Priv.-Doz. Dr. rer. nat. habil. Ernst-Jürgen Haberland In Memoriam

(* 14.3.1944 in Magdeburg – † 11.1.2015 in Lieskau bei Halle/Saale)

Nach seinem Physikstudium an der Martin-Luther-Universität Halle-Wit-tenberg wurde Ernst-Jürgen Haberland 1967 als Diplom-Physiker Mitarbeiter an der Uni-HNO-Klinik Halle, der er bis zu seinem Ausscheiden 2009 die Treue hielt. In dieser langen Kontinuität hat er die z. T. turbulente Entwicklung der Hallenser Klinik unter Prof. H. Jakobi, Prof. L.-P. Löbe, Prof. A. Berghaus, Prof. M. Bloching, PD K. Neumann und zuletzt unter Prof. St. Plontke miterlebt und mitgestaltet.

Wir haben Herrn Haberland 1976 als Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft „Klinische Olfaktologie und Gustologie“ kennengelernt und waren seit dieser Zeit mit ihm befreundet. Sein Name bleibt auch in unserer gesamtdeutschen Arbeitsgemeinschaft „Olfaktologie/Gustologie“ untrennbar mit der Elektrogustometrie verbunden. Nicht nur, dass er früher die Elektrogustometer-Geräteproduktion auf den Weg brachte und Inhaber dreier diesbezüglicher Patente war, sondern auch dass seine Forschungen zur klinischen Anwendung der Elektrogustometrie u.a. zur Altersabhängigkeit elektrogustometrischer Kennlinien hohe Anerkennung fanden, machten Herrn Haberland zu einem überzeugenden Experten, dessen Rat in fachlichen Diskussionen gern eingeholt wurde. Er wusste viel und hat sehr oft durch seine naturwissenschaftliche Sicht manches medizinische Streitgespräch bereichert. In der Arbeitsgemeinschaft wurde er sehr geschätzt. Seine Beiträge zum Riechen oder Schmecken waren fundiert und immer didaktisch von besonderem Wert.

Haberlands wissenschaftliche Forschungsgebiete waren breit gestreut. Seine Dissertation befasste sich 1978 mit mechanischen Vibrationen im Ultraschallbereich auf das Skelettmuskelgewebe. Das Thema seiner Habilitation, zusammen mit H. J. Neumann, „Biophysikalische Untersuchungen der Perilymphbewegung und Sauerstoffdiffusion im cochleären Perilymphraum unter pathophysiologischen Bedingungen“, 1990, bildete den Höhepunkt seiner Aktivitäten in der Innenohrforschung. 1995 erfolgte die Ernennung zum Privatdozenten und die Verleihung der venia legendi für das Fachgebiet „Experimentelle Biophysik in der HNO-Heilkunde“. In der Folgezeit widmete er sich dem neuen Forschungsschwerpunkt über die Oberflächenmodifizierung von Biomaterialien für die Anwendung im pharyngotrachealen Bereich. Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die Anmeldung eines Patents zu einer Stimmprothese und Untersuchungen zur Ultraschallmikroskopie von Gehörknöchelchen.

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in der Hallenser Uni-HNO-Klinik war Herr Haberland seit seinem 16. Lebensjahr bis zuletzt leidenschaft-licher Amateurfunker. Eine unübersehbare 16 Meter hohe Teleskop-Antenne in seinem Garten kündet von seinem Hobby. Durch sie war der eiserne Vorhang für ihn durchlässig. Begeistert nutzte er nach der Wiedervereinigung die neuen Möglichkeiten und nahm an DX-Expeditionen nach Samoa, Nepal und Bonaire teil.

Herr Haberland beabsichtigte, die Geschichte der Hallenser Uni-HNO-Klinik zusammen zu stellen und zu veröffentlichen. Dazu ist es leider nicht mehr gekommen. Sein Geschichtsinteresse haben wir eindrücklich erlebt, wenn er packend von Graf Luckner berichtete, der sich während des ersten Weltkrieges als „Seeteufel“ bei gewagten Unternehmungen einen Namen gemacht hatte und der dann auf Grund seines guten Rufs in Amerika mithelfen konnte, dass Halle bei der Einnahme durch die Amerikaner nicht zerstört wurde.

Ernst-Jürgen Haberland war uns und vielen anderen ein guter Freund, der zuhören konnte und besonnen und einfühlsam Weichen stellen konnte. Seine Kinder waren sein ganzer Stolz, und er war dankbar, dass seine Ehefrau Christine ihm stets zur Seite stand. Wir werden seinen bescheidenen Charakter in angenehmer Erinnerung behalten.

Prof. Dr. med. Hilmar Gudziol, Jena
Prof. Dr. med. Hermann Seeber, Dessau
Prof. Dr. med. Stefan Plontke, Halle/Saale