Ch. Richter - Das Dölauer KrankenhausVom Luftwaffenlazarett zum Krankenhaus Martha-Maria

Schäfer Druck & Verlag GmbH, Langenbogen 2015, Reihe Dölauer Hefte,
ISBN 978-3-938642-75-7, Broschur 21 x 14,5 cm, reich illustriert, 75 Seiten, 7,90 €

Eine mühsame Angelegenheit ist die Vergangenheit! Das ist man geneigt bei der Lektüre dieses Büchleins zu empfinden. So direkt sagt es das zwar nicht aus. Jedoch da sind die schwarz-weißen Fotos, die Wehrmachtsuniformen, die Baustellen, die alte Technik etc. Aber all das war einmal ganz modern, war Teil der gesellschaftlichen und medizinhistorischen Entwicklung, schmückte das Leben und hat geholfen, vielfaches Überleben und Gesunden zu garantieren und dem medizinischen Fortschritt in und nach einem verheerenden Krieg auf die Beine zu helfen.

Christian Richter, langjähriger Mitarbeiter, erst als Assistent, später Chefarzt der Chirurgie in diesem Krankenhaus am Rande der Stadt Halle und ihrer Dölauer Heide, hat erst an dessen Geschichte mit-, sie nun aber aufgeschrieben, im Heft 7 der o. g. Reihe. Es ist seiner Mühe zu verdanken, die Etappen dieses leistungsfähigen Klinikums in der Nachbarschaft einer medizinischen Fakultät für die Öffentlichkeit unserer Tage sichtbar gemacht und ihre Entwicklung mit den Mitteln des Erinnerns, Befragens und Sammelns leben-dig dargestellt zu haben. Ein gehöriger Schuss Eigenerleben darf also angenommen werden.
Der Ort, die Erholung und Heilung versprechende Dölauer Heide bei der Großstadt Halle, bot sich als Soldatenkrankenhaus für den geplanten Krieg an. Gebaut wurde ein Luftwaffenlazarett. Bei nicht allzu großen Bombenschäden zu Kriegsende und nach kurzzeitiger Inbesitznahme durch die Rote Armee 1945 wurde der Gebäudekomplex ein Jahr später der Bevölkerung der Region für die medizinische Betreuung zur Verfügung gestellt.

In den Folgejahren bestimmten die jeweils vordringlichen Erfordernisse der Gesundheitssituation im Land das Profil der Einrichtung. Erinnert sei nur an die sehr hohe Säuglingssterblichkeit und die häufigen Lungenkrankheiten in den Nachkriegsjahren. Sein Behandlungsspektrum entsprach dann aber zunehmend dem einer Schwerpunkt- und Maximalversorgung. Seine Bezeichnungen wechselten mit den Ausbaustufen vom Lazarett über Dölauer Krankenhaus, Waldkrankenhaus und Bezirkskrankenhaus bis zum heutigen konfessionell getragenen Krankenhaus Martha Maria. Weitere seiner Strukturen befanden sich an mehr zentralen Orten der Bezirkshauptstadt. So wurde es auch, neben dem Auftrag zur stationären und ambulanten Behandlung, zu einem wichtigen Träger der medizinischen Fortbildung. So manche Leitungskarriere startete hier im Lehrkrankenhaus der Halleschen Universität.Das Heft – die erste Auflage soll bereits vergriffen sein – ist als ein Versuch anzusehen, etwas aus den Archiven und privaten Sammlungen für die Öffentlichkeit zu retten und eine Linie in die historische Entwicklung dieses Krankenhauses zu bringen, die nicht erst 1946 nach Übergabe durch die Sowjetische Militärregierung begann. Die verwendeten Fotos sprechen für sich. Sie zeigen so manches vergessene Detail, textile Zuschnitte und Frisuren, Kleiderordnungen, rauchende Ärzte, überwiegend schlanke Schwestern mit adretten Faltenhäubchen, Rückenansichten von Trabis in Reihe.

Die sachlich formulierten Texte sind gut lesbar, vielleicht für den Außenstehenden ein bisschen mit Namen überfrachtet. Die politisch-ideologische Übergeschichte wird nur gestreift. Sie bleibt aber in dieser Publikation für den Zeitgenossen gegenwärtig und erkennbar bzw. wird ihre Kenntnis vorausgesetzt. Christian Richter hat hier einen wichtigen Beitrag zur Alltags- und Medizingeschichte Sachsen-Anhalts am konkreten Objekt geleistet.

A propos mühsam! Nie wieder Geschichte? Es wird bei der Lektüre dieser Chronik klar, dass das nicht funktionieren kann! Die Neu- oder Nachauflage wird es beweisen!

F.T.A. Erle, Magdeburg