Antwort auf den Leserbrief von Frau Prof. Dr. phil. Gabriele Meyer im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 30 (2019) 9, Seite 56/57 zum Thema „Ärztemangel: Delegation oder Substitution als Alternative“ von Dr. med. Jörg Böhme im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 30 (2019) 7/8, Seite 5

Die Delegierten des Deutschen Ärztetages haben wiederholt über das Thema Delegation versus Substitution diskutiert. Die Delegierten haben entschieden, den Weg der Delegation ärztlicher Leistungen weiter zu verfolgen. Die Substitution ist von dem höchsten Gremium der deutschen Ärzteschaft abgelehnt worden.

Die jetzige Ordnung unter den Gesundheitsprofessionen ist der Goldstandard.

Es ist unbestritten, dass Deutschland eines der teuersten, aber nicht unbedingt besten Gesundheitssysteme der Welt hat.
 
In den letzten Jahren sind nicht unerhebliche Anstrengungen unternommen worden, unsere nichtärztlichen Mitarbeiter weiter zu qualifizieren, auch um immer mehr ärztliche Leistungen an diese zu delegieren. Diese Mitarbeiter*innen sind schon heute wichtiger und nicht mehr verzichtbarer Bestandteil in der Versorgung. In den nächsten Jahren wird der Physician Assistent in der ambulanten Versorgung mit immer mehr Kompetenzen etabliert sein. Wir sind dabei, die ambulante und stationäre haus- und fachärztliche Versorgung im Rahmen der Delegation weiterzuentwickeln, um den Erfordernissen der medizinischen Versorgung auch in der Zukunft gerecht zu werden.
 
Ein völlig anderer Weg wird im Bereich der Gesundheits- und Pflegewissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg beschritten. Dort werden Pflegende unter anderem in den Bereichen der Versorgung von Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 und chronischen Wunden/Stoma im Rahmen des primärqualifizierenden Bachelor-Modellstudiengangs nach § 63 Abs. 3 c SGB V „Evidenzbasierte Pflege“ qualifiziert, mit dem Ziel, ärztliche Leistungen zu substituieren.

Durch die weitere Qualifizierung und dem Erschließen neuer Aufgabenfelder für die Pflegekräfte wird sich der Engpass in der pflegerischen Versorgung verbessern.

Die Landarztquote ist ein Baustein, um den medizinischen Versorgungsengpass im ländlichen Raum meistern zu können. Ob die Pflegenden, die zur Substitution ärztlicher Leistungen qualifiziert werden, den Weg in die strukturschwache und dünn besiedelte Altmark finden werden, ist auch ungewiss.

Die Reaktion auf mein Editorial in der Juli/August-Ausgabe des Ärzteblattes Sachsen-Anhalt hatte ich erwartet. Das Modellvorhaben wird durch das HIS (Institut für Hochschulentwicklung e. V.) evaluiert. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein. Dabei wird sich zeigen, ob der Nachweis, dass durch diese Substitution im Vergleich zur Delegation eine bessere ärztliche Versorgung möglich ist, erbracht werden kann.

Dr. Jörg Böhme