Leserbrief zum Thema „Ärztekammer ist die Standesvertretung aller Ärzte“
von Dr. Matthias Krüger, Magdeburg zu den Leserbriefen von Dr. Walter Kraus, Halberstadt, im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt, Heft 6/2016, S. 41 und Dr. Ilja Karl, Kalbe/M., Heft 7-8/2016, S. 46

Kollegen Kraus und Karl ist zuzustimmen. Es gibt eine ganze Reihe von medizinischen Berufs-, Standes- und Fachverbänden, welche sich für die Belange der einzelnen Kolleginnen und Kollegen einsetzen. Grundsätzlich kann man aber nur gewählt werden, wenn man sich zu einer Wahl aufstellen lässt.

Hier ist scheinbar schon die erste Hürde. Ist dies erfolgt, dann entscheidet das ganz normale demokratische Wahlprocedere über die Zusammensetzung der Kammer. Dies ist neben demographischen Faktoren (die Gesellschaft wird immer älter) auch von der damit verbundenen Wahlbeteiligung abhängig. Wer nicht wählt und seinen Favoriten die Stimme gibt, darf sich nicht darüber beklagen, wenn er nicht ausreichend vertreten ist. Eine Art Quote in der Zusammensetzung der Ärztekammer könnte hier ggf. Abhilfe schaffen. Aber, welche Quote denn? Niedergelassen vs. Angestellte, Chirurg vs. Internist, Jung vs. Alt usw. Eine Quote führt nicht weiter!

Gestatten Sie mir aber dennoch eine kritische Bemerkung hinsichtlich der Ärzte in Weiterbildung. Die Legislaturperiode einer Kammerwahl beträgt 5 Jahre. Dies ist fast der gesamte Zeitraum einer Weiterbildung. Es ist daher fast unmöglich, sich als junge Weiterbildungsassistentin oder junger Weiterbildungsassistent in die Kammer wählen zu lassen. Am Anfang der Weiterbildung steht nicht gerade die Standes- und Berufspolitik im Fokus der Kollegen. Dies kann man nur ändern, wenn man die Legislaturperiode der Kammerwahl verkürzt. Das Bündnis Junge Ärzte, deren Gründungsmitglied ich bin, setzt sich dafür aktiv ein. Erste Gespräche auf Ärztekammer- und der Bundesebene sind geführt.

Grundsätzlich denke ich aber, haben wir in der Ärzteschaft zu viele Doppelstrukturen. Diese vergeuden nur unnötig finanzielle und humane Ressourcen. Lassen Sie uns lieber versuchen, diese zu bündeln und aktiv in die Kammer als beratende Institutionen einzubinden. Wir müssen nicht übereinander, sondern miteinander reden. Nur dann wird uns die Politik und Gesellschaft als Partner wahrnehmen und weiterhin akzeptieren.

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Lassen Sie uns die Tätigkeit der Kammer an deren Erfolgen messen. Wir benötigen den Input von angestellten und niedergelassen Kolleginnen und Kollegen, die an der Versorgung unserer Patienten aktiv teilnehmen. Nur diese wissen um die Nöte und Probleme des Berufsstandes. Aus Worten müssen Taten folgen.
Die Zukunft aktiv mitgestalten, statt auf sie zu warten!

Herzlichst Ihr

Dr. med. Matthias Krüger
Leiter Ressort Nachwuchsförderung
im Präsidium des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen e. V.
Bündnis Junge Ärzte
Oberarzt in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Magdeburg gGmbH