Leserbrief von Dr. med. Ilja Karl zur Presseinformation „Herzkatheterlabor schließt medizinische Versorgungslücke“ im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt, Heft 6/2019, S. 17f

Im „Deutschen Herzbericht 2017“ ist zu lesen, dass die KHK-Mortalität in Sachsen-Anhalt im Bundesvergleich am höchsten ist. Gleichwohl kann dem Bericht entnommen werden, dass in Sachsen-Anhalt die Zahl der Linksherzkatheter-Untersuchungen und der Koronarinterventionen (jeweils je 100.000 Einwohner) über dem Bundesdurchschnitt liegen (7,5 % und 2,3 %). Andererseits stehen Bundesländer mit geringerer Katheter-Dichte in der Mortalitäts-Statistik besser da (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Niedersachsen).

Gegenwärtig werden Patienten des Altmarkkreises Salzwedel in Stendal, Wolfsburg, Uelzen, Bad Bevensen und Perleberg mit Katheterleistungen versorgt. Dabei gelingt es dem Rettungsdienst, Patienten mit STEMI zeitgerecht einer notwendigen Katheterintervention zuzuführen. Die Wartezeiten auf elektive Kathetertermine sind mit rund 14 Tagen akzeptabel.

Welcher Art die durch ein Herzkatheterlabor in Salzwedel zu schließende Lücke auch sein mag, eine „medizinische Versorgungslücke“ ist es ganz sicher nicht. Weder aus Sicht eines Hausarztes noch aus der Perspektive des Rettungsdienstes ergibt sich die Notwendigkeit zur Einrichtung eines derartigen Angebotes. Eine Verbesserung der Versorgung insbesondere von Infarkt-Patienten ist nicht zu erwarten.

Mit Blick auf diese kolossale Fehlallokation ist zu fordern, dass Basis-Versorger mit regional abgestimmtem Versorgungsangebot abseits des DRG-Systems auskömmlich finanziert werden. Damit ließe sich ökonomisch motivierte Fehl-, Über- und Unterversorgung reduzieren.

Dr. med. Ilja Karl
Hausarzt, Notarzt