Leserbrief von Dr. med. Achim von Moltke

An einem der letzten Wochenenden musste ich zusammen  mit vielen meiner Kollegen wieder einmal der gesetzlichen Verpflichtung nachkommen, einen Kursus zur Erlangung der Fachkunde im Strahlenschutz zu absolvieren. An diesem Kurs teilzunehmen, fiel uns allen sehr schwer. In erster Linie deshalb, weil dadurch eines von den wenigen dienstfreien Wochenenden blockiert wurde, welche wir für unsere Familien und zur Erholung so bitter benötigen.

Natürlich will ich als Arzt meine Patienten vor Schäden bewahren, auch vor Schäden durch Röntgenstrahlen. Deshalb habe ich einmal gelernt, was es mit Röntgenstrahlen auf sich hat, welche Schäden sie verursachen können und wie man sich und seine Umwelt davor schützen kann. Das ist sicher sehr wichtig, aber was macht es wichtiger als viele, viele andere wichtige Dinge, die ich in meinem Studium gelernt habe und nicht vergessen dürfte? Warum wird ausgerechnet hier ein derartiger Aufwand mit Pflichtfortbildungen, Prüfungen und Kontrollen betrieben?

Zumal man den Inhalt der Kurse wirklich kritisch hinterfragen muss. Nur wenige Abschnitte befassen sich tatsächlich mit konkreten Strahlenschutz-Informationen, und die sind in der Regel längst bekannt. Den größten Teil nehmen jedoch Themen ein wie „Bauliche Maßnahmen zum Strahlenschutz“, „Prinzipien der digitalen Bildverarbeitung und Archivierung“ oder „Rechtliche Grundlagen der Teleradiologie“, die kaum etwas oder nichts mit unserer Tätigkeit am Patienten zu tun haben. Auf jeden Fall helfen uns diese Kurse kaum dabei, den Patienten vor Schäden zu schützen. Die wesentliche strahlenrelevante Tätigkeit des Nicht-Radiologen besteht darin, Röntgenuntersuchungen anzuordnen. Hier wäre es sinnvoll, Fortbildungen von Ärzten für Ärzte zu fördern, in denen die gezielte und strenge Indikationsstellung für Röntgenuntersuchungen vermittelt wird. Nebenbei bemerkt sollte man diese Kurse aber auch für Gutachter und Juristen fordern, welche den Arzt immer gerade dann anklagen, wenn er eine Untersuchung vermieden hat. Gerade hier ergeben sich nämlich die Pro­bleme, welche eine vermeidbare Strahlenbelastung von Patienten mit sich bringen, nicht durch unzureichende Kenntnisse über physikalische und organisatorische Hintergründe.

Die Teilnahme an den Kursen in der bisherigen Form ist daher meines Erachtens wenig zielführend und nicht ausreichend effizient. Dadurch ist die Akzeptanz  bei den Ärzten gering und der Kurs wird als zusätzliche bürokratische Belastung empfunden, was wiederum den Erfolg weiter schmälert.

Ich fordere Sie daher auf, im Interesse Ihrer Ärzteschaft Initiative zu ergreifen, um eine grundsätzliche Neustrukturierung der Strahlenschutzkurse herbei zu führen. Weniger zeitlicher und finanzieller Aufwand bei mehr Effektivität  sind gefordert. Gerade im Interesse unserer Patienten!

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Dr. med. Achim von Moltke, Burg