserbrief „Patientenarmbänder - arme Medizin“ im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt im Heft 8/2014, S. 81

Ich kann sicher als voreingenommen bezeichnet werden, da ich bis vor 9 Jahren im Radiologischen Institut des Städtischen Klinikums Dessau gearbeitet habe. Mittlerweile bin ich im Süden unseres Bundeslandes als niedergelassener Radiologe tätig, versorge aber auch eine Klinik komplett mit radiologischen Leistungen.

Trotz der langen Zeit sind mir aus Dessau noch gut die Patienten in Erinnerung, die zur CT-Untersuchung aufgerufen wurden, sich selbständig auf den CT-Tisch legten, teils mehrfach mit dem Namen des Aufgerufenen angeredet wurden, die Untersuchung (teils mit iv-Kontrastmittelgabe) über sich ergehen ließen, um zum Schluss zu erklären: „Ich heiße aber ganz anders!“ Damals hätte ich mir Armbänder oder andere sichere Identifikationsvarianten gewünscht! Wahrscheinlich haben wir „auf der anderen Seite“ doch keine richtigen Vorstellungen von den besonderen Eindrücken und Reaktionen der Patienten im Krankenhaus. Es handelte sich hier wohlgemerkt um gehfähige Patienten, die von Schwestern und Ärzten auf Station als so normal eingeschätzt wurden, dass sie allein in die Röntgenabteilung geschickt werden konnten. Mitnichten ging es hier um Patienten, die von einer zur anderen Abteilung zu übergeben waren, da sie sich in einem schlechten Zustand befanden. Also fehlende Kommunikation, wie im Leserbrief bemängelt, lag hier sicher nicht vor.

Der Leserbrief zeigt mir aber auch, wie sehr sich Klinik und Niedergelassene Kollegen voneinander entfernt haben, dass selbst kleine organisatorische Maßnahmen zur Fehlervermeidung eine immense Entrüstung hervorrufen. Ich hoffe, dass es mir nicht so ergeht, da ich ständig beide Seiten erlebe.

Dr. Hans-Joachim Hartmann,
Naumburg (Saale)