Wilhelm Grunke (Foto: Archiv Dr. D. Schwartze)

Wilhelm (Albert August) Grunke wurde am 5. Juni 1895 als Sohn des Dipl. Ing. Wilhelm Grunke und seiner Frau Mathilde, geb. Thoms, zu Rostow am Don geboren. Nach dem Abitur studierte er 1912 – 1914 an der Moskauer Universität Naturwissenschaften.

Nach Internierung 1914 – 1918 nahm er 1918 sein Studium der Medizin an der Berliner Universität auf und bestand 1921 die Staatsprüfung (Approbation 29.9.1921). Am 22.5.1922 wurde er mit der Arbeit „Über die Ausscheidung von Cholesterin im Harn“ promoviert. Vom 1.11.1921 bis 1.11.1927 war Grunke als Arzt an der IV. Medizinischen Univ.-Klinik im Städtischen Krankenhaus Moabit tätig, davon von 1.11.26 -1.11.27 als Oberarzt.

1927 folgte er Theodor Brugsch (1878-1963) nach Halle/S. (1.11.27-1.10.29 außerplanmäßiger, ab 1.10.29 planmäßiger Assistent) an die I. Medizinische Universitätsklinik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. An dieser betreute er vorrangig 9 Jahre die Infektionsstation. Nach Ablegungen der Habilitationsleistungen erhielt W. Grunke am 6.11.1931 die Venia legendi für Innere Medizin. Das Thema der Habilitationsarbeit war „Die Reizleitungsstörungen des Herzens bei Diphtherie“, die Probevorlesung (22.10.31) wurde über „Agranulozytose“ und die Antrittsvorlesung (6.11.31) über „Nietzsches Beziehungen zur Naturwissenschaft und Medizin“ gehalten.

Nach der am 12.3.1936 durch den Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung erlassenen Beurlaubung des o. Prof. Th. Brugsch wurde der Oberarzt Doz. Dr. Grunke mit der Wahrnehmung der Professur f. Innere Medizin beauftragt. Gleichzeitig erfolgte die Ernennung zum nicht beamteten a. o. Professor. Am 24.7.1937 wurde der Übertritt in die Medizinische Fakultät Breslau genehmigt. Grunke wurde dort Chefarzt der 1. Städt. Medizinischen Klinik im Krankenhaus Allerheiligen.

W. Grunke war NS-belastet: N.S.D.A.P. seit 1.4.33; N.S.K.K. seit 8.7.33; NS-Ärzte und Dozentenbund (Fragebogen v. 9.3.37-UAHW Rep. 29, Nr. 916). Nach Übersiedlung in die SBZ 1945 erfolgte am 11.3.1948 die Entnazifizierung.

Nach der Tätigkeit als Seuchenkommissar und Leiter der Inneren Abteilung am Kreiskrankenhaus Burg wurde
W. Grunke am 1.6.1954 zum Professor mit Lehrstuhl für Innere Medizin und Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der MLU Halle-Wittenberg berufen. Die Antrittsvorlesung hatte den Titel „Von den Kranken, der Krankheit und dem Arzt, zugleich ein Querschnitt durch die Geschichte der Medizin“ (13.9.54). Trotz am 1.9.1962 erfolgter Emeritierung wurde er mit der kommissarischen Weiterleitung der Klinik beauftragt. Er kündigte diesen Arbeitsvertrag am 25.2.63 nach Überstehen einer Hepatitis (November 1962) aus gesundheitlichen Gründen. Im Dekanatsprotokoll vom 19.2.1963 ist aber zu lesen: „ … dass er sich durch Herrn Dr. Kaiser brüskiert fühle, weil dieser gegen die von ihm beantragte Ernennung seines Assistenten Rohde zum Oberarzt Stellung genommen habe. Er, Grunke, sähe sich auch nicht in der Lage, mit Herrn Kaiser im Rat der Fakultät zusammenzuarbeiten“ (UAHW, s. o.)

1961 war W. Grunke als „Verdienter Arzt des Volkes“ ausgezeichnet worden Er verstarb am 24. Februar 1975.

Neben zahlreichen Einzelveröffentlichungen aus dem Gebiet der Inneren Medizin ( bis 1952 68 Arbeiten) war W. Grunke Verfasser folgender Bücher:

  • Die Anwendung der Sulfonamide in der inneren Medizin und ihren Grenzgebieten, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 1949)
  • Therapeutische Technik in der inneren Medizin, Walter de Gruyter, Berlin 1952;
  • Klinik der einheimischen Infektionskrankheiten, Barth-Verlag, Leipzig 1956 und VEB Georg Thieme, Leipzig 1962;
  • (als Herausgeber) Lehrbuch der Hämatologie, Jena, Fischer-Verlag 1966 (Grunke bearbeitete „Pathologie des weißen Blutbildes“, S. 277-374).


W. Grunke war ein Internist, welcher solide arbeitete und lehrte, dem Attitüden seines Lehrers Brugsch fehlten und seinen spezialisierten Mitarbeitern großen Freiraum gab. Die klinischen Semester der Jahre 1959-1962 empfanden seinen akademischen Unterricht im Gegensatz zu dem seines sogar noch jüngeren Kollegen Robert E. Mark (1898-1981), I. Medizinische Klinik, welcher von den Meriten seiner jungen Assistenten- und Dozentenjahre lebte und das antiquierte Lehrgebäude in einem „Seminar für innere Erkrankungen“ auf 272 Seiten zusammenfasste und in seiner Klinik für Studenten nur die Auskultation mit dem historischen Holzstethoskop erlaubte, als wohltuend und für den zukünftigen Arztberuf sehr brauchbar.

MR Dr. Dieter Schwartze,
Petersberg