Leserbrief von Prof. Dr. Frank P. Meyer zum Artikel „3. Konsensuskonferenz der Kardiologen
und Herzchirurgen“ im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 7-8/2018, S. 12 f.

Sehr geehrte Frau Dr. Heinemann-Meerz,

in Heft 7/8 Ärzteblatt Sachsen-Anhalt wird auf der 3. Konsensuskonferenz der Kardiologen und Herzchirurgen Herr Dr. Gerhard Hoh zum Thema der lipidsenkenden Therapie in sekundär- und tertiärprophylaktischer Indikation zitiert. Der Konsens lautete: „Zur Senkung des LDL-Cholesterins mit dem Ziel der Reduktion von Herz- und Kreislaufereignissen in erster Linie Statine (Atorvastatin bevorzugt) …“

Aus klinisch-pharmakologischer Sicht sollte man sich keinen Illusionen hingeben! Durch Statine und die nachfolgend noch genannten Ezetemib und PCSK9-Inhibitoren kann zwar das LDL-C praktisch beliebig gesenkt werden, die Prognose der Patienten wird aber so gut wie nicht beeinflusst. Trotz einer minimalen Reduktion nicht tödlicher Herzinfarkte oder ischämischer Schlaganfälle wird weder die kardiovaskuläre noch die Gesamtmortalität reduziert.

Weshalb die Kardiologen aus Sachsen-Anhalt Atorvastatin bevorzugen, bleibt ein Rätsel. Auf der Basis der ASCOT-LLA-Studie (Sever et al.: Lancet 2003; 361: 1149-58) wurde Atorvastatin nur zur Primärprävention zugelassen. Dazu heißt es in der aktuellen Fachinformation zu Sortis (Pfizer, März 2018): „Zur Vorbeugung kardiovaskulärer Ereignisse bei erwachsenen Patienten, deren Risiko für ein erstes kardiovaskuläres Ereignis als hoch eingestuft wird.“

Für sekundär- und tertiärprophylaktische Indikationen gibt es keine validen Daten – also „Off-Label-Use“! Es sollte eher Konsens sein, zur LDL-C-Senkung den am besten untersuchten Wirkstoff in der am besten untersuchten Dosis (seit der 4 S-Studie 1994) einzusetzen – also Simvastatin 40 mg täglich!

Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Frank P. Meyer,
39164 Wanzleben-Börde