Leserbrief von Dr. Ilja Karl zum Bericht über die Kammerversammlung am 14. Juni 2017 im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt, Heft 7-8/2017, S. 13f.

Im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 7-8/2017 wird auf Seite 14 die Abstimmung eines Änderungsvorschlages im Gebiet Allgemeinmedizin im Rahmen der letzten Kammerversammlung referiert. Der von Frau Hintzsche vorgetragene Vorschlag der Verbundweiterbildung Halle-Saalekreis ist nachvollziehbar und gut begründet. Leider wird im Bericht die Debatte dazu nicht näher ausgeführt. Die Allgemeinmedizin ist ein eigenes Fach. Die DEGAM als Fachgesellschaft hat dazu auch eine dezidierte und differenzierte Fachdefinition mit Ausführungen zu Arbeitsbereich, Arbeitsweise, Arbeitsgrundlagen und Arbeitsziel formuliert (http://www.degam.de/fachdefinition.html).

„Hausarzt“ ist kein (von der Kammer zu regelndes) Fachgebiet, sondern eine Funktion im Gesundheitssystem. „Hausarzt“ und Allgemeinmedizin haben eine mehr oder weniger große Schnittmenge. Nicht jeder Hausarzt ist Allgemeinmediziner und nicht jeder Allgemeinmediziner ist Hausarzt. Allgemeinmediziner sind zunehmend in Behörden, Notaufnahmen, in Reha-Kliniken und als Notärzte anzutreffen. Eine synonyme Verwendung, wie sie durch den Bezug der Weiterbildungsordnung im Fach Allgemeinmedizin auf den Hausarzt nahegelegt wird, ist falsch. Eine Entfernung solcher Begrifflichkeit aus der Weiterbildungsordnung ist damit so begründet wie überfällig.

Ein ganz anderes Fass macht Herr Rebmann auf, wenn er seine Sorge um die Weiterbildungsbefugnisse hausärztlicher Internisten im Fach Allgemeinmedizin formuliert. Grundsätzlich ist zu hinterfragen, inwieweit ein Facharzt auf einem Gebiet weiterbilden darf, das er selbst gar nicht durchlaufen hat. Gibt es das auch bei anderen Fächern? So geschieht es derzeit mit hausärztlichen Internisten in der Allgemeinmedizin. Dahinter steckt die vereinfachende Annahme, dass das ja ohnehin alles irgendwie das Gleiche sei. Mit Blick auf die Fachdefinition ist diese Annahme zurückzuweisen.

Abgesehen davon werden die Weiterbildungsbefugnisse in einer eigenen Richtlinie der Kammer geregelt und nicht in der Weiterbildungsordnung. Eine erneute Befassung mit diesem Thema ist wünschenswert und sollte von den Allgemeinmedizinern in der Kammerversammlung nochmals angeregt werden. Dies diente einer weiteren Schärfung des Faches und des Begriffes „Allgemeinmedizin“. Mit Blick auf das Abstimmungsergebnis erscheint diese Begriffsklärung geboten.

Dr. med. Ilja Karl
Facharzt für Allgemeinmedizin
Hausarzt