Im Archiv der Leopoldina sind nicht nur historische Unterlagen der Akademie der Naturforscher enthalten. Es findet sich darin auch ein recht kleiner Bestand an Korrespondenzen, Verwaltungsberichten und Mitgliederverzeichnissen des Vereins der Ärzte und Apotheker im Regierungsbezirk Merseburg und seines untergeordneten (Orts-)Vereins der Ärzte zu Halle a. S.

Der Zweck des am 26. März 1842 gegründeten Merseburger Vereins war die gegenseitige Unterstützung der Mitglieder „in der Förderung ihrer Wissenschaft und Kunst, [...] in der Wahrnehmung gemeinschaftlicher Standes-Interessen, namentlich in der Aufrechterhaltung der Standesehre, der Bewahrung eines anständigen collegialischen Verkehrs und Minderung unverschuldeter Nothstände der Mitglieder“ sowie um „Gelegenheit zu gewinnen, auch mit entfernter wohnenden Collegen in freundschaftlichen Verkehr zu treten.“  Initiator des Vereins war der Regierungs-Medizinalrat Karl Friedrich Koch (1802 – 1871) – mit ihm zusammen gab es 60 Gründungsmitglieder. Aufgenommen wurden promovierte, im Landkreis Merseburg niedergelassene Ärzte und Apothekenbesitzer. Die Mitglieder trafen sich regelmäßig in regionalen „Lesezirkeln“. Wer in den Verein eintreten wollte, musste ein Gesuch an ein Mitglied seiner Wahl richten und das Einverständnis („Caution“) zwei weiterer Mitglieder einholen.

Im April 1848 wurde der Einflussbereich des Vereins auf den gesamten Regierungsbezirk Merseburg ausgedehnt, zu dem auch die Stadt Halle gehörte. Der Zusammenschluss erfolg-te, um den „rechten Gemeinsinn“ zu pflegen, sowie für „Ehrenhaftigkeit, Pflichttreue und einer anständigen Collegialität unter dem Mitgliedern Sorge zu tragen, und dadurch die Würde des ärztlichen Standes aufrecht zu erhalten.“  Die erste Generalversammlung wurde 1851 im Thüringer Bahnhof zu Halle abgehalten. Auf dem Programm standen Vorträge über ärztliche Standesinteressen und „wissenschaftliche Gegenstände“. Die Vereinsmitglieder trafen sich zweimal jährlich in Merseburg, und zwar „an demjenigen Donnerstage, der dem Eintritte des Vollmonds zunächst vorhergeht“. Es gab zwei getrennte Sitzungen für Ärzte und für Apotheker (mit Vorträgen) und danach ein gemeinsames Mittagessen. Aus dem Verein ausgeschlossen werden konnte, wer „sich gröbere, dem Publikum zum Aergerniß dienende Vergehen und Unsittlichkeiten zu Schulden kommen“ ließ.  Gerügt wurden Mitglieder durch eine „protocollarische Verwarnung“ und eine „Veröffentlichung des Urtheils vor der General-Versammlung“.

Zu einem der größeren Verdienste des Vereins gehörte der erfolgreiche Protest gegen die „Einreihung der Ärzte in die Klasse der Gewerbetreibenden“ in der allgemeinen Gewerbeordnung von 1845. Man sah diese Einordnung als sehr schädlich für den Ärztestand an, da „Ärztliche Kunst und Wissenschaft“ kein Gewerbe seien. Im Jahre 1884 wurde – nach Einführung eines reichsweiten Krankenkassensystems – darüber beraten, wie hoch der angemessene Beitragssatz für eine ärztliche Behandlung sein könnte. Die Versammlung einigte sich auf eine Mark pro Besuch und 50 Pfennig für eine eingehende Beratung.

Der Verein der Ärzte zu Halle wurde im Januar 1860 von 23 Ärzten (praktisch tätige Ärzte und Lehrende der Medizinischen Fakultät) als untergeordneter Ortsverein des Merseburger Zusammenschlusses gegründet. Man traf sich regelmäßig im „Hotel Stadt Hamburg“ oder dem „Grand Hotel Bode“ in Halle. Ebenso wie der Merseburger Hauptverein hatte der hallische Ableger die „gegenseitige Förderung seiner Mitglieder in der wissenschaftlichen und practischen Medicin und Berathung und Wahrnehmung der Interessen des ärztlichen Standes, sowie Förderung des collegialen Sinnes“ zu seinem Ziel erklärt.  Mitglied des lokalen Vereins konnten alle Ärzte aus Halle und der Umgebung werden, es sei denn, sie bezeichneten sich „öffentlich als ‚Homöopathen‘ oder ‚Naturheilkundige‘“. Beide Vereine wurden im Mai 1933 aufgelöst, nach dem kurz zuvor der Bezirksverband der Ärzte in Sachsen-Anhalt gegründet wurde.

Literatur beim Verfasser

Andreas Jüttemann
Martin-Luther-Universität
Halle, Wittenberg
Institut für Geschichte und Ethik der Medizin

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