Dietmar Posse Kommt ein Arzt zum Menschen ... Geschichten aus MitteldeutschlandGeschichten aus Mitteldeutschland

Drei Kastanien Verlag Lutherstadt Wittenberg 2018, ISBN 978-3-942005-22-7,
Broschur 19 cm x 12 cm, illustriert von Hella Kapischke, 109 Seiten, 8,90 €

Es ist nicht das Buch mit sogenannten Arztwitzen, wie man beim ersten Hinsehen vermuten könnte. Es lebt vielmehr von Begebenheiten aus dem ärztlichen Alltag mit einer kleinen Sammlung sehr persönlicher Erlebnisse, zusammengetragen aus den Mühen der Ebene, wie es Brecht wahrnehmen würde.

Der Autor Dietmar Posse ist Doktor in einer kleinen Landstadt in Anhalt, also mitten im sog. Mitteldeutschland. Von Geburt an und auch mit seinen fünfunddreißig Jahren bodenständiger Landarzttätigkeit gehört er zur Region. Seine Vita verrät den beruflichen Werdegang eines Ostbürgers in den Grenzen der gesellschaftlichen und persönlichen Spielart. Man entnimmt das beiläufig den hier vorgelegten siebzehn Geschichten, deren wahren Kern der Autor eingangs beschwört. Er ist darin jeweils eine der handelnden Zentralfiguren.

Da steht eine Mutter stocksteif auf der Leiter, mit der Kordel in der Hand. Die verdächtigte Suizidabsicht ist keine solche. Bei einer herzrasenden Schwangeren wird versucht, durch Demonstration der Valsalva-Prozedur den Vagus zu aktivieren. Die Sache geht beim Vormacher laut nach hinten los. Dienst- und Privatwagen geben kurz hintereinander den Geist auf – falsch gefüttert. Dem Beruf der ambulanten Schwester wird ein Denkmal gesetzt. Die Bürger der kleinen Stadt werden Mitinitiatoren der großen Wende. Falsches Heldentum kommt zwar am hängenden Traktor, bei den Wachhunden eines gestürzten Radfahrers aber nicht mehr zum Zuge. Der Horror verwechselter Airports in Big Apple löst sich dank eines leibhaftigen Engels für die panisch verängstigten Reisenden aus der fernen Provinz auf, nicht der einzige glückliche Ausgang in diesen Erzählungen. Es sind das alles Geschichten aus dem Leben, Mosaiksteinchen mitteldeutscher Alltagshistorie vor und nach dem Mauerfall. Von Künstlerinnenhand ausgeführte Zeichnungen schmücken die Texte, die vom Autor mit Bildung und geistvoll gespickt werden.

Genderkorrektheit spielt darin nicht die erste Rolle. Seine humorige Grundhaltung empfehlen den Arzt, der zum Menschen kommt, zur vergnüglichen Lektüre in und außerhalb der besungenen Region.

F.T.A. Erle, Magdeburg

Cover: Verlag