Leserbrief von Prof. Dr. Frank P. Meyer zum Editorial von Herrn Henrik Straub im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt, Heft 12/2015, S. 5

Sehr geehrte Frau Dr. Heinemann-Meerz,

zum Jahreswechsel beklagt Herr Henrik Straub, dass es schwerfällt, „unbeeindruckt und unbeschwert den Urlaub für das kommende Jahr zu planen“ wegen der „schockierenden Terroranschläge arabischer Fanatiker, die hunderte unschuldiger Menschen das Leben kosteten.“

Das ist wohl wahr. Verblüffend ist allerdings seine Verwunderung: „Auf der ganzen Welt ist offensichtlich kein wirklicher Schutz dagegen möglich…“ Hat Herr Straub die Historie nicht verfolgt oder ignoriert er sie? Die völkerrechtswidrigen Kriege des Westens in Afghanistan, im Irak, in Libyen waren doch regelrechte Terrorsucht-Programme.

Man sollte auch erinnern, dass Al Quaida in Amerika und Europa in den letzten 14 Jahren über 3.300 Menschen tötete. Busch jr. brachte es aber in den Kriegen in Afghanistan und im Irak dazu, dass über 1 Million Menschen den Tod fanden (siehe z. B. Jürgen Todenhöfers „Inside IS – 10 Tage im Islamischen Staat“). Staatsterrorismus ist also bisher um ein Vielfaches effizienter. Die Frage nach dem „Warum“ beantwortet sich von selbst: „It’s the oil, stupid!“ In diesem Kontext bezeichnet Todenhöfer in seinem Buch das Öl als das hinterhältigste Geschenk des Teufels. Ob „Merkels erster eigener Krieg“ (Magdeburger Volksstimme 05.12.2015) den von Herrn Straub gewünschten wirksamen Schutz bieten wird, kann getrost bezweifelt werden. Bislang wurden Terroristen durch Antiterrorkriege stets verstärkt. Zu Zeiten bin Ladens gab es ein paar hundert internationale Terroristen, heute sind es schon über 100.000!

Womit haben wir uns einen „unbeschwerten“ Urlaub eigentlich verdient?

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Frank P. Meyer
Wanzleben-Börde