im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg

Mit SEHT, da ist DER MENSCH zeigt das Kunstmuseum Magdeburg anlässlich des 500. Reformationsjubiläums 2017 eine umfangreiche Ausstellung zeitgenössischer Kunst, deren Fokus auf das Bild des Menschen in unserer Zeit gerichtet ist.

Die Visualisierung menschlicher Existenz ist in der Gegenwart Zeugnis einer intensiven Auseinandersetzung mit dem neuen Bild des Menschen, wie es seit der Reformation Verbreitung gefunden hat. Gerade vor dem Hintergrund der Migrations- und Flüchtlingsdebatte, von überregionalen Kriegen und weltweiten Krisen-szenarien gewinnt die Frage nach dem Verbindenden im Menschenbild der unterschiedlichen Religionen und Kulturen, die Frage nach dem Menschen an sich, eine neue Dimension. Dazu gehören Facetten seines Wesens, zu dem Verletzlichkeit, Brutalität, Neugier, Verzweiflung, Mut oder Nächstenliebe gehören. Es gibt aber auch das Unbewusste, Unaussprechliche, Geheimnisvolle der Existenz.
Die Auswahl der ausgestellten Werke schlägt einen weiten geografischen Bogen von Südamerika über Europa bis nach Afrika. Da sind Elizabeth Peytons kleinformatige sensible Portraits in Aquarell oder Öl, die sie aus einem medialen Universum von Prominenten, Musikern, Künstlern und Freunden auswählt oder die gleichsam entrückt wirkenden Portraitfotografien Jitka Hanzlovás sowie die Portraitserie von Hans-Wulf Kunze, die das Fragile der Jugendlichen am Übergang zum Erwachsenwerden zeigt.

Die für Francis Alÿs typische gesellschaftliche Relevanz findet sich in seiner bekannten Diaserie „Sleepers III“, in der er Menschen und Hunde auf den Gehsteigen in Mexiko City an der Grenze zwischen höchster Privatheit und Intimität sowie maximalem Ausgeliefertsein gegenüber der Öffentlichkeit zeigt und noch immer hoch aktuell, lässt sich die bereits 1992 entstandene Arbeit „Mystic Transport“ von Gülsün Karamustafa als eine Allegorie auf die Lage von Migranten und Flüchtlingen lesen. Der angolanische Künstler Binelde Hyrcan führt in seinem Video „Cambeck“ auf bitter-komische Weise die sozialen Verwerfungen vor Augen, zu denen der auf Öl basierende Reichtum Angolas geführt hat.

Die Videoinstallation „Drunk“ von Gilian Wearing ist eine sensible Erforschung sozialen Verhaltens und präsentiert ein sehr intimes Porträt des täglichen Lebens zwischen Einsamkeit, Kampf, Kontrollverlust und Versöhnung, während es ganz dem Betrachter überlassen bleibt, in der jungen Frau mit nacktem Oberkörper und einem Beil in der Hand, die der moldawische Künstler Alexander Tinei gemalt hat, das Böse oder das Gute im Menschen zu finden und über Kultur und Barbarei nachzudenken.

Das Unsichtbare, das Ungesagte, Spirituelle hingegen wird zum Thema in Ginan Seidls neuem Film „Spin“ oder bei Bill Viola, dessen kleine Zweikanalprojektion „Man with His Soul“ (2013) einen Mann im Zwiegespräch mit seiner eigenen Seele zeigt, was vielfältige Räume für Assoziationen öffnet.
Bleibt Bill Viola außerhalb seiner Werke, so ist Roman Opalka auf untrennbare Weise mit ihnen verbunden. Was 1965 mit der „1“ auf einem Gemälde begann, endete 2011, als der Künstler starb, mit der Zahl
5 590 000. Die Zahlen und Fotografien sind zu einer Signatur des Lebens geworden, der Vergänglichkeit und vielleicht auch des Wunsches nach Unendlichkeit.

Mit ihrem Titel verbindet die Ausstellung das Leitwort des Katholikentages 2016 und das Reformationsjubiläum 2017.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog, der auch den ersten Teil der Ausstellung enthält, der 2016 anlässlich des 100. Katholikentages in Leipzig, vom 30. April bis zum 12. Juni auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei gezeigt wurde.

Künstler
Francis Alÿs (BE), Kader Attia (F), Jean-Charles Blais (F), Matthias Böhler & Christian Orendt (D), Nathan Coley (GB), Tim Eitel (D), Lucas Foglia (USA), Douglas Gordon (GB), Jitka Hanzlová (CZ), Binelde Hyrcan (AO), Gülsün Karamustafa (TR), Hans-Wulf Kunze (D), Robert Metzkes (D), Santu Mofokeng (ZA), Roman Opalka (FR), Elizabeth Peyton (USA), Julian Röder (D), Ginan Seidl (D), Phillip Toledano (USA), Alexander Tinei (MD), Sandra Vásquez de la Horra (CL), Bill Viola (USA), Gillian Wearing (GB), Veronika Witte (D), Miriam Yammad (D)

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