Cover des Buches von Emanuel Eckardt und Stefan Pielow - ArbeitStefan Pielow (Hrsg. u. Bildred.),
Emanuel Eckardt (Autor)

Becker-Joest-Volk Verlag Hilden 2013, ISBN 978-3- 938100-3, Hardcover im Leineneinband/Großformat (27x23 cm),
136 Abb., 240 S., € 49,95

Er greift dem Betrachter förmlich ins Gesicht - der plakative schwarze Buchtitel auf dem Leinencover mit dem Abklatsch einer rechten Hand. „Arbeit ist Leben“ steht über dem Vorwort des gewichtigen Buches. Umgekehrt mag das ähnlich gelten. Dieser schöne Bildband illustriert gewöhnliche und außergewöhnliche Tätigkeiten für den Broterwerb zu Lande, zu Wasser, in der Luft, im Labor und selbst im Studio einer Domina. Es ist überwiegend die körperliche Arbeit, die hier in ihrer Mühsal und Erbärmlichkeit aber auch ihrer Größe und Würde dargestellt wird auf 136 Fotografien von 90 meisterlich fotografierenden Reportern aus aller Welt, großformatig auf einer Buchseite, zu einem großen Teil auch auf die gegenüberliegende Seite ausgedehnt. Dazu gibt es Blocktexte mit Bildlegenden von konzentriertem Informationsgehalt, die von augenzwinkernden Überschriften eröffnet werden. So steht z. B. bei dem Bild mit dem in Blütenblättern watenden Arbeiter eines indischen Rosenölfabrikanten (s. Abb. 1): „Wertschöpfung aus dem Handgelenk“ oder bei der Abbildung mit den Knochenstückchen und Zähnen aus Neandertalerfunden: „Knochenjob für die Wissenschaft“ (s. Abb. 2). Es finden sich auf den Bildseiten weder Quellenangaben noch Fußnoten, die das genüssliche Betrachten und Lesen stören würden. Ein entsprechendes Verzeichnis zum Copyright am Buchende ist natürlich vorhanden.

Ansonsten sprechen die Bilder für sich, die schwebende Astronautin in ihrem Himmelsgefährt, die thronende Klofrau in ihrer Einlasskabine, die Wanderarbeiter, Restauratoren, Empfangsdamen, Ärzte, Kohlpflücker, Taucher, Monteure, Bauarbeiter, Hundebegleiter, Tätowierer, Schuster, Masseure etc. Da ist auch die bildschöne schwedische Afrikanerin oder afrikanische Schwedin in einem Europa ohne Grenzen, die wegen ihrer perfekten Deutschkenntnisse im Lufthansa-Callcenter in Dublin die deutschsprachigen Anrufer mit Kompetenz und Engelsgeduld durch das Labyrinth der Tarife und Flugpläne führt. Ihr Arbeitsplatz ist ein multikultureller Mikrokosmos , in dem 400 junge Leute aus 25 Ländern Anrufe aus 12 europäischen Staaten bearbeiten!
Die Bilder zeugen vom Können ihrer Macher und vom Gespür der Auswählenden, vom Wandel auf dem Arbeitsmarkt, von fleißiger und mitunter auch sklavischer Arbeit. Sie weisen auf Prozesse hin, die es logischerweise geben muss, von denen man aber als Verbraucher nur den Endzustand zur Kenntnis nimmt, wenn überhaupt. Und dann sind da die vielen ausdruckstarken Gesichter.
Wozu solch ein Bildband? Für das Begräbnis im Bücherschrank ist er zu schade. Als Auslage für Publikum, z. B. im Wartezimmer, wäre er schon eher von Wert und könnte Zugriffe erwarten. Für ein heimliches Mitnehmen ist er von den Maßen und dem Gewicht her nicht geeignet. Unsere bildaffinen Kinder und Enkel könnte das auch interessieren und für bohrende Nachfragen nutzen. Ein fesselndes Buch, eine Einladung zum Nachdenken über den Alltag, das mit einiger Sicherheit über die Bildränder hinaus führt.

F. T. A. Erle, Magdeburg