25 Jahre Ärztekammer Sachsen-Anhalt - ChronikChronik

Hrsg.  Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Magdeburg 2015,
gebunden im  Hardcover/Lexikonformat,  236 Seiten, reich illustriert

Die Sicht auf das Gestern im Blick auf das Morgen zu haben – nicht die schlechteste Rückversicherung für die verantwortete Arbeit einer Profession, die so nahe am Menschen ist. Pünktlich zum Geburtstag des Vierteljahrhunderts im August 2015 konnte die Ärztekammer Sachsen-Anhalt ein sehenswertes Buch über ihren Weg der letzten 25 Jahre auf den Tisch legen, ein in Inhalt und Form gelungenes Geschichtsbuch der speziellen Art. Es ist die Chronik des 25-Jährigen Bemühens um Erfolg, erarbeitet und niedergeschrieben von einer rechtzeitig eingesetzten Historienkommission, überwiegend aus Gründungsmitgliedern der Kammer zusammengerufen. Im Verbund mit kompetenten Kammermitarbeitern wurden tausende Archivmaterialien und Bilder gesichtet, thematisch zugeordnet und mit Texten von hochgradiger Sachkenntnis in Beziehung gebracht. Ein zu diesem Zweck von außen hinzugezogener Historiker wurde um Sorge für den schlüssigen und ordentlichen Verlauf des Vorganges unter geschichtswissenschaftlichem Aspekt gebeten.

Das ausführliche Vorwort des verdienstvollen Gründungspräsidenten der Kammer, Prof. Dr. Walter Brandstädter, stellt die Aufgaben der ärztlichen Tätigkeit nach der Wende und den Aufbau einer demokratischen Selbstverwaltung in den Focus. Es ging dabei um die Ausbildung des Bewusstseins einer Identität des ärztlichen Berufs in den neuen Bundesländern und die Bewältigung der Strukturveränderungen mit den Potentialen einer sich in der staatlichen Einheit wiederfindenden gesamtdeutschen Ärztegeneration. Am Anfang seiner historischen Aufbereitung gibt das Buch die Sicht frei auf den Ausgangspunkt, die ärztliche Tätigkeit unter der parteistaatlichen Aufsicht in der DDR (H. Schmietendorf) mit erkennbarem Bemühen um sachliche Darstellung. Die anschließenden Beiträge zur Neugründung und Entwicklung der Kammer folgen regionalen Strängen der Initiativen in den einzelnen Landesteilen, im heutigen Sitz der Geschäftsstellen noch abgebildet. Die Geschichte des Aufbaus in den Regierungsbezirken Dessau (H. Seeber),  Halle (W. Zacher) und Magdeburg (P. Eichelmann) weist auf anfänglich getrennte Wege hin. Dafür gab es gute Gründe. Es musste schnell und ohne Weisung von oben gehandelt werden, nötigenfalls mit der Hilfe von außen. Die Kollegen aus Niedersachsen ergriffen diesbezüglich früh die Initiative und waren eine zuverlässige Hilfe. Dass daraus dann eine Kammer des Landes geworden ist, lässt auf ein hohes Maß an Lernbereitschaft, Überzeugungsarbeit, Einsicht und Kompromissfähigkeit schließen.

Anschließend werden die Eckpunkte der Kammerentwicklung und ihrer schnell zunehmenden Aufgaben besehen: Berufsrecht, Weiterbildung, Ethikkommission, Qualitätssicherung, Fortbildung. Der Entwicklung und Aufstellung des Ärzteblattes über den Rahmen eines Mitteilungsblättchens hinaus, von den Chefredakteuren mit Ideen versehen und den aktuellen Entwicklungen angepasst, wird ein eigenes Kapitel eingeräumt. Auch der wichtige Beitrag zur Gründung und Arbeit des Versorgungswerks (W. Kudernatsch) bekommt einen eigenen Platz reserviert. Interessant ist die Strecke ausgewählter Meilensteine an Hand der Faksimiles historischer Dokumente der Kammerarbeit. Darin enthalten ist auch die DDR-ministerielle Bestätigung der Kammergründung vom 12. August 1990, das Geburtsdatum.

Das Lesen bzw. Durchblättern des Buches lässt erahnen, was für Mühen, Aufwand, mitunter vielleicht auch Freude dieses Werk gemacht haben muss. Aus etwa 5000 Dokumenten bzw. Schriftsachen galt es auszuwählen und das Ganze mit Archivbildern zu illustrieren. So ist letztlich ein ansprechendes Buch von lebendigem Habitus und hoher Qualität daraus geworden. Im Layout ist die grüne Farbe allgegenwärtig, Grundfarbton des Wachsens und Gedeihens. Das betrifft sowohl die sehr zweckmäßigen Leisten der Ereignisdaten als auch die wirksam eingeschobenen Kernsätze, die trotz geringer Farbintensität ins Auge fallen. Das Buch ist ein gelungenes Dokument des Mutes, des Fleißes und des Engagements von Ärztinnen und Ärzten Sachsen-Anhalts und ihrer Mitarbeiter im tagtäglichen Einsatz für das hohe Gut der demokratischen ärztlichen Selbstverwaltung. Man darf den Autoren, Gestaltern und nicht zuletzt der Impulsgeberin, Kammerpräsidentin Dr. Simone Heinemann-Meerz, dazu gratulieren und Dank sagen. Eine Fortschreibung ist ihm zu wünschen!

F.T.A. Erle, Magdeburg