Cover Luther to goEin trefflich Wort von Martin Luther

Verlag Neues Leben Berlin 2016, ISBN 978-3-355-01841-8,
Broschur im Sedezformat, 93 Seiten, € 7,-

„Tritt frisch auf! Tu's Maul auf! Hör bald auf!“ oder „Bier ist Menschenwerk, Wein aber ist von Gott“. Ja, so stellt man sich den großen Reformator Martin Luther außerhalb der Theologie vor, nach der Lektüre dieses schlicht aufgemachten Taschenbüchleins im Postkartenformat.
Der Verlag bietet hier ein Sammelsurium von Sprüchen, Textpassagen und Thesen dieses unseres vormaligen Landsmannes. Die inhaltliche Struktur ist in Kapitelüberschriften sortiert, sämtlich eingeleitet mit der Wortfolge Warum man..., und zwar: ...einen Arsch in der Hose haben soll; ...tolerant sein soll; ......das Leben genießen soll; ...nicht der Werbung folgen soll; ...Sex haben soll; ...kritisch und selbstkritisch sein soll; ...deutsch reden soll; ...nicht Päpsten und Prälaten folgen soll; ...der elenden deutschen Nation helfen soll; ...wahre Reue und Zerknirschung suchen soll. Unter letzterem Titel finden sich die 95 Thesen, deren erste von der Buße und die letzte von der Trübsal spricht, in lesbarer und annähernd verstehbarer Form. Ansonsten kann man trotz vorangestellten Inhaltsverzeichnisses nichts Konkretes suchen, wohl aber viel Ersprießliches finden. An die dem Frühhochdeutschen ähnelnde Kunstsprache gewöhnt man sich bald – sie schafft Atmosphäre. Die Lutherforschung wird monieren, dass nicht jeder der hier zitierten populären Sprüche, der dem Wittenberger aus dem Mansfeldischen zugeschrieben wird, auch von ihm stammt. Darunter fällt z. B. das Pflanzen eines Apfelbäumchens kurz vor Weltuntergang oder dass ein Narr bleibe sein Leben lang, der nicht liebt Wein, Weib und Gesang. Den wahren Luther stellt diese Sammlung sowieso nicht vollständig dar. Litt er doch in seinem Leben, trotz aller Vitalität, an schweren und schmerzhaften Krankheiten und Zuständen, so dass er im vergleichsweisen Alter eines heutigen Frührentners feststellte: Ich habe genug gelebt. Das steht aber nicht drin.

Die Aufmachung des Buches ist schlicht und trotzdem ansehnlich mit seinen wechselnden Schriftschnitten und den trennenden schwarzen Seiten. Quellenangaben sucht man vergebens. Sie wären bei der Lektüre wahrscheinlich nur hinderlich, so wie das Buch selbst wohl kaum eine ernst zu nehmende Quelle für die wissenschaftliche Arbeit sein dürfte. Das Büchlein eignet sich trotzdem als anregender Begleiter für unverhoffte oder absehbare Wartezeiten im Nah- und Fernverkehr oder bei ähnlichen Gelegenheiten.

F. T. A. Erle, Magdeburg