Nachruf für Frau Prof. Dr. Astrid Franke (6.8.1941 – 28.11.2014)Am 28.11.14 verstarb leider viel zu früh Frau Prof. Astrid Franke, geb. am 6.8.1941. Sie war eine der wenigen C4-Professorinnen für Hämatologie und Onkologie in Deutschland und hatte von 1992 bis 2006 an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg den Lehrstuhl für Innere Medizin und Hämatologie/Onkologie inne.

Geboren wurde sie in Danzig im heutigen Polen. Im Zuge der Vertreibung kam sie nach dem 2. Weltkrieg nach Magdeburg, der Stadt, der sie bis zu ihrem Tode treu blieb. Nach dem Abitur  nahm sie 1960 das Studium der Medizin an der damaligen Medizinischen Akademie Magdeburg (MAM) auf. Das  Staatsexamen absolvierte sie 1966 als Beststudentin. Noch im gleichen Jahr schloss sie ihre Inaugural-Dissertation zum Thema „Die indirekte Hämagglutination zur serologischen Diagnose der Pasteurellose und Listeriose“ mit dem Prädikat summa cum laude ab. Danach folgte die Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin.

Bereits mit 34 Jahren habilitierte sie sich mit dem Thema „Pathogenese der Adjuvansarthritis – Parabioseversuche und hämatologische Verlaufsbeobachtungen“ (1975). Ein Jahr später folgte die Verleihung der Facultas docendi (1976) und die Berufung zur Hochschuldozentin (1977). 1985 wurde Frau Franke zur außerplanmäßigen Professorin ernannt. Am 3.3.1986 erhielt sie die Zusatzbezeichnung Hämatologie und internistische Onkologie. Die Leitung der Abteilung Hämatologie der MAM übernahm sie erstmalig 1981, zunächst kommissarisch und 1985 in vollamtlicher Position. Nach der  Wiedervereinigung  war sie für einige Jahre Stellvertreterin des Direktors der Klinik für Innere Medizin und des Ärztlichen Direktors (1991-1992).

Im gleichen Jahr wurde sie zur Vorsitzenden des Gründungsvorstandes des Tumorzentrums Magdeburg/Sachsen-Anhalt e. V. gewählt, dessen Vorsitz sie bis 2001 innehatte und dem sie bis zuletzt als Ehrenmitglied treu verbunden war.

1992 erhielt Frau Prof. Franke  die Berufung zur C4-Professur des Fachgebietes Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie. Sie war somit erste Klinikdirektorin ihres Fachbereichs an der neu gegründeten Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg.

Eine ihrer herausragenden Leistungen für die Klinik für Hämatologie und Onkologie der Universität Magdeburg war die Schaffung eines akkreditierten hämatologischen Speziallabors für Zytologie, Molekularbiologie und Durchflusszytometrie sowie einer zertifizierten Transplantationseinheit für autologe Stammzelltransplantationen. Bekannt und beliebt waren ihre Mikroskopierkurse, die sie regelmäßig seit den 70er Jahren bis zu ihrer Emeritierung durchführte.

Frau Prof. Franke zeichnete sich in all ihren Tätigkeitsfeldern durch hohen Sachverstand, unermüdliches Engagement, Leitungspersönlichkeit und eine zielsichere situative Intuition aus. Gespräche mit ihr, privater oder medizinischer Natur, eröffneten Einblicke in ihre verblüffenden Kenntnisse von Land und Leuten. Sie zeigten ihr reges Interesse gegenüber der historischen und gesellschaftlichen  Entwicklung der Region.

Der Erfolg ihrer Klinik und das Wohl ihrer Mitarbeiter/-innen lagen ihr stets am Herzen. Vielen hat sie eine Karriere gebahnt und für immer durch ihre Persönlichkeit geprägt. Wir verlieren mit Frau Prof. Franke eine der engagiertesten Frauen ihres Fachgebietes, eine von allen hochgeschätzte Kollegin sowie einen lieben Menschen.

stellvertretend für viele ihrer ehemaligen Mitarbeiter/-innen sowie Kollegen/-innen:

Priv.-Doz. Dr. Kathleen Jentsch- Ullrich,
Dr. Gerd Müller, Dr. Renate Uhle und
Dr. Hendrik Kröning
Gemeinschaftspraxis für Hämatologie und Onkologie, Hasselbachplatz 2,
39104 Magdeburg
Prof. em. Dr. M. Herold, Erfurt
Prof. em. Dr. W. Helbig, Leipzig